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Hartz IV: Schlichtungsstellen für Streit mit Jobcenter?

Schlichtung bei Streit

Für viele Hartz IV Empfänger ist Streit mit dem Jobcenter keine Seltenheit. Man fühlt sich missverstanden, abgewiesen oder gedemütigt und weiß nicht, wohin. Das will Sozialstadtrat Jochen Biedermann (Grüne) aus Berlin nun ändern: Eine Schlichtungsstelle soll zwischen Jobcenter und Leistungsberechtigten vermitteln.

Hohe Arbeitslosenquote in Neukölln

Im Jobcenter Neukölln können die Emotionen derweil schon mal etwas hochkochen. Laut aktuellen Daten der Agentur für Arbeit leben rund 21.000 Arbeitslose in dem Berliner Bezirk – eine Arbeitslosenquote von 12 Prozent. Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt liegt nur bei 5,3 Prozent. Etwa Dreiviertel der Neuköllner Arbeitslosen beziehen Hartz IV Leistungen. Werden diese Leistungen gekürzt, kommt es nicht selten zum Eklat zwischen Jobcenter Mitarbeiter und Leistungsbezieher.

Neutrale Bewertung des Sachverhaltes

Für Sozialstadtrat Biedermann sind hierbei auch Fehltritte seitens des Jobcenters nichts Ungewöhnliches: „Überall wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht und manche Schieflagen erkennt man im Tagesgeschäft nicht sofort – ich nehme mich davon nicht aus“, so Biedermann gegenüber der Berliner Woche. Deshalb sei es wichtig, dass sich die Schlichtungsstelle vor allem neutral verhalte. Kommt es zum Streit, werden beide Seite befragt und auf Basis einer unvoreingenommenen Bewertung eine Empfehlung für das weitere Vorgehen abgegeben. Hierbei ist die Stelle an keine Weisungen des Jobcenters oder anderer Behörden gebunden.

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Mitarbeiter menschlich und fachlich gefordert

Die Schlichtungsstelle soll einmal die Woche all denen zur Verfügung stehen, die sich im Clinch mit dem Jobcenter befinden. Ehrenamtliche Mitarbeiter müssen sich besonders im zwischenmenschlichen Bereich beweisen, allerdings sei der fachliche Teil der Arbeit und der sichere Umgang mit dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) genauso wichtig, so Biedermann. Schließlich sollen die Mitarbeiter der Beratungsstelle in der Lage sein, Handlungsempfehlungen auszusprechen: „Außerdem ist sie für Anregungen und Kritik ansprechbar, wertet diese aus und macht Verbesserungsvorschläge“, erklärt Biedermann der Berliner Woche. Angesichts der Fülle an Widersprüchen und Klagen gegen das Jobcenter wäre es kaum verwunderlich, wenn die Dienste von Schlichtungsstellen, die speziell zwischen Hartz IV Empfängern und Jobcenter vermitteln sollen bald bundesweit in Anspruch genommen werden.

Titelbild: fizkes/ shutterstock.com