„Hartz IV ist der größte Scheiß“

„Hartz IV ist der größte Scheiß“

Sie ist 17 Jahre jung, geht zur Schule und macht demnächst das Abitur. Diese Konstellation hätte die Funke Medien Gruppe ganz bestimmt nicht zu einem längeren Beitrag inspiriert. Wohl aber, wenn eine junge Frau ihrem Herzen Luft macht und via Twitter schreibt: „Hartz IV ist der größte Scheiß.“ Warum? Weil die Grundsicherung verhindert, dass sie für ihre Zukunft sparen kann. Ihr wird gewissermaßen der Weg in ein selbstbestimmtes Leben verbaut.

Sparen ist nahezu unmöglich

Im Gespräch mit der Zeitung erklärt die 17-Jährige: „Meine Mutter ist alleinerziehende Hartz IV Empfängerin.“ Das hat auch für die Kinder weitreichende Konsequenzen. Denn während andere junge Erwachsene in ihrem Alter problemlos nebenbei jobben können, endet die Freizügigkeit für sie bei 100 Euro. Sobald sie auch nur einen Cent mehr verdient, hält der Staat die Hand auf und zieht ihr 80 Prozent des Verdienstes ab.

Dass der Schülerin angesichts dieser Ungerechtigkeit die Hutschnur platzt und sie auf Twitter gleich eine ganze Reihe entsprechender Beiträge veröffentlicht, ist also durchaus verständlich. Schließlich hat auch sie Pläne für die Zeit nach dem Abi. Erst möchte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren und danach Studieren. Für das nötige finanzielle Polster würde sie jetzt schon gerne sorgen, kann oder vielmehr darf es aber nicht.

Von 200 Euro bleiben nur 120 Euro

Für diese Problematik sorgt § 11b SGB II. Aufgrund der Tatsache, dass es sich um eine Bedarfsgemeinschaft handelt, wird der Lohn der Kinder mit dem Hartz 4 der Eltern verrechnet. Würde die junge Frau 200 Euro im Monat verdienen, sind lediglich 100 Euro frei. Von den übrigen 100 Euro nimmt sich der Staat 80 Euro, sodass unter dem Strich nur 120 Euro bleiben.

„Wo ist das fair?“, fragt die 17-Jährige auf Twitter. Jugendlichen werde auf diese Weise von Anfang der Eindruck vermittelt, dass es sich überhaupt nicht lohnt, zu arbeiten. Und noch mehr: „Reden von der Dringlichkeit, Kinderarmut zu verringern, aber verwehren Kindern, sich selbst aus Armut zu befreien und in ein normales, sicheres Leben zu starten.“ Damit hat die junge Frau eine Diskussion ausgelöst, die offenbar dringend nötig ist.

Titelbild: Pexels.com – Fotograf Austin Guevara