Gefangen in Hartz IV – für viele Menschen trauriger Dauerzustand

Einmal in den Hartz IV Strudel geraten, wird es für viele Bedürftige schwer wieder herauszukommen. Viele schaffen es nicht und je länger der Hartz IV Bezug andauert, desto schwieriger ist es, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen.

Drei Millionen Menschen dauerhaft auf Hartz IV angewiesen

Aktuelle Statistiken ergeben, dass etwa die Hälfte der Hartz IV Bezieher bereits über vier Jahre im Leistungsbezug stehen. In manchen Regionen der Bundesrepublik sind es sogar 80 Prozent Langzeitarbeitslose. Dabei gilt jemand im Sinne des Sozialgesetzbuches als Langzeitarbeitsloser, der über zwei Jahre auf staatliche Hilfe angewiesen ist.

Leistungsbezieher sehen sich immer mehr mit Vorurteilen der restlichen Bevölkerung konfrontiert. Doch den “typischen Hartz IV Empfänger” gibt es nicht – die Gründe für die Arbeitslosigkeit sehr vielfältig und resultieren in den seltensten Fällen aus Faulheit. Häufig sind es Schicksale in den Familien, gesundheitliche Probleme, die Menschen aus dem Berufsleben reißen. Aber auch ältere Menschen haben es schwer, wieder eine Anstellung zu finden, genauso wie alleinerziehende Elternteile oder pflegende Familienangehörige sowie Berufsrückkehrer und Migranten. Doch nicht nur Arbeitslosigkeit sorgt für den Hartz IV Bezug. Auch Niedriglöhne oder geringfügige Beschäftigungen sind Ursachen dafür, dass Berufstätige mit Arbeitslosengeld II Leistungen aufstocken müssen, um über die Runden zu kommen.

Hartz IV schreckt Arbeitgeber ab

Gegenüber der “Welt” erklärte Ulrich Walwei, Vizepräsident des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB), dass ein langer Hartz IV Bezug abschreckend auf Arbeitgeber wirke. Walwei spricht von einem Stigma, welches es für die Menschen noch schwerer mache. Selbst Zuschüsse des Jobcenters an die Arbeitgeber können hier selten Abhilfe schaffen. Dennoch seien öffentlich geförderte Arbeitsplätze nur das letzte Mittel.

Risikofaktoren erschweren die Jobsuche

Laut IAB gibt es auch feste Risikofaktoren, die den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben erschweren. Dazu zählen Ältere ab 50, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Leistungsbezieher ohne Schul- oder Berufsabschluss sowie schlechte Deutschkenntnisse. Auch pflegende Familienangehörige oder betreuuende Elternteile gelten als Risikofaktor. Der IAB-Vize kritisch:

“Mit jedem zusätzlichen Risikofaktor halbiert sich für die Langzeitleistungsbezieher die ohnehin schon geringe Wahrscheinlichkeit, eine Stelle zu finden” 

Paten für Arbeitslose

Im Interview mit der Zeitung schlug er vor, dass sich berufstätige Paten um die Arbeitslosen kümmern und den Wiedereinstieg ins Berufsleben unterstützen, vergleichbar mit Paten für Schüler. Walwei spricht dabei von “sozialer Aktivierung”, also der Stärkung des angeschlagenen Selbstbewusstseins von Hartz IV Empfängern:

“Die Menschen müssen wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden, das ist ein mühsamer Weg und bedeutet viel Betreuungsarbeit.”

Als Beispiele nannte er das gemeinsame Training für einen Marathon oder Proben für ein Theaterstück. Dabei könnten Leistungsbezieher wieder einen neuen Fokus und Selbstvertrauen bekommen und Netzwerke knüpfen.

Budgetkürzungen für Leistungsbezieher

Dass es solche Maßnahmen, die positiv auf die Psyche von Langzeitsarbeitslosen wirken können, nicht im Sozialgesetzbuch gäbe, kritisierte Markus Keller vom Deutschen Landkreistag. In seinen Augen gehe es in den Jobcentern nicht primär um die langfristige Wiedereingliederung von Arbeitslosen, sondern um kurzfristige Erfolge und das Aufpolieren der Arbeitslosenstatistiken.

“Dieses Gebot schneller Erwerbstätigkeit wird im SGB II stärker betont als die dauerhafte und nachhaltige Überwindung der Hilfebedürftigkeit […] Dabei kann eine einzelne Person theoretisch bis zu zwölf Mal in einem Jahr integriert werden, jeden Monat einmal, das ist selten nachhaltig, sieht aber in der Statistik gut aus”,

so Keller über die Vermittlungspraxis der Jobcenter gegenüber der “Welt”.

Auch das Budget je Langzeitarbeitslosen für Eingliederung, Teilhabe und Leistungsgewährung habe sich in den letzten Jahren negativ entwickelt. Während bei der Einführung  noch pro Hartz IV Empfänger 3.200 Euro zur Verfügung standen, waren es im Jahr 2012 nur noch 1.700 Euro. Aber gerade die steigende Zahl von Dauerleistungsbeziehern erfordert ein höheres Budget, so Keller weiter.

http://www.welt.de/wirtschaft/article123461851/Hartz-IV-wird-fuer-breite-Schicht-zum-Dauerzustand.html

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