Alarm: Hartz IV Empfänger bekommen zu wenig für Strom!

Alarm: Hartz IV Empfänger bekommen zu wenig für Strom!

Empfänger von Hartz IV Leistungen erhalten zu wenig für Strom, den sie aus dem Regelsatz selbst bezahlen müssen…die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen schlägt Alarm. Die vorgesehenen Pauschalen aus dem Hartz IV Regelsatz sowie des Mehrbedarfs für dezentrale Warmwasserbereitung entsprechen nicht den realen Bedürftissen. 

50 Euro Stromkosten im Monat

Die Verbraucherzentrale NRW hat in der Projektgruppe „NRW bekämpft Energiearmut“ eigene Berechnungen unternommen und festgestellt, dass die im Hartz IV Regelbedarf vorgesehene Pauschale – etwas mehr als 35 Euro monatlich beim Eck-Regelsatz – zu niedrig ist, um die realen Stromkosten zu decken. Besonders betroffen von dieser Unterdeckung seien Alleinerziehende, die nach Angaben der Verbraucherschützer monatlich etwa 50 Euro benötigen.

Teufelskreis Hartz IV

Teilweise sind die Probleme, warum Hartz IV Bedürftige zu viel für Strom zahlen, hausgemacht. Sie haben zu wenig Geld zur Verfügung, um sich energieeffiziente Geräte (z.B. Kühlschrank) zu kaufen. Auch müssen sie häufig bei den teuren Grundversorgern verharren, da viele Menschen im Leistungsbezug verschuldet sind und eine negative Schufa-Auskunft haben. Mit einer schlechten Bonität wird es daher schwierig, in einen günstigen Tarif eines Alternativ-Stromanbieters zu kommen.

Über 5.000 Haushalte wurden befragt

Insgesamt liegen der Projektgruppe der Verbraucherzentrale Zahlen von über 5.000 Haushalten aus dem Landesprojekt „NRW bekämpft Energiearmut“ zu den Stromkosten vor. Diese haben nach der Auswertung ergeben, dass Bedürftige im Hartz 4 Leistungsbezug eine massive Unterdeckung bei den Stromkosten haben. Bei den Alleinstehenden sind es zwischen acht und 32 Euro monatlich und bei Alleinerziehenden mit einem Kind in der Bedarfsgemeinschaft sogar bis zu 52 Euro. Darüber hinaus hat die Datenerhebung ergeben, dass die meisten Ratsuchenden des Projektes in Wohnungen mit dezentraler Warmwasserversorgung leben.

Aktuell erhalten Alleinstehende einen monatlichen Hartz IV Regelbedarf von 416 €, in dem nach dem Regelbedarfsermittlungsgesetz 35,05 € für die Haushaltsenergie vorgesehen sind. Hinzu kommen, bei dezentraler Warmwasserversorgung (Boiler, Durchlauferhitzer etc.) zusätzlich 9,57 € (2,3% von 416 €) Mehrbedarf für Warmwasser  hinzu.

Hartz IV Berechnung des Stromanteils realitätsfremd

Die Verbraucherschützer kommen nach Auswertung des Projektes zu einem ernüchternden Ergebnis, hier heißt es im Fazit:

„Die ausgewiesenen Anteile für Haushaltsenergie in den entsprechenden Regelbedarfen spiegeln die realen Bedürfnisse von Menschen, die Sozialleistungen beziehen, nicht wider. Dies führt dazu, dass eine Kostendeckung weder bei einem durchschnittlichen Verbrauch noch mit einem durchschnittlichen Strompreis erreicht werden kann. Die Betroffenen sparen sich somit „dunkel“ oder geraten in die Energieschuldenfalle.“

Aus diesem Grund fordert die Verbraucherzentrale bedarfsgerechte Haushaltsenergiepauschelen im Hartz IV Regelsatz. Dieser sollte sich dynamisch an die Strompreisentwicklung anpassen. Darüber hinaus sollten die Mehrbedarfspauschalen für die Warmwasserbereitung bedarfsgerecht und an die durchschnittlich erforderliche Energiemenge angepasst werden. Demnach müsste die Pauschale von 35,05 € zzgl. der 9,57 € Mehrbedarf bei Single Haushalten um mindestens 10,54 € monatlich erhöht werden, bei Bedarfsgemeinschaften mit zwei Personen um mindestens 26,22 €.