„Hartz IV Reform!“: Kinderhilfswerk rechnet mit Regelsatz ab

Trauriger Junge sitzt auf Treppe

Unzureichend“, „Nullrunde“, „armutspolitischer Skandal“ – das Deutsche Kinderhilfswerk lässt in einer Stellungnahme zur beabsichtigten Erhöhung der Hartz IV Regelsätze kein gutes Haar an den Plänen der Regierung. Aus Sicht der Organisation wird es dringend Zeit für eine Reform des bröckeligen Hartz IV Systems.

Kinderhilfswerk kritisiert Regelsatzerhöhung

Das Bundeskabinett hat heute die geplante Erhöhung der Regelsätze beschlossen. Um gerade einmal 7 Euro soll der Eckeregelsatz im Jahr 2021 steigen. Auch das Deutsche Kinderhilfswerk spricht sich nun öffentlich gegen die geringe Erhöhung aus. Dem Hilfswerk sind dabei besonders die niedrigen Regelsätze für Kinder und Jugendliche ein Dorn im Auge.

Kinder und Jugendliche profierten von Regelsatzerhöhung

Der Eckelregelsatz soll im Jahr 2021 von 432 Euro auf 439 Euro steigen. Wie der nachstehenden Tabelle zu entnehmen ist, profitieren Kinder und Jugendliche vor diesem Hintergrund scheinbar mehr von der geplanten Erhöhung:

2021

2020

Alleinstehende Erwachsene +7 €

439 €

432 €

Partner in Bedarfsgemeinschaft +6 €

395 €

389 €

Kinder im Haushalt bis 25 Jahren +6 €

351 €

345 €

Kinder 14 bis 17 Jahre +39 €

367 €

328 €

Kinder 6 bis 13 Jahre 0 €

308 €

308 €

Kinder bis 5 Jahren +29 €

279 €

250 €

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Regelsatzerhöhung für Kinder „unzureichend“

Für Holger Hofmann, sind diese Beträge jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein:

Auf den ersten Blick sieht die Erhöhung der Regelsätze der Kinder bis zu sechs Jahren und der Jugendlichen ab 14 Jahren gut aus. Wenn man genauer hinschaut, erweist sich diese jedoch als unzureichend.“

Aus Hofmanns Sicht wird dabei nur das nachgeholt, was Kindern durch jahrelanges politisiertes Kleinrechnen der Regelsätze verwehrt wurde.

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Und dass die sechs- bis 13-Jährigen mit einer Nullrunde abgespeist werden sollen, ist ein armutspolitischer Skandal“, so der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes in einer aktuellen Stellungnahme.

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So kann es nicht weitergehen, findet Hofmann. Die Ermittlung und Berechnungsmethoden des Hartz IV Regelsatzes führen keineswegs zu realistischen und lebensnahen Ergebnissen. Eine Reform des Systems müsse eingeleitet werden – und das so schnell wie möglich:

Es sollte bedarfs- und realitätsgerecht ermittelt werden, was Kinder brauchen. Referenz muss dabei ein gutes Aufwachsen und die Teilhabe aller Kinder und Jugendlicher sein“.

Das Deutsche Kinderhilfswerk sieht eine mögliche Lösung in der Einführung einer Kindergrundsicherung, fernab vom unerbittlichen Hartz IV System.

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