Hartz IV Mehrbedarf für Warmwasser unrealistisch

Hartz IV Mehrbedarf für Warmwasser unrealistisch

Grundsätzlich werden die Kosten zur Warmwasseraufbereitung zusammen mit den Heizkosten im Rahmen der Unterkunftskosten bei Hartz IV Bezug übernommen – dies allerdings nicht, wenn die Aufbereitung des Warmwasser dezentral, sprich mit einem Boiler, Gastherme oder Durchlauferhitzer etc. erfolgt. Werden diese Geräte beispielsweise mit Strom versorgt, so sind diese Kosten aus dem Regelbedarf zu bestreiten, da Strom nicht extra übernommen wird  – dabei wird in 20 Prozent der Haushalte Warmwasser mit Strom aufbereitet.

Für die dezentrale Warmwasseraufbereitung ist seit 2011 ein Mehrbedarf nach § 21 Abs. 7 SGB II vorgesehen, der sich prozentual am maßgeblichen Hartz IV Regelbedarf orientiert. Bei einem alleinstehenden Volljährigen Hartz IV Bezieher würde dieser Zuschlag 8,79 Euro monatlich betragen.

Mehrbedarf für Warmwasser

Die Rechnung geht allerdings nicht auf. Als Richtwert für die Stromkosten eines Durchlauferhitzers kann man von gut 500 kW/h jährlich ausgehen, bei einem Preis von ca. 28,00 Cent pro kW/h, der ab 2013 durchaus üblich ist, sind das jährlich Kosten von 140 Euro. Auf den Monat umgerechnet 11,67 €.  Hier sind schon die Kosten für Warmwasser sowohl für Duschen, Kochen und Spülen etc. berücksichtigt. Selbst bei einem Ein-Personen-Haushalt muss der Leistungsbezieher monatlich 2,88 Euro draufzahlen, jährlich ergibt das einen Betrag von 34,56 Euro – wenn wir bei dem Durchschnittsverbrauch bleiben und auch von einem Strompreis von 0,28€ kW/h ausgehen, was schon im unteren Bereich angesetzt ist.

Beispiel mit einer 4-köpfigen Familie

Bei der Berechnung mit mehreren Personen wird der Unterschied noch gravierender. Zur Berechnung nehmen wir eine 4-köpfige Familie mit 2 jugendlichen Kindern (13 und 15 Jahre). Für die beiden Eltern ist monatlich ein Mehrbedarf zur Warmwasser-Aufbereitung von 7,94 Euro vorgesehen, für die Kinder 3,06 Euro und 4,05 Euro. In der Summe kommen wir also auf monatlich 22,99 Euro, die für das Warmwasser angesetzt werden. Der übliche Verbrauch des Durchlauferhitzers (je nach Modell und Intensität) kann mit 1.800 kw/h berücksichtigt werden. Bei einem Strompreis von 0,28 Euro x 1.800 kW/h = 504 Euro nur an Kosten für den Durchlauferhitzer jährlich. Demgegenüber steht der Mehrbedarfszuschlag von 22,99 Euro x 12 Monate = 275,88 Euro. Jährlich also ein Defizit von 228,12 Euro bzw. monatlich 19,01 Euro.

Werte für 2012
Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lag der durchschnittliche Strompreis im Jahr 2012 bei 25,89 Cent/ kW/h. Ausgehend vom o.g. Beispiel mit vier Personen lägen die Verbrauchskosten für Warmwasser bei 466,02 Euro. Demgegenüber stand ein Mehrbedarf für Warmwasseraufbereitung von 270,36 Euro. In diesem Beispiel hätte die Hartz IV Familie 195,66 Euro zum Mehrbedarf draufgezahlt – bei einer Warmwasserzeugung mit Strom.

Abweichende Werte

In Einzelfällen kann die Warmwasseraufbereitung auch nach den tatsächlichen Werten erfolgen. Hier müssten die Leistungsbezieher aber den tatsächlichen Verbrauch angeben können, was sich aufgrund der Ermittlung als durchaus schwierig herausstellen könnte.

Extremer Anstieg der Energiekosten

Die steigenden Energiepreise führen dazu, dass immer weniger vom Hartz IV Regelbedarf übrig bleibt und die Mehrbedarfe diese Kostensteigerung auch nicht auffangen können. Betrachtet man den Anstieg des Regelbedarfs von 2012 auf 2013 (374 Euro auf 382 Euro), so hat man hier eine Steigerung von nicht einmal 2,2 Prozent – im Vergleich dazu steigen für dieses Jahr die Stromkosten um bis zu 13 Prozent. Siehe auch den Artikel dazu „Hartz IV Regelbedarf zieht an der Realität vorbei„.

In diesem Beispiel sind zunächst die Kosten im Vergleich zum Strompreis berücksichtigt, da dieser bisher am stärksten steigt. Allerdings dürfte die Entwicklung für Gas etc. ähnlich sein.

Auch interessant: Unterkunft und Heizung bei Hartz IV

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