Dank Hartz IV als Schmarotzer abgestempelt

Dank Hartz IV als Schmarotzer abgestempelt

Viele Selbstständige haben während der Corona-Pandemie ihre Verdienstgrundlage verloren und inzwischen jeden Cent aufgebraucht. Dann kommt Hartz IV. Eine Situation, mit der vorher niemand gerechnet hätte. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht: Abhängig vom Jobcenter und von der Gesellschaft als Arbeitsverweigerer beschimpft. Diese Erfahrung machte ein Unternehmer, dessen Geschichte der Hessische Rundfunk vorstellte.

Entwürdigendes Gefühl

Irgendwann ging es nicht mehr. Da blieb Carsten Wildenhain nur der Gang zum Amt und der Antrag auf Hartz IV. „Du wirst ratzfatz als Schmarotzer abgestempelt“, so die Erfahrung des Event-Zeltverleihers. Man habe ihn als Arbeitsverweigerer beschimpft. Er empfindet die Situation als unwürdig, ja sogar entwürdigend.

„Möchte nicht mit Hartz IV Bedürftigen tauschen“

Obwohl der Unternehmer erst seit Januar auf Hartz IV angewiesen ist, kann er ungefähr einschätzen, wie sich Langzeitarbeitslose fühlen müssen. „Ich möchte mit niemandem tauschen, der tatsächlich in der Lage ist, das [Hartz IV bzw. Arbeitslosengeld II] dauerhaft beantragen zu müssen“, lautet seine ehrliche Meinung. Daran zeigt sich: Spätestens, wenn man selbst mit Hartz IV konfrontiert ist, ändert sich die Sichtweise.

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Viele Selbstständige betroffen

Wie Carsten Wildenhain geht es mittlerweile vielen Selbstständigen. Sie müssen sich gleich zweifach vorwerfen lassen, vom Staat zu leben. Zum einen, weil sie Überbrückungsgeld erhalten haben. Zum anderen, weil sie irgendwann nicht umhinkommen, Hartz IV zu beantragen, um überhaupt noch über die Runden zu kommen.

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Überbrückungsgeld füllt nicht den Kühlschrank

Was viele dabei übersehen: Das Überbrückungsgeld darf nur für die reinen Betriebskosten genutzt werden. Die Hilfe ist nicht dazu gedacht, den Kühlschrank zu füllen oder die Kosten für die Krankenversicherung zu decken. Private Entnahmen sind nicht möglich und auch nicht erlaubt. So kommt es dann, wie es kommen muss: Hartz IV bleibt der letzte Ausweg.

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Kampf gegen Insolvenz

Der Event-Zeltverleiher hat den Kopf bislang noch nicht in den Sand gesteckt. Obwohl er voriges Jahr 300.000 Euro Einbußen erlitt und 150.000 Euro in eine Waschmaschine für Zeltplanen investierte, als Rente, wenn er selbst mal keine Zelte mehr aufbauen kann, kämpft Carsten Wildenhain für seine Firma. Um zumindest ein paar Euro im Kampf gegen die Insolvenz zu verdienen, hat er seine Idee der Küchenbühne mit Online-Koch-Events in die Tat umgesetzt.

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