Ansteckung mit Corona: Hartz IV Empfänger besonders gefährdet!

Kranker Mann mit Corona-Maske

Die Corona-Krise trifft Hartz IV Empfänger nicht nur finanziell schwer, sondern gefährdet sie auch gesundheitlich mehr als andere Bevölkerungsgruppen. Zu diesem Schluss kommt der Soziologe Nico Dragano und appelliert an die Regierung.

Corona besonders gefährlich für Arme

Vor dem Coronavirus sind wir alle gleich? Ein gefährlicher Trugschluss, mahnt Nico Dragano, Professor für Soziologie am Universitätsklinikum in Düsseldorf im Interview mit der taz. Studien zufolge sei deutlich, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen gleich oft und schwer an dem Virus erkranken. Einkommensschwächere Personen seien dabei besonders gefährdet.

Studien beweisen erschreckende Zustände

Laut Dragano steht die Einkommenshöhe einer Region in direktem Zusammenhang zum Infektionsgeschehen. So haben Gebiete mit durchschnittlichen niedrigeren Einkommen häufig ein höheres Infektionsrisiko als Gebiete mit höheren Durchschnitteinkommen, erklärt er der taz.

Doch nicht nur das Infektionsaufkommen sei in ärmeren Regionen höher, die Krankheit selbst verliefe auch schwerer. Besonders gefährdet seien dabei Hartz IV Empfänger:

„In einer Studie haben wir anonymisierte Datensätze einer großen Krankenkasse zu schweren Coronaverläufen analysiert. Aus denen konnten wir ablesen, dass Langzeitarbeitslose, also Hartz-IV-Beziehende, ein 94 Prozent höheres Risiko aufwiesen, mit einem schweren Coronaverlauf im Krankenhaus behandelt zu werden, als Menschen in einem regulären Beschäftigungsverhältnis“, so Dragano.

Mögliche Gründe

Die Gründe für diese erschütternden Umstände sieht Dragano darin, dass Hartz IV Empfänger statistisch häufiger Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herzprobleme aufweisen. Auch könne der Zugang zu Leistungen des Gesundheitswesens maßgeblich dazu beitragen.

„Reichtum muss gerechter verteilt werden“

Aus Draganos Sicht habe die Bundesregierung in der Vergangenheit zu wenig unternommen und die Korrelation zwischen schweren Coronaverläufen und Armut verkannt. Mit der Erhöhung des Regelsatzes, wie es kürzlich erst ein Bündnis aus verschiedenen Verbänden forderte, sei es dabei jedoch nicht getan. Nicht nur die Politik müsse schnellstens ein Bewusstsein für diese erschreckenden Zustände schaffen, auch Bildungs- und Steuersystem müssten dazu in die Pflicht gerufen werden:

Wird der Reichtum gerechter verteilt, kann das die Gesundheit verbessern“

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