Blanker Hohn: Geplante Hartz IV Erhöhung 2022 gleicht einer Kürzung

junge Frau konfus

Hartz IV soll im Jahr 2022 steigen. Darüber berichten gleich mehrere Medien. Zur Erinnerung: Vor ein paar Wochen hatte man noch mit einer Nullrunde oder gar Abstrichen gerechnet. Aber: Besser geht es Betroffenen damit nicht. Hartz IV Bedürftigen bliebe unter dem Strich sogar weniger Geld zum Leben. Der Paritätische Wohlfahrtsverband spricht von blankem Hohn. Auch andere Verbände haben die Erhöhung bereits kritisiert.

Drei bzw. zwei Euro mehr

Die Daten, die aktuell zur geplanten Anpassung kursieren, aber noch nicht von offizieller Seite untermauert wurden: Drei Euro mehr für Jugendliche und Erwachsene sowie ein Plus von zwei Euro für Kinder unter 14 Jahren. Heißt: Statt 446 Euro Hartz IV Regelsatz für Erwachsene soll es künftig 449 Euro monatlich geben. Zahlen, die der Paritätische Wohlfahrtsverband als „lächerlich gering“ anprangert.

Nicht einmal ein Prozent plus

Umgerechnet entspricht die Hartz IV Anpassung einer Erhöhung um knapp einen Prozentpunkt. Das liegt unterhalb des Inflationswertes, den die Europäische Zentralbank bei etwa zwei Prozent halten möchte. Im Moment liegt die Teuerung in der Bundesrepublik sogar deutlich darüber – laut Statistischem Bundesamt bei 3,8 Prozent (Nahrungsmittel 4,3 Prozent und Energie 11,6 Prozent).

Kurzum: Da Hartz IV der Inflation schon lange hinterherhinkt, kommt die Anpassung laut Verband „sogar einer Kürzung gleich“.

Inflation treibt Hartz IV Bedürftige in die Enge

Preissteigerung ausgleichen

Daher fordert der Wohlfahrtsverband die Bundesregierung auf, über die Festschreibungsformel für die Hartz IV Regelsätze mindestens die Preissteigerungen auszugleichen. Abgesehen davon sei die Grundsicherung längst nicht mehr bedarfsdeckend und müsse zumindest 600 Euro betragen.

Arme lässt man im Regen stehen

Verbands-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider findet für das Vorgehen klare Worte:

„Es ist nicht zu fassen, dass die Bundesregierung die Armen wieder einmal im Regen stehen lässt.“

Man entferne sich immer weiter vom tatsächlichen Bedarf der Menschen.

Es droht Kaufkraftverlust

Hartz IV: Lebenshaltungskosten steigen unerbittlich

Für Hartz IV Bedürftige und Betroffene in der Altersgrundsicherung hat das handfeste Konsequenzen: Ihnen droht ein realer Kaufkraftverlust. Schneider:

„Es ist ein Trauerspiel, wie wenig die Bundesregierung im wahrsten Sinne des Wortes für arme Menschen übrig hat.“

644 Euro wären sachgerecht

Zahlen dazu, wie hoch der Hartz IV Regelsatz sein müsste, um als sachgerecht zu gelten, werden immer wieder veröffentlicht. Der Paritätische Wohlfahrtsverband spricht sich für mindestens 644 Euro statt der aktuell 446 Euro aus. Dass ein Corona-Zuschuss gezahlt worden sei, entspreche da eher dem berühmten „Tropfen auf den heißen Stein“.

Pressemitteilung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vom 26.08.2021

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