Hartz IV stigmatisiert Betroffene

Die Arbeitsmarktreform um Hartz IV ist gescheitert, dies geht aus einer Untersuchung der Universität Jena hervor. Die Forscher haben herausgefunden, dass Hartz IV das Gegenteil des eigentlichen Ziels bewirkt und fatale Folgen für Betroffene hat. Anstatt mit dem Prinzip “Fördern und Fordern” Arbeitslose in Lohn und Brot zu bringen, bewirken die Maßnahmen nur noch mehr Passivität.

Für die Studie wurden von der Uni Jena Hartz IV Bezieher über einen Zeitraum von sieben Jahren befragt und die Bilanz ist erschreckend. Den Sprung aus der Arbeitslosigkeit haben nur wenige geschafft, manche mussten sich in bis zu einem Duzend Maßnahmen wiederfinden, beispielsweise Ein-Euro-Jobs, Praktika u. Ä. ohne dabei voranzukommen. Der Arbeitssoziologe Klaus Dörre sagte dazu, dass die Hartz-IV-Logik zum Gegenteil dessen führe, was sie leisten solle und das nicht zuletzt durch das Strafsystem der Sanktionen. “Die Hartz-IV-Logik erzeugt Passivität, wo sie Aktivierung vorgibt”, so der Jenaer Forscher.

Dörre vergleicht das Stigma der Hartz IV Betroffenen mit “der schwarzen Hautfarbe im Süden der USA”. Hier kommen wieder Vorurteile gegen Leistungsbezieher ins Spiel. “Den Hartz-Reformen liegt das Bild zugrunde der faulen, passiven Langzeitarbeitslosen, die es sich in der Hängematte des Wohlfahrtsstaates bequem machen. Das können wir nicht feststellen”, sagte der Forscher in einem Interview. Der Großteil der Leistungsbezieher und prekär Beschäftigten seien selbst aktiv. Seinen Studienergebnissen zu Folge sei lediglich eine kleine Gruppe von acht bis zehn Prozent, die “nicht mehr kann und nicht mehr will”. Bei diesem Personenkreis sind auch Sanktionen wirkungslos, weshalb ein teurer Überwachungsapparat “unsinnig” sei. Seiner Ansicht nach müsse eine reiche Gesellschaft wie Deutschland eine solch kleine Gruppe Menschen aushalten können.

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Teufelskreis Hartz IV

“Man strampelt enorm, wendet enorme Energie auf, kommt aber nicht von der Stelle”, so die Ergebnisse der siebenjährigen Befragung vieler Hartz IV Bezieher, denn nur wenige haben den Absprung aus dem Leistungsbezug geschafft. “Es gibt eine größer werdende Gruppe von Menschen, die an oder unterhalb der Schwelle der Respektabilität lebt – das ist Hartz IV – und sie kommen da nicht mehr heraus”, bringt es Dörre auf den Punkt.

Hartz IV spaltet die Gesellschaft und isoliert Leistungsbezieher

Je länger Betroffene im Leistungsbezug leben, desto stärker müssen sie sich mit der Materialknappheit und Armut auseinandersetzen. Dies führt dazu, dass Betroffene häufig den Kontakt mit Menschen meiden die Arbeit haben, weil sie nicht wollen, dass in Gesprächen die eigene Lebenssituation zum Thema wird oder sie auch gemeinsame Unternehmungen meiden, weil sie einem Bekannten nichts ausgeben können.  Dies führt dazu, dass Hartz IV Bezieher eher nur den Kontakt zu Gleichgesinnten suchen und entwickeln einen “Überlebenshabitus, der der Gesellschaft die Stigmatisierung erleichtert” – mit der Folge, dass sie in diesem Teufelskreis immer mehr von der Mehrheitsgesellschaft isoliert werden.

Forscher fordern Abschaffung der Sanktionen

Als Konsequenz auf die Forschungsergebnisse haben die Jenaer Forscher drei Lösungsansätze. Einerseits müssen die Sanktionen gegen Hartz IV Bezieher aufgehoben werden. “Ein solcher Gängelungsapparat, der bis in private Lebensbereiche hineinwirkt, ist unsinnig und rechtfertigt die Kosten nicht”. Ferner müssen sinnvolle Beschäftigungen geschaffen werden. Hier sprechen die Forscher besonders den Bedarf in Pflegeberufen, bei Erziehern und bildenden Berufen an. Gleichzeitig müsste ein Mindestlohn eingeführt werden.

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