Durch hohe Mieten rutschen Familien unter Hartz IV Niveau

Die Frage, wer in Deutschland arm ist, lässt sich nicht so einfach beantworten, da aufgrund der regionalen Unterschiede die Auswertung verzerrt wird. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Armutsgefährdungsgrenze in 2011 bei 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens bundesweit für einen Single-Haushalt (952 € monatlich/ 11.426 € jährlich).

Eine neue Studie der empirica AG, im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, hat ergeben, dass in über 50 Prozent der größeren Städte das Armutsrisiko aufgrund der Mietpreise steigt. Als Basis ist die Studie von einer vierköpfigen Familie ausgegangen und hat dabei die 100 größten Städte der Republik verglichen. Schließlich lässt sich das Armutsrisiko nicht nur anhand des Einkommens feststellen, da bei einem Einkommen von 2.000 € in ländlichen Gegenden mehr zum Leben übrig bleibt als beispielsweise in Berlin, Hamburg oder München.

[box “alert” icon=”none”]Die Studie belegt, dass Familien, die weniger als 60 Prozent des ortsüblichen mittleren Einkommens erzielen, nach Abzug der Miete weniger zur Verfügung haben als eine Hartz-IV Familie.[/box]

Betrachtet man z. B. Jena, so bleiben einer Familie nach Abzug der Kosten für Miete gerade noch 666 € für den Lebensunterhalt. Im Vergleich zur bundeseinheitlichen Regelung durch Hartz IV (1.169 €), 43 Prozent unter der Grundsicherung.  Weitere Beispiele wären Frankfurt am Main, Freiburg und Regensburg. Hier liegt das verfügbare Einkommen nach Abzug der Miete um durchschnittlich 37, 33 und 26 Prozent unter dem Hartz IV Satz.

Es geht aber auch umgekehrt, wie am Beispiel Heilbronn verdeutlicht wird, wo verhältnismäßig hohe Durchschnittseinkommen erzielt werden, die Mietpreise aber nicht so aus dem Ruder laufen. Hier haben Familien nach Abzug der Miete noch 1.941 € zur Verfügung und damit 66 Prozent mehr als die Grundsicherung durch Hartz IV. Ähnlich verhalten sich Iserlohn, Witten und Bergisch-Gladbach. Nach Abzug der Wohnkosten verbleiben den Familien noch 53, 48 und 45 Prozent mehr als bei der Grundsicherung durch Hartz IV.

Die Wohnkosten sind also ein entscheidender Faktor bei der Ermittlung der Armutsgefährdung. Während Frankfurt am Main, Freiburg, Jena und München eine Familie rund 50 Prozent ihres Einkommens in die Wohnkosten investieren muss, liegen diese Ausgaben in Iserlohn und Witten bei gerade mal durchschnittlich 20 Prozent des Einkommens.

Bezahlbarer Wohnraum wird zur Rarität

Im Bundesdurchschnitt geben Familien 30 Prozent ihres Einkommens für die Wohnkosten aus. Aber wer auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum in dieser Größenordnung ist, wird in vielen Großstädten scheitern. Besonders in München, Frankfurt am Main, Offenbach, Jena, Konstanz oder Potsdam beträgt der Anteil der familiengerechten Wohnungen gerade mal 1 Prozent. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich eine Familie mit niedrigem Einkommen gerade mal jede hundertste Wohnung in diesen Orten leisten kann. In Hildesheim oder Zwickau können dagegen mit 30 Prozent des Einkommens mehr als 40 Prozent der zur Verfügung stehenden Wohnungen bezahlt werden.

Die Studie macht die soziale Spaltung innerhalb einer Stadt sehr deutlich. Menschen mit niedrigerem Einkommen sind gezwungen, in andere Stadtteile oder ins Umland zu ziehen, wo der Wohnraum anhand des Einkommens noch bezahlbar ist.

aufstockende Sozialleistungen

Um die angespannte finanzielle Situation abzumildern, haben Bürger in Deutschland die Möglichkeit verschiedene Sozialleistungen zu beantragen. Eine der prominentesten sind aufstockende Hartz IV Leistungen. Allerdings müssen zuvor alle anderen Sozialleistungen ausgeschöpft sein, bevor man Hartz IV beantragen kann. Daher ist bei Familien mit Kindern zunächst ein Anspruch auf den Kinderzuschlag zu prüfen. Darüber hinaus auch ein evtl. Wohngeldanspruch. Nur wenn sich durch diese Leistungen die Bedürftigkeit im Sinne des SGB II nicht vermeiden lässt, kann ein Antrag auf aufstockende Hartz IV Leistungen gestellt werden.

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