Hartz IV Empfängerin sollte ungewaschen zum Jobcenter

Hartz IV Empfängerin sollte ungewaschen zum Jobcenter

Weil eine Hartz IV Empfängerin aus Berlin-Hellersdorf nicht ungewaschen zum Beratungsgespräch im Jobcenter erscheinen wollte, muss sie dies nun teuer bezahlen. Auf das persönliche (und menschliche) Bedürfnis nach Pflege und Hygiene nahm die Behörde keine Rücksicht und sanktionierte die zweifache Mutter mit einer Kürzung der Leistungen für drei Monate.

Es klingt zu banal um wahr zu sein, dennoch hat Brigitte W. aus Hellersdorf nun Ärger mit dem Jobcenter. Die gelernte Lagerarbeiterin, die seit acht Jahren arbeitsuchend ist, wurde von ihrem Arbeitsvermittler für Ende Januar zum Beratungsgespräch ins Jobcenter eingeladen. „Ich hatte am Vormittag in der Wohnung gemalert, wollte mich danach für den Termin zurecht machen“, erklärt sie gegenüber der „B.Z.“. An diesem Tag wurde jedoch in ihrem Wohnhaus das Wasser abgestellt und ungewaschen wollte die Hellerdorferin nicht in der Behörde erscheinen. So rief sie in der Zentrale des Jobcenters an und sagte den Termin aus bekannten Gründen ab. Zusätzlich bat sie schriftlich um die Vergabe eines alternativen Termins für ein Beratungsgespräch.

Ein paar Tage später kam die unglaubliche Reaktion des Jobcenters per Post – Sanktion der Leistungen. Ihre gute Kinderstube muss die Leistungsempfängerin nun teuer bezahlen. „Von den 449,82 Euro Hartz IV für mich und meine beiden Kinder sollen von März bis Mai 39,10 Euro gekürzt werden“, so Brigitte W. gegenüber der „B.Z.“. Im gleichen Schreiben weist das Jobcenter darauf hin, dass die Hartz IV Empfängerin auch die sanitären Einrichtungen im Jobcenter hätte nutzen können, darüberhinaus sei das äußere Erscheinungsbild zweitrangig.

Auf Nachfrage der „B.Z.“ verteidigt der Chef des Jobcenters Marzahn-Hellersdorf, Wolfgang Steinherr,  das behördliche Vorgehen. „Die Dame hätte erscheinen müssen, sie war ja nicht krank […] Sanktionen sind üblich, wenn Termine ohne schlüssigen Grund nicht wahrgenommen werden“, so Steinherr gegenüber der Zeitung.

Brigitte W. will nun Widerspruch einreichen und machte klar, dass sie auch zukünftig nicht ungewaschen zu Terminen beim Jobcenter gehen wird.

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