Mindestlohn: Arbeitsminister will schnell auf 12,00 Euro pro Stunde anheben

Junger Mann steht mit Aufschrift Arm trotz Arbeit vor Jobcenter

12 Euro Mindestlohn, so die Forderung des Bundesarbeitministers Hubertus Heil (SPD). Erst vor wenigen Wochen wurde ein neuer Mindestlohn beschlossen, der sich an den Vorgaben der Mindestlohnkommission orientiert und ab dem kommenden Jahr von aktuell 9,35 Euro auf 9,50 Euro steigen soll. Bereits jetzt wurde festgelegt, dass dieser in mehreren Schritten auf 10,45 Euro ab 01.07.2022 steigen soll.

Der Vorstoß des Bundesarbeitsministers kommt sehr überraschend. Zwar soll der Mindestlohn zunächst wie geplant steigen, jedoch will der Minister Diesen nach eigenen Angaben schnell auf den Betrag von 12 Euro bekommen mit der Begründung, diese Maßnahme würde die Kaufkraft der Menschen und somit auch die Wirtschaft ankurbeln.

Ich werde Vorschläge machen, wie wir schneller die Marke von 12 Euro pro Stunde als Lohnuntergrenze erreichen können“,

so der Arbeitsminister.

Mit der Marke von 12 Euro als Lohnuntergrenze je geleistete Arbeitsstunde geht die SPD d’ac­cord mit den Linken. Diese halten die die bisherigen Vorgaben der Mindestlohnkommission für „inakzeptabel“. Nach Ansicht der Sozialpolitischen Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, sei die Anhebung auf 12 Euro dringend nötig.

Lesenswert: Jobcenter-Chef fordert 12 Euro Mindestlohn

Auch die Grünen stimmen dem Vorstoß zu.

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„Die beschlossenen Erhöhungen des Mindestlohns greifen zu spät und sind zu niedrig […] Wenn der Mindestlohn schneller steigen würde, käme diese Erhöhung jetzt in der Corona-Krise ökonomisch genau zur rechten Zeit“,

erklärt die Grünen Arbeitsmarkt Expertin, Beate Müller-Gemmeke, gegenüber der dpa.

Nach Angaben der Grünen würden etwa 1,3 Millionen Menschen von einer schnelleren Anhebung des Mindestlohns erhöhen, die ansonsten bis zum Jahr 2022 mit einer Anhebung ihrer Bezüge rechnen können.

Lesen Sie: Bis 2022: Mindestlohn wird auf 10,45 Euro erhöht

Wie hoch wäre das Gehalt bei 12 Euro Mindestlohn?

Die nachfolgende Tabelle zeigt das Monatsbrutto mit dem aktuellen Mindestlohn von 9,35 Euro sowie dazu im Vergleich das Monatsbrutto bei einer Lohnuntergrenze von 12 Euro.

Durchschnittliche
Arbeitszeit / Woche
Monatsbrutto
bei 9,35 €
Monatsbrutto
bei 12,00 €
40 Stunden1.620,67 €2.080,00 €
37,5 Stunden1.519,38 €1.950,00 €
20 Stunden810,33 €1.040,00 €

Neben Erhöhung auch Leistungsgerechtigkeit

Der Arbeitsminister will Aber nicht nur eine bloße Anhebung des Mindestlohns und fordert zukünftig auch „Leistungsgerechtigkeit“. Damit will der der Mindestlohnkommission Kriterien unterbreiten, wie der Mindestlohn zukünftig gestaltet werden soll, beispielsweise auch unter Berücksichtigung der Entwicklung von mittleren Einkommen.

Kommt dieser Vorstoß wirklich zum richtigen Zeitpunkt?

Eine Erhöhung des Mindestlohns würde zweifelsohne vielen Menschen helfen, z.B. aus der aufstockenden Hartz IV Bedürftigkeit zu entkommen, aber dies auch nur, wenn sie ihren Job auch behalten. Denn gerade durch die Corona-Pandemie sind viele Wirtschaftszweige betroffen, die gerade mal den Mindestlohn zahlen wie beispielsweise Gastronomie, Taxi-Gewerbe, Reinigungsdienste, Sicherheitsgewerbe etc. Durch die Erhöhung des Mindestlohns würden zwar die Mitarbeiter mehr auf dem Lohnzettel stehen haben, aber auch gleichzeitig die angeschlagenen (Klein)Betriebe weiter in die Knie oder gar zur Betriebsaufgabe zwingen mit der Folge, von vollständiger Arbeitslosigkeit statt eines Stücks vom Kuchen.

Mehr zur Entwicklung und Kriterien des Mindestlohns auf: https://www.jobrecht.de/blog/mindestlohn-wie-viel-gehalt-steht-mir-zu/