Wohngeld oder Hartz IV

Rechtsanspruch auf Wohngeld

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, die Miet- und Kaufpreise für Immobilien steigen: Nicht nur Arbeitssuchende, sondern auch Geringverdiener leiden darunter und müssen sich vielfach fragen, ob sie ihre Miete am Ersten des Monats zahlen können. Damit einkommensschwächere Haushalte bezüglich ihrer Wohnkosten unterstützt werden können, führte die BRD 1965 einen staatlichen, nicht zurückzuzahlenden Wohnkostenzuschuss – das Wohngeld – ein. Mit der Deutsch-Deutschen-Wiedervereinigung konnten ab 1991 auch die Bürger der neuen Bundesländer Wohngeld beantragen. Sofern die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt werden, haben Deutsche sowie Ausländer mit aktueller Aufenthaltserlaubnis einen Rechtsanspruch auf Wohngeld und das kommt nicht nur Wohnungsmietern, sondern auch selbst nutzenden Eigentümern von Eigenheimen oder Eigentumswohnungen zugute.

Hartz IV oder Wohngeld?

Wenn das Einkommen nicht genügt, um die Miet- sowie alle anderen notwendigen Lebensunterhaltskosten zu decken, liegt es nahe, sich Hilfe von staatlicher Seite zu suchen, doch was sollte nun beantragt werden? Hartz IV oder Wohngeld? Arbeitslosengeld II und Wohngeld haben im Grunde nur eines gemeinsam: Beide Leistungen dienen der Unterstützung einkommensschwacher Personen.

Zuerst kommt das Wohngeld

Wohngeld lässt sich nur beantragen, wenn ein Mindesteinkommen vorhanden ist. Hartz IV hingegen ist eine Sozialleistung, die sowohl an einkommenslose als auch an einkommensschwache Personen als aufstockende Leistung gezahlt wird. Der Leistungsempfang verlangt den Beziehern von Hartz IV jedoch einiges ab. Erfüllen sie die ihnen auferlegten Pflichten (Ortsanwesenheit, Meldepflichten, nachweisliche Bewerbungsbemühungen etc.) nicht, kann das Jobcenter sie sanktionieren, indem es ihnen die Bezüge kürzt. Außerdem gilt: Kann eine Hilfebedürftigkeit, wie sie in § 9 SGB II beschrieben ist, nämlich durch die Bezuschussung von Wohngeld verhindert werden, steht die Beantragung von ALG II erst an zweiter Stelle, wie in § 7 WoGG eindeutig festgelegt ist.

Mindesteinkommen beim Wohngeld

Um das Mindesteinkommen zu errechnen, das für einen Wohngeldantrag unabdingbar ist, kann eine simple Formel herangezogen werden:

Hartz IV Regelsatz (falls vorhanden zuzüglich Mehrbedarf) + Warmmiete (Heizkosten inbegriffen)

Seit dem 1. Januar 2016 beträgt der Hartz IV Regelsatz 404 Euro für alleinstehende Personen. Ein Mehrbedarf entsteht beispielsweise bei Krankheiten oder Behinderungen, weil Betroffene zumeist Extrakosten zu tragen haben.

Einkommensgrenzen beim Wohngeld

Wohnraum ist überall unterschiedlich teuer: In manchen Städten herrschen moderate Quadratmeterpreise, in anderen müssen Mieter oder Käufer schon sehr viel mehr ausgeben, um sich eine Wohnung oder ein Haus leisten zu können. Aus diesem Grund sind die Städte und Gemeinden in sechs verschiedene Mietstufen eingeteilt. Mietstufe I entspricht dem günstigsten und Mietstufe VI dem teuersten Wohnraum. München oder Hamburg sind zwei Beispiele für Städte mit Mietstufe VI: Personen, die dort leben, haben das höchste Einkommen, mit dem Wohngeld gewährt wird. Die Frage, ob ein Antrag auf Wohngeld Erfolg hat, richtet sich demnach nicht nur nach dem Einkommen, sondern auch nach dem lokalen Mietpreisdurchschnitt, der mit dem Einkommen ins Verhältnis gesetzt wird.

Höhe des Wohngeldes

Ob jemand Wohngeld in Anspruch nehmen kann und wie hoch dieses ausfällt, hängt von drei Faktoren ab:

  • der Anzahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder
  • der Höhe des Gesamteinkommens
  • der Höhe der zuschussfähigen Miete bzw. Belastung

Wohngeldreform 2016

Durch die Wohngeldreform, die am 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist, haben die Wohngeldleistungen eine Steigerung erfahren: So wurden die Obergrenzen für die maximal zuschussfähige Miete (bei Mietern)/Belastung (bei Eigentümern) angehoben und auch die Einkommen können nun höher sein, denn diese Grenzen sind ebenfalls nach oben verschoben worden.

Hartz IV schließt Förderung durch Wohngeld aus

Seit dem 1. Januar 2005 – Einführung des ALG II – wird Wohngeld nur noch Nicht-Transferleistungsbeziehenden gewährt, da bei ihnen die Unterkunftskosten von der Transferleistungsstelle berücksichtigt werden. Als Transferleistungen gelten insbesondere

  • ALG II
  • Sozialhilfe
  • Grundsicherung im Alter bei Erwerbsminderung

Wohngeld zusätzlich zum ALG I

Bezieher von Arbeitslosengeld I haben hingegen durchaus die Möglichkeit, einen Antrag auf Wohngeld zu stellen. Im Gegensatz zu ALG II handelt es sich bei ALG I nämlich um eine Versicherungsleistung, die sich in der Höhe nach dem zuletzt verdienten Einkommen richtet. In der sich jeweils individuell ergebenden Summe ist keine Wohnkostenpauschale inbegriffen. Sollte das Arbeitslosengeld I also zu gering ausfallen, lohnt es sich, Wohngeld zu beantragen.

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