Weihnachten und Corona: Hartz IV Empfänger im Stich gelassen

Trauriges Kind an Weihnachten mit Corona-Maske

Oh du fröhliche…Für viele Deutsche ist die Weihnachtszeit die schönste Zeit im Jahr. Gutes Essen, ein geschmückter Tannenbaum und die Geschenke darunter gehören in vielen Haushalten ganz selbstverständlich dazu. Hartz IV Empfänger stellt das frohe Fest unterdessen vor große finanzielle Herausforderungen – besonders inmitten der Corona-Krise.

Corona-Lockdown kurbelt Online-Geschäft an

Die Feiertage stehen kurz bevor und Deutschland ist im Shoppingwahn. Die Last-Minute-Einkäufe müssen dieser Tage zwar maßgeblich online getätigt werden, doch der Corona-Lockdown hält Verbraucher nicht davon ab, sich dem weihnachtlichen Konsum hinzugeben. Eine Bevölkerungsgruppe fällt dabei jedoch aus der Rechnung: Hartz IV Empfänger.

Regelsatz reicht nicht für besinnliche Weihnachten

Für Leistungsempfänger ist die Weihnachtszeit oft wenig besinnlich. Der viel zu knapp bemessene Regelsatz reicht schon von Januar bis November kaum zum Leben, im Dezember wird die Not besonders groß. Für einen Tannenbaum, Geschenke für die Kinder oder ein Festessen ist schlichtweg kein Geld da – einen Bonus, Weihnachtsgeld oder dergleichen ist von der Bundesregierung nicht vorgesehen. Die Corona-Krise verschärft die Lage unterdessen weiter.

Tafel: 100 Euro mehr Regelsatz!

Aus diesem Grund ruft der Dachverband der Tafeln in Deutschland nun die Politik dazu auf, endlich auch die Bedürfnisse der finanzschwachen Bevölkerung in den Fokus zu rücken. Im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung setzt sich Tafel-Chef Jochen Brühl für einen Corona-Rettungsschirm ein. Zentraler Inhalt seines Vorschlags: Eine zeitweise Erhöhung des Regelsatzes um 100 Euro.

Weihnachtsfest „überhaupt kein Thema“ für Bedürftige

Während die einen derzeit darüber diskutieren, wie sie Weihnachten feiern wollen, sei das für Tafel-Kunden „überhaupt kein Thema“, so Brühl:

„Die sitzen an den Feiertagen allein in ihrer Wohnung ohne soziale Kontakte, ohne Festessen“.

Auch, wenn Brühl nicht von einer deutschlandweiten Hungersnot unter Leistungsbeziehern ausgeht, empfindet er die Lage als sehr ernst:

„Wenn mir aber eine Alleinerziehende erzählt, dass sie an den letzten zehn Tagen im Monat nur noch trockene Nudeln isst, um ihren Kindern Obst und Gemüse kaufen zu können, ist das schlimm genug.

Seit 1993 verteilt die Tafel an 940 Standorten Lebensmittelspenden an Bedürftige. In der Corona-Krise wuchs mit dem Infektionsgeschehen auch die Not. Für 2021 rechnet die gemeinnützige Organisation mit einem großen Zulauf an Tafel-Kunden.

Titelbild: esthermm/shutterstock.com