Traurig: Über eine Million Hartz IV Aufstocker

Traurig: Über eine Million Hartz IV Aufstocker

Arm trotz Arbeit. In Deutschland trifft das offiziell auf über eine Million Menschen zu. Inoffiziell liegt die Dunkelziffer bei weiteren zwei Millionen Arbeitnehmern, die Vollzeit malochen und Anspruch auf Hartz IV hätten, das Arbeitslosengeld II aber nicht in Anspruch nehmen. Der Grünen-Politiker Wolfgang Strengmann-Kuhn hat dafür nur ein Wort: „Es ist ein Armutszeugnis!“

Armutsrisiko bleibt konstant hoch

Die Daten zu den Hartz IV Aufstockern stammen aus einer parlamentarischen Anfrage der Grünen zum Armutsrisiko in Deutschland. Das ist nach wie vor hoch. Die Armutsrisikoquote liegt demnach bei 7,7 Prozent der Erwerbstätigen (Stand 2016) und stagniert seit 2011. Die Schwelle für das Armutsrisiko definiert die EU übrigens bei 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens.

Für Deutschland heißt das: Die Armutsrisikoschwelle für einen Einpersonenhaushalt liegt bei 969 Euro. Bei Paaren sind es 1.453 Euro. Je Kind bis 14 Jahren erhöht sich der Wert um 291 Euro, bei Kindern ab 14 Jahren um 484 Euro. Aus diesen Zahlen lässt sich ableiten, dass der Konjunkturaufschwung der vergangenen acht Jahre an jedem zwölften Arbeitnehmer vorbeigerauscht ist. Betroffen sind vor allem Menschen ohne Ausbildung und gering Qualifizierte.

Hartz IV zum Überleben

Das sorgt auch dafür, dass 1,16 Millionen Erwerbstätige ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken müssen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Die Dunkelziffer ist deutlich höher und liegt laut wissenschaftlicher Studien bei bis zu zwei Millionen Personen. Sie könnten ergänzendes Hartz IV erhalten, beantragen es aber nicht – aus Scham oder Unwissenheit.

Wer einmal auf Hartz IV als aufstockende Hilfe angewiesen ist, bleibt meist sehr lange im System. In der Antwort heißt es dazu: „Von den rund 1.187.000 erwerbstätigen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Juni 2016 waren rund 6,2 Prozent weniger als drei Monate im Regelleistungsbezug sowie 49,3 Prozent vier Jahre oder länger.“ Erschreckend dabei ist, dass viele der Leistungsempfänger Vollzeit arbeiten. Wolfgang Strengmann-Kuhn mahnt daher: „Erwerbstätigkeit muss vor Armut und Grundsicherungsbezug schützen.“ Er fordert, den Mindestlohn anzupassen und eine soziale Kindergrundsicherung zu schaffen.

Titelbild von Pexels.com – Pixabay.com

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