Hartz IV: Jobcenter schikaniert Familie mit schwer kranker Tochter

Hartz IV: Jobcenter schikaniert Familie mit schwer kranker Tochter

Verschiedene Gründe können dazu führen, dass das Jobcenter einem Hartz IV Empfänger monatlich mehr, als dem ihm zustehenden Regelsatz überweist. Daraufhin folgt meist zügig eine Aufforderung zur Rückzahlung des überbezahlten Betrages. So auch im Falle einer jungen Familie mit einem schweren Schicksalsschlag. Doch das Jobcenter bleibt hart.

1150 Euro unverschuldete Schulden

Rund 1150 Euro Schulden hat eine Familie aus Berlin mit Hartz IV Bezug ungeachtet angehäuft und soll diese nun dem Jobcenter zahlen. Die Familie hat mehrere Kinder, wovon die Kleinste sehr schwer erkrankt und sogar auf eine neue Leber angewiesen ist. Als Folge der Krankheit musste das Kind einen längeren Krankenhausaufenthalt über sich ergehen lassen und daraufhin in eine Pflegefamilie ziehen. Der Familienvater hatte zur selben Zeit leider auch mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Mehrere Monate lang zahlt das Jobcenter der Familie weiter den üblichen Hartz IV Regelsatz. Doch dann erhält der Familienvater plötzlich eine Aufforderung zur Rückzahlung eines überbezahlten Betrages. Der Grund dafür: Dadurch, dass die schwer kranke Tochter aus dem Haushalt und somit aus der Bedarfsgemeinschaft gezogen ist, steht der Familie rechtlich monatlich weniger Geld zu.

Zwei Jahre bis die Familie schuldenfrei ist

Im Interview mit der „Ostsee Zeitung“ erklärt der Berliner Familienvater, dass ihm nicht aufgefallen sei, dass das Jobcenter zu viel bezahlt hätte Aus einem durchaus nachvollziehbaren Grund: Er habe sich auf die Krankheit seiner Tochter und auf seinen eigenen Gesundheitszustand konzentriert. Das zuständige Jobcenter erkannte bisher keine Notwendigkeit darin, die Hartz IV Rückzahlung zu erlassen bzw. auf Grund der besonderen Situation der Familie den Betrag zu verringern.

Er möchte seinen Kindern weiterhin Obst und Süßigkeiten kaufen aber selbst zurückstecken, um 50 Euro monatlich abstottern zu können. Bei einem Schuldenberg von 1150 Euro und einem monatlichen Rückzahlungsbetrag von 50 Euro, ist die Familie rein rechnerisch erst in zwei Jahren schuldenfrei. Glücklicherweise lässt sich die Familie davon nicht entmutigen. Trotzdem wünscht sich der Vater, dass es nie zu den Schulden gekommen wäre. Zudem wundert er sich darüber, dass sie die über Monate zu viel bezahlten Beträge zunächst als Einmalzahlung zurückzahlen sollten. „Das geht natürlich nicht“, stellt der Mann nüchtern fest. Auch dem Jobcenter sollte das von vorne herein bewusst gewesen sein.

Auf die Frage, ob er bezüglich der Schuldenfreiheit zuversichtlich sei betont, der Hartz IV Empfänger: „Wir haben keine andere Wahl.“ Zudem fürchtet er sich vor der mentalen Belastung, die Schulden mit sich bringen. Sein Ziel für die Zukunft ist es, endlich auf eigenen Beinen zu stehen. Das ist dem Mann auf Grund seiner eigenen Krankheit bisher nicht möglich gewesen. „Ich will nicht nur gesund werden, sondern auch kräftig, damit ich selber Geld verdienen kann.“

Das Schicksal der Familie ist ein Paradebeispiel für Menschen, die unverschuldet in Hartz IV leben und durch das Hartz IV System, selbst bei schlimmen Schicksalsschlägen, weiter schikaniert werden.

Titelbild: Photographee.eu / shutterstock.com

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