So realitätsfern ist der Hartz IV Satz

So realitätsfern ist der Hartz IV Satz

Ein menschenwürdiges Leben führen: Mit diesem Ziel wurde der Regelsatz für Hartz IV berechnet – oder vielleicht auch einfach nur gewürfelt. Denn ein Blick auf die durchschnittlichen Ausgaben in den unterschiedlichen Lebensbereichen und dem, was einem Hartz IV Empfänger zusteht, lässt Zweifel daran aufkommen, dass dem Arbeitslosengeld II eine solide Basis zugrunde liegt. Kein Wunder, dass insbesondere Sozialverbände eine Neuberechnung fordern.

Riesige Diskrepanzen

Den Vergleich des Hartz IV Regelsatzes mit dem, was ein Ein-Personen-Haushalt in Deutschland ausgibt, und den Daten für die ärmsten 15 Prozent der Gesellschaft hat das Handelsblatt vorgenommen. Dabei kam Erstaunliches zutage, das für einigen Erklärungsbedarf sorgen dürfte. Die Diskrepanzen zwischen den einzelnen Gruppen sind teils enorm und selbst mit gesundem Menschenverstand nur schwer nachvollziehbar.

Dass ein Leistungsempfänger nicht die finanziellen Möglichkeiten hat wie ein Arbeitnehmer mit gutem Gehalt, steht außer Frage. Warum aber einer Hartz IV Familie teilweise nicht einmal die Hälfte dessen zugesprochen wird, was die Ärmsten pro Monat zum Beispiel in Freizeit und Unterhaltung oder in die Bildung investieren, bleibt wohl das Geheimnis der Hartz IV Macher.

1.045 Euro versus 416 Euro

Fangen wir ganz simpel bei dem an, was generell im Monat ausgegeben wird. Der Ein-Personen-Haushalt kommt auf etwa 1.045 Euro, die Ärmeren auf 559 Euro und einem Hartz IV Empfänger stehen 416 Euro zur Verfügung. Davon entfallen auf den Nahverkehr und das Auto (das man mit Arbeitslosengeld II nicht haben soll) 191 Euro beim durchschnittlichen Single, 68 Euro bei den ärmsten 15 Prozent und 35 Euro beim Regelsatz.

Ebenfalls sehr deutlich fällt der Unterschied in der Sparte Freizeit, Unterhaltung und Kultur aus. Hier spannt sich der Bogen von 171 Euro über 79 Euro bis hin zu mageren 40 Euro für die Empfänger von Hartz IV. Tabak und Alkohol sind für Leistungsempfänger gar nicht erst vorgesehen.

Immerhin: Bei den Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken passen die Zahlen einigermaßen. Bei Hartz IV sind hierfür 145 Euro eingeplant. Der Durchschnittsdeutsche investiert 177 Euro und die Ärmeren der Gesellschaft rund 141 Euro. Beim Strom dreht sich das Bild ein wenig. Hier gibt es im Rahmen des Regelsatzes 56 Euro, während der Single und die unteren 15 Prozent lediglich 37 Euro in die Hand nehmen. Ändern wird sich an den Zahlen vorerst nichts. Die letzte Reform fand 2016 statt.

Titelbild: Unsplash.com via Ev

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