Milliarden für Hartz IV Aufstocker: Niedriglöhne sprengen Sozialstaat

Chef gibt Angestellten Peanuts

Die Regierung zahlt jährlich Milliarden an Hartz IV Aufstocker. Der traurige Grund: Ihre Löhne sind zu niedrig, als dass sie davon für sich und ihre Familien sorgen könnten.

Jeder vierte Hartz IV Bezieher Aufstocker

„Hartz IV Empfänger sind faul und liegen den ganzen Tag nur auf der Couch“ – diese Mythos hält sich seit der Einführung der Grundsicherung bis heute hartnäckig in den Köpfen vieler Deutschen. Ein Irrglaube: Jeder vierte Leistungsbezieher ist ein sogenannter „Aufstocker“. Aufstocker müssen trotz Arbeit Hartz IV Leistungen beziehen, da ihr Einkommen allein nicht ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

9,4 Milliarden Euro jährlich

Die staatlichen Ausgaben für die Hartz IV Zuzahlungen beliefen sich im Jahr 2019 auf 9,4 Milliarden Euro. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor, die den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorliegt. Dieser Wert hat sich im Vergleich zu den Vorjahren trotz wirtschaftlichen Aufschwungs kaum verändert. Der Grund: Kontinuierliches Lohndumping.

Niedriglöhne führen zu Hartz IV Aufstockung

Innerhalb der Arbeitnehmer-Bevölkerung der Bundesrepublik dürfte der generelle Konsens „Wer arbeitet, sollte nicht aufs Jobcenter angewiesen sein“ vorherrschen. Diese Ansicht scheinen jedoch einige Arbeitgeber nicht zu teilen und zahlen ihren Mitarbeitern derart niedrige Löhne, dass diese trotz Job aufstockend Hartz IV Leistungen beziehen müssen.

Regierung subventioniert Lohndumping

Sabine Zimmermann zieht den Kreis der Verantwortung jedoch größer. Seit Jahren subventioniere die Regierung „Arbeitgeber, die Niedriglöhne zahlen oder ihren Beschäftigten nur Arbeitsverhältnisse in Teilzeit oder Minijobs anbieten“, so die Arbeitsmarktexpertin der Linken im Bundestag. Seit 2007 flossen mehr als 126 Milliarden Euro an ergänzenden Hartz IV Leistungen an Bedürftige – „Milliarden aus Steuermitteln“, betont Zimmermann, die aufgewendet würden „um nicht existenzsichernde Arbeit aufzustocken“.

Die Entwürdigung der Arbeitnehmer durch die „Subventionierung von Lohndumping“ müsse ein Ende haben, fordert sie. Der Mindestlohn müsse vor diesem Hintergrund auf 12 Euro die Stunde angehoben, Leiharbeit unterbunden und Minijobs in sozialversicherungspflichtige Jobs umgewandelt werden.

Titelbild: Leroy Harvey/ shutterstock.com

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