Hartz IV für viele Betroffene ein Abstellgleis

Hartz IV für viele Betroffene ein Abstellgleis

Immer weniger Bezieher von Hartz IV Leistungen schaffen es, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und so der Abhängigkeit des Jobcenters zu entkommen. Wie „neuesdeutschland“ berichtet, bewegen sich die Zahlen derer, die aus dem Hartz IV Bezug heraus eine Anstellung finden, seit Jahren rückläufig.

Im vergangenen Jahr kündigte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ein „Paket gegen Langzeitarbeitslosigkeit“ für das Jahr 2015 an. Die Ministerin stieß damit jedoch bei Opposition, Verbänden und Medien auf große Skepsis, schließlich sei das Problem im Verhältnis zum Budget zu groß. Wie „nd“ berichtet, scheinen die Probleme jedoch noch größer zu sein, als bisher angenommen. Die Zeitung beruft sich dabei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA), die von der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Die LINKE) angefragt wurden und dem Blatt vorliegen.

Statistik nicht aussagekräftig

So zeigen die Zahlen, dass viele Hartz IV Empfänger aus der Erfassung der Arbeitsagentur herausfallen, ohne tatsächlich eine Anstellung zu finden.  Nur etwa jeder Achte Langzeitarbeitslose verlasse die Statistik, weil er eine Erwerbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aufgenommen hat. Gut die Hälfte der Langzeitarbeitslosen gingen im vergangenen Jahr jedoch in die „Nichterwerbstätigkeit“, wie „nd“ berichtet. Dies ist beispielsweise der Rentenbezug.

Problematisch für die Statistik sei auch, dass Leistungsbezieher, die in Maßnahmen untergekommen oder krankgeschrieben sind, nicht mitgezählt werden. Berücksichtigt man, dass in den vergangenen Jahren rund 600.000 bis 700.000 Personen (Anteil an Zugängen liegt bei 45 Prozent) betroffen waren, wird schnell deutlich, dass die offiziell genannte Zahl zu Langzeitarbeitslosen mit rund einer Million eher deutlich zu gering ist.

Jobvermittlung beim Amt rückläufig

Aber nicht nur die unübersichtliche Statistik sondern auch die Vermittlungsquoten der Arbeitsagentur sind erschreckend. Immer weniger Hartz IV Empfänger schaffen es aus dem Leistungsbezug heraus, eine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Waren es im Jahr 2010 noch 254.000 Menschen, sank die Zahl im Jahr 2014 auf 185.000. In den Abgängen fiel damit die Quote der Abgänger in den Arbeitsmarkt von 14,2 Prozent auf nur noch 12,6 Prozent. Deutliche Worte für diese Situation finden Sabine Zimmermann gegenüber „nd“.“Die Regierung hat die Betroffenen auf das Abstellgleis geschoben und verweigert ihnen eine Perspektive […] Anscheinend soll die Gesellschaft an diesen Zustand gewöhnt werden“, so die Kritik der Bundestagsabgeordneten.

Ähnliche Zahlen legte die Bundestagsabgeordnete Birgit Pothmer (Die Grünen) vor, die in der „Süddeutschen“ veröffentlicht wurde. Diese belegen den Rückgang der Vermittlungsquoten von Hartz IV Empfängern in den ersten Arbeitsmarkt auf 13 Prozent.

Vorstandsmitglied der BA, Heinrich Alt, warnte gegenüber „dpa“ vor einer „Fehleinschätzung“ der Statistik. Er erklärte, dass die Vermittlungsquote nur einen Teil der Arbeitsvermittlung bei der Bundesagentur für Arbeit ausmache. Vielen Arbeitslosen reiche schon ein kurzes Gespräch mit der BA, ohne konkretes Stellenangebot. Darüberhinaus suchen viele Betroffene selbst nach Stellen in der Online Jobbörse der Behörde.

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