Hartz IV: Schuldnerberatung rechnet mit großer Nachfrage

Schuldnerberatung rechnet mit großer Nachfrage

Aktuell ist die Zahl der Anfragen bei den Schuldnerberatungen weitgehend unverändert. Das böse Erwachen dürfte jedoch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Durch die Corona-Pandemie haben viele ihren Job oder die eigene Firma verloren und sind inzwischen auf Hartz IV angewiesen. Finanzielle Verpflichtungen türmen sich dann schnell zu einem unbezwingbaren Berg auf, nachdem die Eigenmittel aufgebraucht sind.

Wenige Corona bedingte Fälle

Die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Kreis Pinneberg hat bislang nur wenige Corona bedingte Fälle. „Es waren nicht so viele, wie wir vermutet haben“, erklärte die Leiterin der Einrichtung, Dana Bogner, gegenüber dem „Pinneberger Tageblatt“.

Verfehlte Corona-Politik treibt Menschen in Hartz IV

Große Scham der Betroffenen

Sie vermutet, dass viele erst ihre Reserven aufbrauchen, ehe sie sich melden. Viele koste es eine große Überwindung, zur Schuldnerberatung zu gehen. „Die Scham ist allgegenwärtig“, weiß Dana Bogner aus ihrem Berufsalltag.

Nichtsdestotrotz rechnen sie und ihre Kollegen bald schon mit einer großen Welle derer, die durch Corona an den finanziellen Abgrund geraten sind. Etwa, weil statt des normalen Einkommens plötzlich nur noch Hartz IV zur Verfügung steht.

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Schuldenfalle Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit und damit Hartz IV ist in Pinneberg mit 13,74 Prozent eine der häufigsten Ursachen für Überschuldung. Dieses Problemfeld dürfte noch größer werden, wenn nach dem Jobverlust durch Corona das Arbeitslosengeld I ausläuft und man ALG II erhält oder als Selbstständiger direkt in die Grundsicherung fällt. Auch langfristig niedrige Einkommen führen oft (14,69 Prozent) in die Schuldenfalle.

Zahl der Arbeitslosen nimmt spürbar ab

Hilfen in Anspruch nehmen

Wer vor solchen Problemen steht oder befürchtet, der Last auf Dauer nicht gewachsen zu sein, sollte sich professionelle Hilfe suchen. Und sei es nur ein Telefonat.

„Die Menschen öffnen sich viel mehr am Telefon, das Schamgefühl scheint dort geringer zu sein“, so Dana Bogner. Eines der obersten Ziele der Schuldnerberater: Menschen vor der Obdachlosigkeit zu bewahren.

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Pfändungsfreigrenze beachten

Damit zumindest die Lebenshaltungskosten geschützt sind, hat der Gesetzgeber Pfändungsfreibeträge festgelegt. Sie steigen zum 1. Juli 2021 und gelten auch für Hartz IV Bedürftige.

Zur Info: Zum 1. Juli wurde der Pfändungsfreibetrag von 1.178,59 Euro auf 1.252,64 Euro angehoben.

Denn Hartz IV oder vielmehr das Arbeitslosengeld II kann im Fall der Fälle ganz normal als Einkommen gepfändet werden. Dem sollte man mit einem Pfändungsschutzkonto entgegenwirken, wenn es finanziell eng wird.

Neue Pfändungstabelle – ab 01.07.2021 höherer Pfändungsfreibetrag

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