Unfassbar: Hartz IV in 64 deutschen Kreisen rentabler als Vollzeitjob

Unfassbar: Hartz IV in 64 deutschen Kreisen rentabler als Vollzeitjob

Arbeit muss sich wieder lohnen. Darauf weisen Politiker aller Couleur regelmĂ€ĂŸig hin und erklĂ€ren mit großen Worten den Unterschied zwischen ehrlicher Arbeit und Hartz IV. In dem Zusammenhang wurde der Mindestlohn als großer Schritt nach vorne gefeiert. Schade nur, wenn man Vollzeit malocht und trotzdem weniger in der Tasche hat als mit Hartz IV. Dann darf man sich nicht wundern, wenn die Unzufriedenheit steigt.

Wo liegt die Hartz IV Schwelle?

Es war wieder einmal die Linken-Fraktion im Bundestag, die das Thema ansprach und in einer offiziellen Anfrage formulierte: „Wie hoch mĂŒsste ein ortsabhĂ€ngiger Mindestlohn sein, um mit Mindestlohn ein Einkommen ĂŒber Hartz IV Niveau zu erzielen?“ Die Antwort darauf birgt enormen ZĂŒndstoff. Denn wer arbeiten geht und 40 Stunden die Woche ranklotzt, der geht davon aus, mehr in der Tasche zu haben als ein Hartz IV EmpfĂ€nger.

Dem ist aber nicht so – zumindest nicht bei Arbeitern und Angestellten, die vom Mindestlohn leben und in der „falschen“ Region wohnen. Dann kann es schnell passieren, dass sich der Vollzeitjob im Gegensatz zu Hartz IV nicht wirklich rentiert, wenn man den Aspekt Finanzen in den Vordergrund rĂŒckt. Dazu reicht eine simple Rechnung: Mindestlohn minus Regelsatz, also 782 Euro netto im Monat abzĂŒglich 416 Euro Hartz IV. Bleiben 366 Euro. Liegen Miete und Nebenkosten ĂŒber diesem Betrag, hat man mehr von der Grundsicherung.

Wie hoch mĂŒsste der Mindestlohn sein?

Da die Mietkosten in den einzelnen Regionen recht unterschiedlich ausfallen, ergibt sich auch kein einheitliches Bild. In Berlin wĂ€ren 9,19 Euro Mindestlohn erforderlich, um die sogenannte Hartz IV Schwelle zu ĂŒberschreiten. In MĂŒnchen liegt der Wert bei 10,37 Euro und im Landkreis Freyung-Grafenau bei 7,52 Euro. Kurzum: Es hĂ€ngt viel davon ab, wo man wohnt, ob der Vollzeitjob mit Mindestlohn sich lohnt.

In 64 von 401 deutschen Kreisen und kreisfreien StĂ€dten ist das nicht der Fall. Hier liegt das Einkommen unter Hartz IV Niveau. Daran Ă€ndert auch die geplante Anpassung des Mindestlohns nur bedingt etwas. Steigt er von derzeit 8,84 Euro auf 9,19 Euro, bleiben immer noch 27 Kreise, in denen die Rechnung fĂŒr Arbeiter nicht aufgeht.

In diesen 64 deutschen Kreisen und kreisfreien StÀdten liegt das Einkommen (Vollzeitjob mit Mindestlohn) unter Hartz IV Niveau:

  • MĂŒnchen (Kreis)
  • Frankfurt am Main
  • Ebersberg
  • MĂŒnchen (Landeshauptstadt)
  • Kelheim
  • FĂŒrstenfeldbruck
  • Starnberg
  • Lindau (Bodensee)
  • Erding
  • Dachau
  • Wiesbaden (Landeshauptstadt)
  • Stuttgart (Landeshauptstadt)
  • Landsberg am Lech
  • Köln
  • Harburg
  • MĂŒnster
  • Darmstadt
  • Ingolstadt
  • Bad Tölz-Wolfratshausen
  • Freising
  • Garmisch-Partenkirchen
  • Karlsruhe
  • Aschaffenburg
  • Offenbach
  • Offenbach am Main
  • Mannheim
  • Miesbach
  • Oldenburg
  • NĂŒrnberg
  • Bonn
  • Berlin
  • Hamburg
  • Pinneberg
  • Leverkusen
  • Main-Taunus-Kreis
  • Rosenheim
  • Regensburg
  • Mainz
  • Hochtaunuskreis
  • Rems-Murr-Kreis
  • Freiburg im Breisgau
  • TĂŒbingen
  • LĂŒneburg
  • Bremen
  • Konstanz
  • Rosenheim
  • Stormarn
  • Trier
  • Braunschweig
  • DĂŒsseldorf
  • Main-Kinzig-Kreis
  • Groß-Gerau
  • Esslingen
  • Rhein-Kreis Neuss
  • Rhein-Sieg-Kreis
  • Heidelberg
  • Pfaffenhofen an der Ilm
  • Mainz-Bingen
  • Landshut
  • Segeberg
  • Mettmann
  • Berchtesgadener Land

Kommentar von der Redaktion: Dieser Artikel soll keinesfalls das GefĂŒhl erwecken, dass der Regelsatz von Hartz IV zu hoch ist! Vielmehr soll deutlich gemacht werden, dass der Mindestlohn viel zu gering ist und nicht zum Leben ausreicht. 

Quellen der Berechnungen: linksfraktion.de, focus.de
Titelbild: Pexels.com – Fotograf Yury Kim