Hartz IV Studie: Aufstocker haben höhere Aufstiegschancen

Figur klettert Münzstapel entlang

Mehr Aufstiegschancen als Hartz IV Aufstocker? Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung scheint genau diese paradox erscheinende Theorie zu belegen.

Aufstockung als „wirksamstes arbeitsmarktpolitisches Instrument“?

Der weiterverbreitete Irrglaube, Hartz IV Empfänger seien faul oder hätten nichts zu tun hält sich weiterhin hartnäckig in den Köpfen vieler Bürger und Bürgerinnen der Bundesrepublik. In Wahrheit ist nur etwa ein Viertel aller Hartz IV Bedürftigen wirklich arbeitslos. Viele Hartz IV Empfänger gehen einer Beschäftigung nach – die sogenannten Aufstocker. Einer noch unveröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Freien Universität Berlin zufolge (DIW) sei das Aufstocken jedoch „das wirksamste arbeitsmarktpolitische Instrument überhaupt“.

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2 ½ mal höhere Aufstiegschancen für Aufstocker

Geringe Gehälter und ein zu niedrig angesetzter Mindestlohn können dafür sorgen, dass das Einkommen allein nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Daher sehen sich selbst hart arbeitende Bürger gezwungen, aufstockend Hartz IV Leistungen zu beantragen. Wie kann es sein, dass ein System mit derartigen Makeln aus wissenschaftlicher Perspektive als wirksam gilt? Die Studie, die der FAZ vorliegt, zeigt, dass Beschäftigte in geringfügiger Arbeit mit zusätzlicher Hartz IV Aufstockung „fast zweieinhalb Mal höhere Chancen auf Unabhängigkeit, Lebenslaufstabilisierung und auskömmliche Arbeit“ haben, so die Konrad Adenauer Stiftung als Auftraggeber der Studie.

Nach 5 Jahren: Hälfte aller Aufstocker arbeitet ohne Hartz IV

Um ihren Erfolg auf dem Arbeitsmarkt methodisch verlässlich zu messen, dienten 12.000 Hartz IV Empfänger über den Zeitraum von 10 Jahren zwischen 2007 und 2017 als Referenzgruppe. Nur etwa 9 Prozent der Hartz IV Empfänger ohne Beschäftigung konnten innerhalb eines Jahres den Sprung zu ungeförderter Arbeit schaffen. 80 Prozent waren nach einem Jahr noch immer arbeitslos, nach 5 Jahren lag dieser Wert noch bei 57 Prozent. Hartz IV Empfänger, die zu Beginn der Studie aufstockend Hartz IV Leistungen erhielten, waren im Vergleich erfolgreicher: 23 Prozent von ihnen befanden sich nach einem Jahr bereits wieder in einer Beschäftigung ohne aufstockende Leistungen beziehen zu müssen. Nach 5 Jahren hatte sich dieser Wert sogar verdoppelt. Dabei heißt es von den Autoren in einem Resümee:

Jegliche Form von Beschäftigung – auch wenn diese mit einem Leistungsbezug verbunden ist – verbessert die Chancen, sich am Arbeitsmarkt zu etablieren“.

Die Frage nach höheren Mindestlöhnen, um einen Leistungsbezug trotz Vollbeschäftigung zu verhindern, ist damit allerdings nicht geklärt.

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Titelbild: Hyejin Kang/ shutterstock.com