47% der Tafel Haushalte sind Hartz IV Bedürftige

Ausgabe Lebensmittel bei der Tafel

Die Tafeln subventionieren den niedrigen Regelsatz des Hartz IV Systems – so zumindest der Anschein, wenn man sich die Kundinnen und Kunden der Tafeln in Deutschland im Detail anschaut. Insgesamt sind nach Angaben von Tafel Deutschland e.V. im Jahr 2019 47% der Kundenhaushalte auf Hartz IV Leistungen angewiesen.

1,65 Millionen Menschen auf Tafeln angewiesen

Nach den Statistiken der Tafel e.V. waren im Jahr 2019 insgesamt 1,65 Millionen Menschen auf die Tafeln in Deutschland angewiesen, ein Anstieg um 10% respektive 150.000 Bedürftige zum Vorjahr. Alarmierend ist auch die Anzahl der Kinder und Jugendlichen – fast 500.000 (Anstieg um 10% zum Vorjahr) – sowie der Senioren mit 430.000 (Anstieg um 20% zum Vorjahr), die zur Lebensmittelbeschaffung auf die Tafeln angewiesen sind.

Statistik Kreisdiagramme Tafel Kunden

Anstieg um 20% bei Hartz IV Haushalten

Dass der Hartz IV Regelsatz für Lebensmittel nicht ausreicht, zeigt auch ein Vergleich mit den Vorjahren. Im Vergleich zu 2016, wo nach Angaben von Tafel Deutschland 38,8% der Kundenhaushalte auf SGB II Leistungen angewiesen waren, erhöhte sich dieser Anteil um etwa. 21% bzw. ein Fünftel auf 47% in 2019.

Hartz IV: Tafeln verzeichnen dramatisch wachsenden Zulauf

Seit Einführung von Hartz IV Anzahl der Tafeln verdoppelt

Betrachtet man die Entwicklung der Tafeln in Deutschland, wird schnell deutlich, dass sich die Anzahl der Tafeln seit Einführung von Hartz IV in 2005 von 480 auf 947 im Jahr 2019 fast verdoppelt haben.

Tafeln in Deutschland 1993 bis 2019

Insgesamt lässt dies also den Schluss zu, dass durch die Tafeln der viel zu geringe Hartz IV Regelsatz kompensiert wird und die Regelleistungen nicht ausreichen, um sich ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Insgesamt waren im Hartz IV Regelsatz 2019 147,83 Euro für einen Alleinstehenden monatlich für Lebensmittel und Getränke vorgesehen, etwa 4,86 Euro am Tag. In 2021 sind es 154,78 Euro und damit etwa 5,09 Euro täglich.

Bei Hunderttausenden von Hartz IV Bedürftigen sind die Tafeln, die aus Spenden und mit ehrenamtlichen Mitarbeitern großartige Arbeit leisten, Bestandteil zur Sicherung ihrer Grundbedürfnisse mit Lebensmitteln.

Für 2020/ 2021 Zahlen noch alarmierender

Durch die Corona Krise in den Jahren 2020 und 2021 dürften die Statistiken der Hartz IV Bedürftigen noch erschreckender ausfallen. Durch die Schließungen der Kitas und Schulen fallen bei vielen Hartz IV Haushalten mit Kindern die kostenlosen Mittagessen weg, die zusätzlich und nicht geplant aus dem Regelsatz aufgebracht werden müssen.

Problematisch ist darüber hinaus. dass auch Tafeln aufgrund der Corona Lockdowns und Spendenknappheit teilweise für Wochen schließen mussten oder der Betrieb nur sehr eingeschränkt aufrecht erhalten werden konnte, und sich bedürftige Menschen so nicht mit ausreichend Lebensmitteln versorgen konnten.

Anhebung des Hartz IV Regelsatzes zwingend notwendig

Um der Mangelversorgung mit Lebensmitteln und Getränken bei Hartz IV Bedürftigen entgegenzuwirken ist dringend eine Anhebung des Regelsatzes notwendig. Hier hatten bereits verschiedene Verbände aufgrund der Corona Krise eine Anhebung auf 600 Euro monatlich gefordert und zusätzlich 100 Euro monatlich für jeden Monat der Pandemie. Die Regierung konnte sich bis heute jedoch nur zu einem Corona Mehrbedarf von einmalig 150 Euro durchringen und das nur Menschen, die auch im April 2021 Anspruch auf Hartz IV Leistungen haben. Dieser Zuschuss soll Ende April ausgezahlt werden.

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