Hartz 4 Skandal: Wegen 6 Euro nimmt Jobcenter Obdachlosigkeit in Kauf

Hartz 4 Skandal: Wegen 6 Euro nimmt Jobcenter Obdachlosigkeit in Kauf

Diese Geschichte lĂ€sst uns vom Glauben abfallen. Ein 60-JĂ€hriger, stark erkrankter BedĂŒrftiger war monatelang auf Wohnungssuche nachdem ihn der Vermieter vor die TĂŒr setzte. Endlich hat er eine Wohnung gefunden, doch das Jobcenter Region Hannover machte ihm gehörig einen Strich durch die Rechnung und lehnte die Wohnung ab, weil sie zu teuer war. Der Skandal: Die Wohnungsmiete ĂŒbersteigt die angemessenen Wohnkosten lediglich um nur 6 Euro!

BedĂŒrftiger auf monatelanger Wohnungssuche

Der 60-JĂ€hrige Mann aus der Region Hannover stand kurz vor der Obdachlosigkeit. Er erhielt vom Vermieter eine EigenbedarfskĂŒndigung und wurde per RĂ€umungsklage aus der Wohnung geschmissen. So war er gezwungen eine neue Wohnung zu suchen, doch dieses ist im Rahmen der angemessenen Wohnkosten der Jobcenter nahezu unmöglich. Aus diesem Grund war der Hartz IV BedĂŒrftige fast ein dreiviertel Jahr verzweifelt auf der Suche und besichtigte unzĂ€hlige Wohnungen. Nahezu jede war deutlich zu teuer oder – wenn Sie gĂŒnstig war – in so schlechtem Zustand, dass sie ohne erheblichen finanziellen und renovierungstechnischen Aufwand nicht bewohnbar war.

Als er endlich eine angemessen Wohnung kurz vor Ablauf der Frist aus der RĂ€umungsklage fand, konnte er sein GlĂŒck kaum fassen – bis ihm das Jobcenter einen Strich durch die Rechnung machte. Da er sich die Umzugskosten auf Grund seiner Hartz IV AbhĂ€ngigkeit nicht leisten und diesen auch wegen seiner Krankheit auch nicht selbst vollziehen konnte, stellte er einen Antrag auf Übernahme der neuen Mietkosten inklusive Umzug. Es folgte prompt die ErnĂŒchterung in Form eines Ablehnungsbescheides.

Ablehnungsbescheid Hartz 4 Wohnung Umzug

Schreiben des Jobcenters an den BedĂŒrftigen – sehr ernĂŒchternd und wird seiner Lage auch nicht gerecht!

Mangel an Menschlichkeit – Dienst strikt nach Vorschrift

Die angemessenen Wohnkosten liegen laut Jobcenter bei 394,00 Euro. Die tatsĂ€chlichen Mietaufwendungen fĂŒr die neue Wohnung betrugen 400,00 Euro – damit lagen sie lediglich 6 Euro ĂŒber dem als angemessen erachteten Bedarf. Dennoch, erhielt der BedĂŒrftige einen Ablehnungsbescheid vom Jobcenter Region Hannover, in welchem die Zustimmung zum Umzug nicht erteilt wurde.

Anmerkung der Redaktion: Aus zahlreichen GesprĂ€chen mit Jobcenter Mitarbeitern wissen wir, dass die Angemessenheitsgrenzen fĂŒr Wohnungen aufgrund der aktuellen Lage auf dem Wohnungsmarkt in den seltensten FĂ€llen eingehalten werden können – das wissen auch die Jobcenter Mitarbeiter!

Wo ist hier die Menschlichkeit geblieben? Jobcenter machen ihren Dienst (strikt nach Vorschrift???) und verlieren den einzelnen Menschen dabei aus den Augen, der scheinbar nur eine BG-Nummer in der Hartz IV Akte ist!

Ist es wirklich notwendig, die Kosten fĂŒr die Wohnung auf Grund von 6 Euro abzulehnen?! Insbesondere unter den UmstĂ€nden, die der Hartz IV BedĂŒrftige durchmachen musste. Die ausweglose Situation löste bei ihm starke (Ă€rztlich bescheinigte!) Depressionen und AngstzustĂ€nde aus.

Erneuter Beweis fĂŒr Hartz IV Schikanen und fehlende Menschlichkeit

In seiner Verzweiflung wandte sich der Arbeitssuchende an unsere Hartz 4 Redaktion, um von seinen Erfahrungen mit dem Jobcenter zu berichten. Wir sind fassungslos ĂŒber die fehlende Menschlichkeit in Deutschlands Jobcentern und erachten die Entscheidung als stark fahrlĂ€ssig. Die Geschichte beweist erneut die Schikanen, die Hartz IV BedĂŒrftige regelmĂ€ĂŸig ĂŒber sich ergehen lassen mĂŒssen. Das ist kein Einzelfall und ein Skandal!

GlĂŒcklicherweise gab es fĂŒr den kranken Mann aus Hannover ein Happy End: Sein neuer Vermieter bewies MitgefĂŒhl und verringerte die Miete um 6 Euro, so dass die Mietkosten und die Umzugskosten nun doch vom Jobcenter ĂŒbernommen werden. Zeit um Widerspruch gegen diesen Ablehnungsbescheid zu erheben hatte der Betroffene aufgrund der kurzen Frist nicht mehr und wĂ€re ohne das Entgegenkommen des Vermieters wohl auf der Straße gelandet!