Digital unsichtbar und hilflos dank Hartz IV

Frau vor Laptop im digitalen Teamgespräch

Die Corona-Pandemie stellt für alle eine Herausforderung dar. Doch für Hartz IV Empfänger und all jene, die am Rande des Existenzminimums leben, haben sich zusätzliche Probleme eröffnet. Das gilt zum Beispiel für den gesamten digitalen Bereich. Ohne die nötige Infrastruktur wie Computer und Internet findet man kein Gehör mehr und verschwindet langsam aus der Wahrnehmung, sagt das Armutsnetzwerk.

Digitalisierungsschub sorgt für Probleme

Homeschooling, Home-Office, Beratung, Kurse – aufgrund der Corona-Krise haben sich viele Lebensbereiche auf die digitale Ebene verabschiedet. Statt von Angesicht zu Angesicht zu sprechen, sorgen Headset, Kamera und Rechner für eine elektronische Verbindung. Für viele Hartz IV Familien und Haushalte mit prekärer Einkommenssituation ein Problem. Denn oft fehlt das Geld für die technische Ausstattung.

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Michael Stiefel, Vorstandsmitglied im Armutsnetzwerk, nennt die Dinge, die heutzutage mindestens vorhanden sein müssen, um überhaupt gehört zu werden: ein Raum, ein Computer, eine stabile Internetverbindung und vorher eine Dusche. Sonst wird es schwer, weiß auch Maria Loheide vom Diakonie-Vorstand:

„Menschen mit Armutserfahrung erleben, dass sie aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden.“

Forderung: Teilhabe armutsbetroffener Menschen

Um Abhilfe zu schaffen, lautet die Forderung: Die Teilhabe von Armut betroffener Menschen muss in das Regierungsprogramm aufgenommen werden. Das gelte schon seit Jahren für Behinderte. Auch Gewerkschaften und Arbeitgeber verschafften sich regelmäßig Gehör. Wer jedoch, wie Hartz IV Bezieher, am Rande des Existenzminimums lebe, rede in der Politik nicht mit.

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Existenzängste werden verstärkt

Im Laufe der Corona-Pandemie habe sich diese Problematik noch verschärft, erklären Maria Loheide und Michael Stiefel. Abstandregeln und neue Formate machten Betroffene „digital unsichtbar“. Warum? Weil der Hartz IV Regelsatz es schlichtweg nicht erlaube, einen PC, eine Kamera, einen Drucker oder ein Headset zu finanzieren.

Das sorge für „digitale Hilflosigkeit“ und verstärke neben den Existenzängsten auch die Einsamkeit. Denn Treffpunkte und sonstige Hilfsangebote waren oder sind noch geschlossen. Daher seien dringend Maßnahmen gegen die Ausgrenzung nötig. Angefangen bei der Technik über das Know-how bis hin zur digitalen Anbindung sowie der Erhöhung der Sozialleistungen. Denn, so die unmissverständliche Botschaft:

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    „Der soziale Notstand ist da.“

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