Arm im Alter: Immer mehr auf Hartz IV angewiesen

Rente Hartz 4 Grundsicherung im Alter Antrag

Die Altersarmut in Deutschland nimmt zu, was bedeutet, dass immer mehr Menschen auf die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung  (soz. Hartz IV für Rentner) angewiesen sind, um ihr Existenzminimum zu sichern. Das Bundesarbeitsministerium rechnet bei dieser Sozialleistung mit einem Kostenzuwachs von etwa 1,7 Milliarden Euro in den nächsten vier Jahren, wie die “Süddeutsche” mit Verweis auf den Haushaltsplan 2014 der Regierung sowie der Antwort des Arbeitsministeriums auf die Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion berichtet.

Vielen reicht die erarbeitete Rente nicht zum Leben, weshalb sie mit Sozialleistungen aufstocken müssen bzw. neben ihrer Rente noch arbeiten gehen müssen. Im Jahr 2012 erhielten  465.000 Menschen die Grundsicherung im Alter. Zusätzlich kamen noch weitere 435.000 zu der Statistik dazu, die zwar noch nicht das Rentenalter erreicht haben, die aber zu krank waren um arbeiten gehen zu können und deshalb ihre Erwerbsminderungsrente mit Sozialleistungen aufstocken mussten.

Besorgniserregend scheint das jedoch noch nicht zu sein und auch hält der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Axel Reimann,  die Altersarmut nicht für ein “Massenphänomen”, wie er im Interview mit der “Süddeutschen” sagte. Kann man den offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes Glauben schenken, liegt er mit seiner Einschätzung nicht ganz falsch. Danach liegt die Quote der Menschen im Alter von 65 Jahren und mehr, die Grundsicherung im Alter erhalten, bei gerade mal 2,7 Prozent. (Allgemein lässt sich über die Aussagekraft von Statistiken streiten. Erst kürzlich wurde bekannt, dass beispielsweise die Quote der Hartz IV Sanktionen in 2013 – nicht wie bisher von der Bundesagentur für Arbeit angegeben 3,3 Prozent – bei neun Prozent lag.) Der Paritätischen Wohlfahrtsverband rechnet damit, dass im Jahr 2025 bereits jeder zehnte Rentner auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sein wird.

30 Prozent in vier Jahren

Um 30 Prozent sollen sich die Ausgaben für Grundsicherung im Alter bis zum Jahr 2018 nach den Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums erhöhen. In 2014 beläuft sich die Summe voraussichtlich auf 5,493 Milliarden Euro, in 2018 sollen es schon 7,154 Milliarden Euro sein.

Laut “Süddeutsche” belief sich die bundesdurchschnittliche Grundsicherung im Alter in 2013 auf monatlich 707 Euro

Arbeitsministerin geht nicht von deutlich steigender Altersarmut aus

Wie ein Sprecher der Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erklärt, gehe man im Ministerium nicht von einer deutlich steigenden Altersarmut aus. Vielmehr sei der Anstieg mit der demografischen Entwicklung zu erklären. Die Zahl der Älteren nehme in der Bevölkerung zu, so stiege auch die Zahl der Anspruchsberechtigten, so der Sprecher, der auf die Statistiken zur Grundsicherung im Alter verweist. Demnach sei in den letzten Jahren nur ein leichter Anstieg von 2,5 Prozent auf 2,7 Prozent zu verzeichnen.

Ohne dass sich die Zahl der Berechtigten erhöht, können aber auch dennoch die Kosten für die Sozialleistungen steigen. Als Beispiel nannte der Sprecher die steigenden Mietpreise, die die Wohnkosten für Leistungsempfänger erhöhen.

Über eine Million Altersrentner arbeiten noch im Ruhestand

Dass es bei Menschen im Rentenalter finanziell eng wird, zeigen auch die Zahlen über die Beschäftigungszahlen von Älteren. So berichtete die “Freie Presse” mit Bezug auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, dass Ende September 2013 bundesweit 855.510 Minijobber über 65 Jahre alt waren. Damit waren es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 42.200 und im Vergleich zu 2003 sogar 270.000 mehr. Weiter geht aus der Statistik hervor, dass sogar 142.000 Beschäftigte in Minijobs bereits über 74 Jahre waren.

Aber nicht nur in Minijobs nimmt die Zahl der Altersrentner zu. Auch in regulären, sozialversicherungspflichtigen Tätigkeiten ist ein Anstieg zu verzeichnen. Wie “Zeit Online” schreibt, hatten in 2013 183.435 Beschäftigte bereits das Rentenalter überschritten. Im Vergleich zu 2012 ein Anstieg um knapp 19.000 Beschäftigte über 65 Jahre.

HartzIV.org Newsletter - Nichts mehr verpassen!

Hol' Dir jetzt unseren kostenfreien Newsletter und beginne schon mit der ersten Ausgabe, Deinen Wissensstand sofort zu verbessern!

Die sozialpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, geht hier allerdings nicht davon aus, dass die meisten Älteren “zum Spaß oder Zeitvertreib” weiterarbeiten, sondern sie die “pure finanzielle Not” dazu drängt.