Hilfe für Hartz IV Bedürftige: 9-Punkte-Plan gegen soziale Ausgrenzung

Plan gegen soziale Ausgrenzung

Jede Medaille hat zwei Seiten. Während der Arbeitsmarkt inzwischen wieder positive Tendenzen zeigt, verharrt die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit Ende 2020 auf einem extrem hohen Niveau von über einer Million Hartz IV Bedürftigen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt vor den Folgen: Armut, soziale Ausgrenzung und gesundheitliche Belastung. Abhilfe soll ein 9-Punkte-Plan schaffen.

Erschreckend hohe Zahl

„Wir müssen schnell handeln, um zu verhindern, dass sich die erschreckend hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen dauerhaft verfestigt“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider. Betroffene dürften nicht zu den „arbeitsmarktpolitischen Opfern der Pandemie werden“.

Ein Plus von 47 Prozent

Wie sehr der Schuh drückt, belegt der Anstieg der Langzeitarbeitslosen um 47 Prozent während der Corona-Krise. Für Hartz IV Bedürftige, die in diese Kategorie fallen, sind die Folgen aus Sicht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes verheerend – bis hin zu gesundheitlichen Problemen.

Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt rapide

Jobcenter sind gefordert

Um den Teufelskreis zu durchbrechen, sind laut Verband vor allem die Arbeitsagenturen und Jobcenter gefordert. Sie müssten wieder „flächendeckend ansprechbar werden“ und gezielt mit Förderangeboten auf betroffene Hartz IV Bedürftige zugehen. „Trotz der widrigen Umstände müssen die Arbeitsverwaltungen jetzt in die Offensive gehen“, so Schneider.

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Förderung ohne Sanktionen ausbauen

Wichtig sei vor allem der persönliche Kontakt. Darüber hinaus müsse die Förderung massiv ausgebaut werden. „Und zwar unter völligem Verzicht auf Sanktionen“, betont der Paritätische Wohlfahrtsverband. Zuletzt hätten nur 1,5 Prozent der Langzeitarbeitslosen an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen und nur drei Prozent durch öffentlich geförderte Beschäftigung den Weg aus Hartz IV gefunden.

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Weiterbildung anpassen

Damit die Maßnahmen von Erfolg gekrönt sind, fordert der Verband, die Fort- und Weiterbildung langzeitarbeitsloser Hartz IV Bedürftiger laufend an die sich wandelnden Bedingungen des Arbeitsmarkts anzupassen. Das sei bislang nicht geschehen und müsse umgehend nachgeholt werden.

Hartz IV Bedürftige erhalten kaum Weiterbildung

Gesundheitliche Probleme beachten

Dabei dürfe nicht übersehen werden, dass Menschen, die über Jahre hinweg auf Hartz IV angewiesen sind, häufig unter psychosozialen Belastungen und gesundheitlichen Problemen litten. Auch diese Aspekte müssten sich in den Angeboten der Jobcenter niederschlagen.

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9-Punkte-Plan

Der aktuelle Stand der Langzeitarbeitslosen mit 1,05 Millionen Betroffenen, entspreche dem Wert aus dem Frühjahr 2015. Die bisherigen Erfolge seien durch die Pandemie zunichtegemacht worden. Ein 9-Punkte-Plan soll helfen, die Zahl wieder zu reduzieren.

Zentrale Punkte des Plans: Persönliche Kontakte erhöhen, differenzierte Beratung, regionale Ansätze, Ausbau der Qualifizierung, Angebote für ältere Hartz IV Bedürftige, öffentlich geförderte Beschäftigung, Ressourcen der Jobcenter verbessern und Gespräche auf Augenhöhe

Der Plan zum Download: https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Stellungnahmen/Corona-LangzeitArbeitslosigkeit_ueberwinden_final.pdf

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