Nach Rechnungshof-Vorwürfen: Arbeitsvermittlerin kritisiert System

Agentur für Arbeit
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Nach den Vorwürfen des Bundesrechnungshofes – Berliner Arbeitsvermittlerin kritisiert mit Leserbrief das System – Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

Der Rechnungshof lässt kein gutes Haar an der Arbeitsvermittlung oder vielmehr den Personen, die Menschen in Lohn und Brot bringen sollen: zu wenig Engagement. Der Bundesrechnungshof wirft den Arbeitsagenturen gar “Diskriminierung von Langzeitarbeitslosen” sowie “Manipulationen der Vermittlungsstatistiken” vor (Wir berichteten: Arbeitsagentur diskriminiert Hartz IV Bezieher. Viele Arbeitssuchende dürften diese Kritik aus eigener Erfahrung uneingeschränkt unterschrieben. Diese Vorwürfe sind schnell formuliert. Doch treffen sie auch zu bzw. treffen sie auch die Richtigen? Anscheinend nicht. Eine Vermittlerin der Berliner Arbeitsagentur hat sich ein Herz gefasst und schildert ihre und die Situation der Kolleginnen und Kollegen in einem Leserbrief in der „Berliner Zeitung“. Fazit: Der Mensch ist willig, das System überholungsbedürftig. 

Unqualifizierte Jobvermittler?

Viele der Mitarbeiter in den Jobcentern seien aus anderen Dezernaten versetzt worden und hätten nur eine kurze Einweisung erhalten. Fundierte Kenntnisse zum Arbeitsmarkt und insbesondere spezialisierten Berufsgruppen seien daher Mangelware. Daraus ergebe sich spätestens dann ein Problem, wenn hoch qualifizierte Kräfte vorstellig würden. Es gebe zwar Nachschlagewerke. Die haben, so die Schilderung der Frau, zumindest inhaltlich schon Staub angesetzt, sind also nicht mehr auf dem neuesten Stand oder listen die neuen Berufsbezeichnungen gar nicht auf.

Das führt zu einer Kettenreaktion: Den Arbeitssuchenden Empfehlungen auszusprechen, erweise sich als äußerst schwieriges Unterfangen. Firmen nähmen die Unkenntnis zum Anlass, sich gar nicht erst mit den Vermittlern zu unterhalten. Hinzu kommt der zeitliche Aufwand, der entsprechend groß, aber nicht sonderlich effektiv ist, und dann im Vorwurf mündet, keine Leistung zu bringen. Denn die bloßen Bemühungen würden nicht mit sogenannten Credits belohnt. Vonseiten der Vorgesetzten heiße es dann:

„Es ist besser, in einer Woche drei oder fünf Arbeitssuchende für ein halbes Jahr in ein Callcenter zu vermitteln als nur einen Spezialisten aus der Arbeitswelt in der gleichen Zeit auf eine adäquate neue Position.“ 

Grundsätzlich sei man gerne bereit, sich Zeit zu nehmen, werde aber durch Vorgesetzte, Unternehmen und nicht zuletzt das System ausgebremst. Irgendwie verständlich, wenn der Spaß an der Arbeit irgendwo auf der Strecke bleibt, weil man der Zwickmühle sitzt und es niemandem Recht machen kann.

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Autor: André Maßmann