Hartz IV: Trotz Schimmelbefall und schwerer Krankheit kein Zuschuss zu Umzugskosten

Schimmelpilz in der Wohnung

Trotz schwerer Erkrankung und Schimmelpilzbefall in der Wohnung will das Jobcenter einen Umzug nicht übernehmen Bild: Thorben Wengert/ pixelio.de

Trotz massiven Schimmelpilzbefalls in der Wohnung und schwerer Krankheit sieht sich das Jobcenter Walsleben (Brandenburg) nicht dazu veranlasst, einen Umzug sowie die Renovierungskosten zu übernehmen.Die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) berichtet über den Fall einer 58-jährigen Rentnerin.  Ulrike G. ist schwer krank und hat durch ihr Krebsleiden bereits eine schwere Brust-OP und mehrere Chemotherapien über sich ergehen lassen müssen, was ihr Immunsystem stark geschwächt hat.

Im Arbeitszimmer der Wohnung hat sich starker Schimmelpilz gebildet und reicht auf eine Breite von etwa eineinhalb Metern vom Fußboden bis zur Decke. Aufgrund des geschwächten Immunsystems rät der behandelnde Arzt der ehemaligen Zahnarzthelferin, die Wohnung nicht mehr zu betreten. Auch ein Gutachten des Gesundheitsamtes darüber liegt vor, welches ihr Ehemann Christian G. (Hartz IV Empfänger und aktuell im Ein-Euro-Job als Busbegleiter) auf eigene Rechnung hat erstellen lassen. Einen Umzug genehmigt das zuständige Jobcenter zwar, die notwendigen Umzugs- und Renovierungskosten will die Behörde jedoch nicht übernehmen.

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    Der gelernte Melker und Agrotechniker hat bereits gegen die Ablehnung des Jobcenters Widerspruch eingelegt.  “Meine Frau kriegt schon Husten von dem Schimmel”, erzählt G. im Interview. Das Ehepaar hat das Arbeitszimmer bereits geräumt und versucht, den verschimmelten Raum nicht mehr zu nutzen.

    Das Jobcenter weist die Zuständigkeit von sich, da keine fristlose Kündigung des Mietvertrages vorliegt. Darüber hinaus sei der Vermieter zur Beseitigung des Schimmels zuständig, so der Amtsleiter des  Jobcenters, Bernd Lüdemann. Auch der Umstand, dass sich die Hartz IV Empfänger bereits seit Monaten um die Schimmelbeseitigung mit dem Vermieter streiten, beeinflusst die Haltung des Jobcenters nicht. Lüdemann stellte klar, dass die Klärung von Streitigkeiten zwischen Mietparteien nicht in den Aufgabenbereich des Jobcenters fällt.

    Unterlagen im Jobcenter verschwunden

    Die Behörde begründet ihre ablehnende Haltung zudem damit, dass keine Belege dafür vorliegen würden, dass vom Schimmelbefall eine Gesundheitsgefährdung ausgehen würde – obwohl Christian G. nach eigenen Angaben bereits Anfang Juli ein Attest an das Jobcenter geschickt hatte. Aber auch die erneute Zusendung einer Kopie brachte nicht den gewünschten Erfolg. Lüdemann sagte nur “Am 25. Juli ging das sehr allgemein gehaltene Attest eines Mediziners ein, welches einen Umzug empfiehlt”. Über das Gutachten des Gesundheitsamtes fiel kein Wort. Der Amtsleiter wollte den Vorfall nicht weiter kommentieren und verwies auf das laufende Widerspruchsverfahren, welchem er nicht vorgreifen wolle.

    Auch der Anwalt der Familie, Klaus-Dieter Miesbauer, kann die Haltung der Leistungsbehörde nicht verstehen. “Die Sturheit dieses Amtes ist schon grenzenlos. Frau G. braucht nach der Chemotherapie eigentlich einen sterilen Raum.”

    Mehr zum Umzug bei Hartz IV:

    https://www.hartziv.org/umzug-bei-hartz-iv.html

    http://www.maz-online.de/Lokales/Ostprignitz-Ruppin/Behoerde-verweigert-Zuschuss