Hartz IV Empfängern fehlen 21 Prozent für Stromkosten

Hartz IV Empfängern fehlen 21 Prozent für Stromkosten
Stromzähler Stromkosten

Ab 2014 zahlen Hartz IV Empfänger durchschnittlich 21 Prozent mehr für Strom als im Regelsatz vorgesehen

Trotz Erhöhung des Hartz IV Regelsatzes ab 2014 auf 391 € (um 9 €) reicht der Anteil für Strom nicht aus. Hartz IV Empfänger müssen etwa ein Fünftel mehr für Strom bezahlen, als im Regelsatz vorgesehen. Einsparungen, die an anderer Stelle, z.B. Kleidung oder Lebensmitteln, wieder fehlen.

Die Kosten für Energie sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Im Schnitt liegt die Preissteigerung bei Strom seit 2005 im Bundesdurchschnitt bei 44 Prozent, im gleichen Zeitraum sind Kosten für Gas um 31 Prozent und für Fernwärme um 45 Prozent gestiegen. Für 2014 sind die Preissteigerungen vor allem auf die EEG-Umlage zurückzuführen. Die Umlage zur Umstellung auf erneuerbare Energien steigt für Verbraucher pro kWh von 5,30 auf 6,24 Cent.

Leistungsempfänger müssen 21 Prozent bei Strom draufzahlen

regelsatztorte2014Vorgesehen sind bei einem Regelsatz von 391 € für Strom und Instandhaltung der Wohnung monatlich 32,69 €. Wie das Vergleichsportal „Verivox“ ermittelt hat, wird im kommenden Jahr ein Single-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 1500 kWh etwa 473 € für die Stromrechnung aufbringen müssen. Monatlich ergibt das eine Belastung von 39,42 €, im Vergleich dazu sind in der Regelleistung 32,69 € vorgesehen, eine Unterdeckung von 6,73 € bzw. von knapp 21 Prozent.

Der Anteil im Regelsatz bezieht sich auf Strom und Instandhaltung der Wohnräume. Und hier beginnt der Teufelskreis. Da Leistungsempfänger nicht einmal genug erhalten, um den Strom zu bezahlen, ist an die Reparatur oder Instandhaltung von Haushaltseinrichtung in der Wohnung gar nicht zu denken, weil kein Geld vorhanden ist. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, rechnet mit einer Unterdeckung der Stromkosten bei bei Hartz IV Beziehern von 90 bis 280 Euro jährlich pro Haushalt.

Schneider kritisiert den Regelsatz:

„Die Explosion der Strompreise wird weder zeitnah noch realitätsgerecht in der Höhe der Regelsätze abgebildet, obwohl das Bundesverfassungsgericht vom Gesetzgeber dies ganz klar eingefordert hat.“

Kommunen sollen Stromkosten übernehmen

Der Deutsche Mieterbund und der Paritätische Wohlfahrtsverband sprechen sich bereits seit einiger Zeit dafür aus, dass Stromkosten – wie bereits die Heizkosten – von den Kommunen übernommen werden sollen, „sofern dem Anspruchsberechtigten kein konkret zu hoher Verbrauch durch unwirtschaftliches Verhalten nachgewiesen wird“, so Schneider.

Die Ärmsten zahlen die höchsten Strompreise

Den Vorteil darin sieht der Hauptgeschäftsführer des Wohlfahrtsverbandes darin, dass sich Kommunen dann auch selbst um die günstigsten Stromanbieter bemühen würden.

Dieser Weg bleibt nämlich vielen Hartz IV Beziehern verwehrt, da die Anbieter bei Neuverträgen die Bonität ihrer Kunden überprüfen. Wie Verivox feststellte, wirken sich hier Zahlungsschwierigkeiten aus der Vergangenheit negativ aus, so dass es bei vielen Hartz IV Beziehern nicht zu einem Anbieterwechsel zu einem günstigeren Energieversorger kommt, mit der Folge, dass die ärmsten Verbraucher die höchsten Strompreise zahlen.

Strom- und Heizkosten als Armutsrisiko

Nicht nur Bei Hartz IV Empfängern, sondern allgemein fehlt in Haushalten mit niedrigem Einkommen oder Beziehern von anderen Sozialleistungen (z.B. Wohngeld, Sozialhilfe, Grundsicherung etc.) das Geld für Energie. Wie „Verivox“ berichtet, haben etwa ein Drittel der 1.100 Energieversorger angekündigt, die Preise im kommenden Jahr um durchschnittlich drei Prozent anzuheben.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband rechnet mit acht Millionen Menschen in Deutschland, die von den Preiserhöhungen besonders belastet werden.

322.000 Stromsperren in 2012

Aus den Statistiken der Bundesnetzagentur geht hervor, dass im Jahr 2012 bei 322.000 Haushalten der Strom abgestellt wurde. Das tragische daran ist, dass sich der Zahlungsrückstand dabei im Durchschnitt nur bei 114 € belief.

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