Vom Helden zum Hartz IV Aufstocker: Linke kritisiert Hungerlöhne

Ehehpaar ist besorgt über Finanzen

Wenn der Lohn nicht reicht, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, führt häufig kein Weg an Hartz IV vorbei. Einige Berufsgruppen sind dabei besonders häufig betroffen – für die Linke eine nicht hinnehmbare Entwicklung.

Dumpinglöhne als Grund für Hartz IV Aufstocker

Als Hartz IV Aufstocker bezeichnet man gemeinhin Erwerbstätige, deren Lohn nicht ausreicht, um den eigenen Bedarf zu sichern. Betroffene können ihr Gehalt entsprechend ihres Bedarfs mit Hartz IV Leistungen aufstocken. In einigen Berufsgruppen ist das Risiko aufstockende Hartz IV Leistungen beantragen zu müssen jedoch höher als in anderen. Der Grund: Dumpinglöhne und fehlende Tarifvereinbarungen.

Corona-Helden als Aufstocker

Für rund eine Million Deutsche reicht das eigene Gehalt nicht aus, um den Lebensunterhalt zu sichern. Besonders traurig: Die Berufsgruppen, die sich in der Corona-Krise als unverzichtbar bewiesen, müssen ihr Gehalt häufig aufstocken:

Betroffen sind auch ausgerechnet diejenigen, die eben noch als Helden des Alltags gefeiert wurden“, so Arbeitsmarktexpertin der Linken Sabine Zimmermann gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Reinigungskräfte und Einzelhandelsmitarbeiter häufig betroffen

Einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit zufolge beziehen Beschäftigte im Einzelhandel und Reinigungskräfte besonders häufig aufstockend Hartz IV. Jeder Zehnte der 656.000 Reinigungskräfte der unteren Qualifikationsstufe „Helfer“ ist Aufstocker – doppelt so viele „Helfer“ also als der Durchschnitt in anderen Berufen. Auch Helfer im Lebensmittelverkauf (13,5 Prozent) und Speisezubereitung (9,9 Prozent) beziehen überproportional häufig neben ihrem Erwerbseinkommen Hartz IV. Doch auch Fachkräfte sind betroffen: In Gastronomieberufen stocken rund 6 Prozent der Angestellten mit Hartz IV auf und im Bereich der Körperpflege sogar knapp 8 Prozent.

Linke fordert Wandel

Sabine Zimmermann erhofft sich einen Wandel in der Gesellschaft: „Gute tarifliche Bezahlung muss endlich zum Standard werden“, so die Arbeitsmarktexpertin. Dazu gehöre aus ihrer Sicht auch ein Mindestlohn von 12 Euro die Stunde:

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Denn zu viele Beschäftigte werden unfreiwillig mit Teilzeitverträgen abgespeist, um sie flexibler einsetzen zu können, arbeiten aber faktisch dann doch unbezahlt länge“.

Titelbild: B-D-S Piotr Marcinski/ shutterstock.com