Aufstocker: Mindestlohn kann Hartz IV kaum verhindern

Mindestlohn 8,50

Mindestlohn kann Hartz IV Aufstockern kaum helfen

Vom geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde wird nur ein Bruchteil der aktuell 1,3 Millionen Hartz IV Aufstocker profitieren, wie es in der am Mittwoch vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) veröffentlichten Studie heißt. Dagegen sollen der Bund sowie die Sozialversicherungen die Profiteure des Mindestlohns sein.

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Etwa nur 60.000 der rund 1,3 Millionen Hartz IV Aufstocker erhalten mit der Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro genug Einkommen, um nicht mehr auf die Grundsicherung angewiesen zu sein. Wie aus der Modellberechnung des IAB hervorgeht, ist das weniger als jeder 20. Grund hierfür ist das geringe Arbeitsvolumen von Aufstockern, lediglich jeder Sechste ist laut Studie vollzeitbeschäftigt. 77 Prozent der Hartz IV Aufstocker gehen aber einer Teilzeittätigkeit mit weniger als 32 Wochenstunden nach. Ausgehend von einem durchschnittlichen Stundenlohn von 6,20 Euro bei Aufstockern bringt der gesetzliche Mindestlohn zwar eine höhere Vergütung, aber aufgrund der Arbeitszeit reiche das Einkommen in der Summe dennoch nicht aus, um aus den Fängen von Hartz IV zu entkommen. Auch Alleinverdiener sind häufig nicht in der Lage, genug Einkommen zu erwirtschaften, damit die ganze Familie nicht auf ergänzende Hartz IV Leistungen angewiesen ist.

“Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes in Höhe von 8,50 Euro hat für die Aufstocker kurzfristig eher geringe Auswirkungen – sowohl in Bezug auf das verfügbare Einkommen als auch auf den Ausstieg aus dem Leistungsbezug”.

Die Meinung zum Mindestlohn ist bei Arbeitsmarktforschern sehr durchwachsen. Einige gehen davon aus, dass der Mindestlohn zum Stellenabbau führen könnte, der sich auch bei Hartz IV Aufstockern auswirken könnte. Andere dagegen halten es für sehr unwahrscheinlich, dass die Einführung negative Effekte hervorbringen könnte. Die IAB-Berechnungen zur aktuellen Studie basieren dagegen auf der Annahme, dass durch die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns weder die Arbeitskräftenachfrage noch das Arbeitsangebot zurückgehen.

Staat profitiert vom Mindestlohn

Während die Prognosen für Hartz IV Aufstocker nicht wirklich rosig sind, profitieren dagegen Staat und Sozialkassen vom Mindestlohn. Mit der simulierten Berechnung ermittelte das IAB eine staatliche Entlastung zwischen 2,2 und drei Milliarden Euro, die sich aus dem höheren Erwerbseinkommen der Aufstocker ergäbe.

Alleine die Ausgaben für Arbeitslosengeld II Leistungen würden um 700 bis 900 Millionen sinken. Gegengerechnet werden müssen hier allerdings noch die Mehrausgaben für Wohngeld und Kinderzuschlag, so dass die Sozialkassen um etwa 500 bis 650 Millionen Euro entlastet werden.

Zusätzlich kann mit höheren Einnahmen in die Sozialversicherungskassen und der Einkommensteuer gerechnet werden, die auf bis zu sechs Milliarden Euro beziffert werden.  Im Gegenzug sinken allerdings die Einnahmen aus den Unternehmenssteuern, da Arbeitgeber durch die Einführung des Mindestlohns höhere Personalkosten haben.

Kurzübersicht der Studie: http://doku.iab.de/kurzber/2014/kb0714.pdf

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