Datenschutz adé? Schufa will Kontoauszüge einsehen

Mann beim Online-banking

Medienberichten zufolge plant die Schufa, künftig auch in Kontoauszüge einzusehen. Datenschützer fürchten um die Sicherheit der Verbraucher.

Testlauf: Kontoauszüge für Bonitätsprüfung

Wir schaffen Vertrauen“ – so lautet der Slogan der Schufa. Besonders vertrauenswürdig dürften diese Neuigkeiten allerdings kaum wirken: Berichten des NDR, WDR und der Süddeutscher Zeitung zufolge plant Deutschlands größte Auskunftei, zukünftig auch in die Kontoauszüge von Verbrauchern einzusehen und diese in die Bonitätsprüfung einzubeziehen. Ein Testlauf mit dem Telefonanbieter Telefónica/O2 sei bereits gestartet worden.

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    Speicherung und Auswertung von sensiblen Daten?

    Über den „Schufa-Score“ ermittelt die Auskunftei das Risiko der Zahlungsunfähigkeit von Verbrauchern. Je schlechter der Score, desto höher das Risiko, dass der Kunde seine Rechnungen nicht bezahlen kann. Die Folge: Vermieter und Kreditgeber werden es vermeiden, mit den Betroffenen ins Geschäft zu kommen.

    Das neue Produkt der Schufa trägt den Namen „CheckNow“ und soll sich laut Schufa an Kunden richten, die auf Grund ihrer schlechten Bonität keinen Mobilfunkvertrag erhalten würden. Die Auskunftei bietet diesen Kunden nun die Möglichkeit einer neuen Bewertung – die Bedingung: Verbraucher müssen der Schufa die Erlaubnis geben, ihre Kontoauszüge einzusehen. Dabei würden, so die Schufa, nur relevante Daten gesichtet werden. Doch das ist noch nicht alles: Im nächsten Schritt würde dann die Einwilligung der Verbraucher für die Speicherung und Auswertung ihrer Daten erfragt.

    Will Schufa “Super-Score” ermitteln?

    Laut Recherchen des NDR, WDR und der “Süddeutsche Zeitung” würden die Kontoauszüge zukünftig systematisch ausgewertet werden, um anhand der sensiblen Daten eine Art „Super-Score“ zu ermitteln. Dies soll aus internen Dokumenten der Schufa hervorgehen. Dabei sei nicht nur der Kontostand für das Unternehmen relevant. Die Schufa könne aus den Kontoauszügen 65 Kategorien erkennen, wie Gehalt, Unterhaltszahlungen, Miete, etc. Zudem seien auch Risikofaktoren erkennbar, darunter Glücksspiel oder Zahlung an Inkassoinstitute, die in die Prüfung der Kreditwürdigkeit mit einbezogen werden könnten.

    Datenschützer empört: “Ein Horror”

    Datenschützer zeigen sich entsetzt über CheckNow. Peter Schaar fürchtet, dass Nutzern des Angebots die Tragweite ihrer Entscheidung nicht bewusst sein könnte:

    Ich mache mich als Verbraucher da wirklich nackig, wenn ich diesen Einwilligungsbutton bestätige“, so der ehemalige Datenschutzbeauftragte gegenüber der ARD.

    Zudem könne sich die Einbeziehung „sehr vieler, auch höchst persönlicher Informationen” in die Bonitätsprüfung negativ auf die Bewertung der Verbraucher auswirken. Ähnlich sieht es auch der ehemalige Landesdatenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein Thilo Weichert. Für ihn sei die Vorstellung der Auswertung von intimen Daten im Wirtschaftsinteresse, ohne dass Betroffene dies nachvollziehen können, „ein Horror“.

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    Schufa verteidigt CheckNow

    Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung teilte der Mobilfunkkonzern Telefónica/O2 mit, man teste “lediglich in einem Pilotprojekt” mit einer geringen Anzahl von Nutzern die Akzeptanz für ein derartiges Verfahren. Die Teilnahme sei allerdings freiwillig, wobei die Schufa die datenschutzrechtliche Verantwortung trage. In einer Pressemitteilung gab die Schufa unterdessen zu verstehen, dass “eine Verarbeitung der persönlichen Daten nur stattfinde, wenn der Verbraucher – und zwar ausdrücklich und unabhängig von der eigentlichen Dienstleistung – eine gesonderte Einwilligung” erteile.

    Ob CheckNow in seiner jetzigen Form datenschutzrechtlich zulässig ist, soll jetzt das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht prüfen.

    Titelbild: MK photograp55/ shutterstock.com