Arm trotz Arbeit – Jeder dritte Hartz IV Empfänger ist Aufstocker

Fast ein Drittel der Bezieher von Hartz IV Leistungen sind sog. Aufstocker, die von ihrem Arbeitseinkommen nicht leben können. Im vergangenen Jahr betraf das 1,33 Millionen Menschen, die trotz einer Erwerbstätigkeit die Hilfe vom Amt benötigten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Eine Untersuchung des Instituts Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen (IAQ) hat ergeben, dass dieser Personenkreis im Jahr 2012 einen Anteil von 30,4 Prozent an der Gesamtzahl der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen ausmachte.

Die Untersuchung ergibt, das bei verschiedenen Personenkreisen aufgestockt werden muss:

  • arbeitslose Hilfebedürftige, die Arbeitslosengeld II mit Minijob aufstocken
  • nicht Arbeitslose (z.B. Alleinerziehende mit kleinen Kindern, denen Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann) die ebenfalls ALG II mit Minijobs aufstocken
  • sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, deren Einkommen unter dem Hartz IV Satz für die Bedarfsgemeinschaft liegt
  • Selbständige Arbeitnehmer, deren Einkommen unter dem Hartz IV Satz für die Bedarfsgemeinschaft liegt

Das IAQ berichtet, dass von den Hartz IV Aufstockern 44 Prozent einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen, mehr als die Hälfte (57,7 Prozent) davon sogar in einer Vollzeitbeschäftigung. Zehn Prozent seinen selbständig und 36 Prozent üben eine geringfügige Beschäftigung im Minijob aus. Selbst andere Leistungen wie Kindergeld, Kinderzuschlag oder Wohngeld können die Hilfebedürftigkeit nicht abwenden.

HartzIV.org Newsletter - Nichts mehr verpassen!

Hol' Dir jetzt unseren kostenfreien Newsletter und beginne schon mit der ersten Ausgabe, Deinen Wissensstand sofort zu verbessern!

Niedriglöhne werden staatlich subventioniert

“Hier werden Niedriglöhne, von denen man nicht leben kann, aus Steuermitteln subventioniert”, kritisierte Prof. Dr. Gerhard Bäcker, Lehrstuhl für Soziologie des Sozialstaats der Universität Duisburg-Essen, die Zahlen, die besonders in den neuen Bundesländern sehr auffällig seien. Auch der Anstieg der aufstockenden Selbständigen sei zu hinterfragen, “Das Geschäftsmodell einer nicht existenzsichernden Selbständigkeit wird hier staatlich gefördert!”, so der Sozialwissenschaftler.

Weniger Hartz IV Empfänger – Anteil Aufstocker steigt

Die vom IAQ auswerteten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zeigen auf, dass die Anzahl der Menschen, die von ihrem Einkommen sich selbst und ihre Familien nicht versorgen können, steigt. Waren es im Jahr 2007 noch 5,3 Millionen erwerbsfähige Hartz IV Empfänger, so ist dieser Wert im Vergleich zum Jahr 2012 mit 4,4 Millionen erwerbsfähigen Hilfebedürftigen um fast ein Fünftel gesunken. Im gleichen Zuge ist aber der Anteil der Aufstocker von 1,22 Millionen (2007: 23,1 Prozent) auf 30,4 Prozent in 2012 gestiegen.

Insgesamt waren im Durchschnitt des vergangenen Jahres 6,1 Millionen Menschen auf Hartz IV Leistungen angewiesen. Der Anteil der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen lag bei 72,3 Prozent. Die übrigen 27,7 Prozent gelten als nicht erwerbsfähig, wobei der überwiegende Teil Kinder unter 15 Jahren mit Anspruch auf Sozialgeld sind.