Hartz IV Regelbedarf zieht an der RealitÀt vorbei

Hartz IV Regelbedarf zieht an der RealitÀt vorbei

Betrachtet man den aktuellen Hartz IV Regelsatz und stellt ihn der Preissteigerungsrate gegenĂŒber, wird deutlich, dass die Leistungen bei Weitem nicht ausreichen (können). Im Jahre 2005 mit 345 Euro (331 Euro/ Ost) schon verfassungswidrig eingefĂŒhrt, nahm die Höhe der Leistungen ihren Lauf, immer am Verbraucherpreisindex (VPI) vorbei.

Was ist der Verbraucherpreisindex (VPI)?

Der Verbraucherpreisindex ist ein Indikator zur Bestimmung der Geldwertentwicklung in der Bundesrepublik. Hierzu schreibt das Statistische Bundesamt:

“ Der Verbraucherpreisindex liefert ein Gesamtbild der Teuerung in Deutschland, bei dem alle Haushaltstypen, alle Regionen von Deutschland und sĂ€mtliche dort nachgefragten Waren und Dienstleistungen einbezogen sind – Mieten, Nahrungsmittel, Bekleidung ebenso wie etwa Kraftfahrzeuge oder Dienstleistungen wie Friseur, Reinigung oder Reparaturen.“

Vergleich tatsÀchlicher Hartz IV Regelbedarf in Relation zum VPI

Der VPI nach Oktober 2012 wird erst noch ermittelt.

ErlÀuterungen zum Zeitablauf und Erhöhungen

Erst im Juli 2007, also zweieinhalb Jahre nach der EinfĂŒhrung von Hartz IV gab es die erste Erhöhung – um sagenhafte 2 Euro. Gleichzeitig wurde die Unterscheidung zwischen Ost und West aufgehoben, so dass es einen einheitlichen Regelsatz von nunmehr 347 Euro gegeben hat. Zu diesem Zeitpunkt ist der Hartz IV Bedarf noch an die Renten gekoppelt, daher waren bisher Nullrunden zu verzeichnen. Betrachtet man die Preissteigerungsrate, so hĂ€tte der Bedarf bereits hier knapp 360 Euro betragen mĂŒssen.

Auch bei den folgenden Regelsatzerhöhungen im Juli 2008 und Juli 2009 ist der tatsĂ€chlich gezahlte Bedarf um 20 Euro bzw. 10 Euro an der RealitĂ€t vorbei, und das monatlich. Die große Reform in 2011, nachdem das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat, dass die Berechnung des Hartz IV Regelsatzes nicht verfassungskonform ist, konnte nicht wirklich Abhilfe schaffen. Zwar heißt es nicht mehr „Regelsatz“ sondern „Regelbedarf“, die Erhöhung auf 364 Euro fĂ€ngt die Preissteigerungen nicht auf.

Erhöhung 2013 noch zu gering

Selbst die nĂ€chste Erhöhung im Januar 2012 um 10 Euro monatlich auf 374 Euro ist an den realen Zahlen vorbei. Und dies, obwohl sich der Regelbedarf nun an den Lohnkosten und Preissteigerungen orientieren soll. Die nĂ€chste Erhöhung wird es im Januar 2013 geben, auf 382 Euro. Und auch hier wieder ein satten Minus fĂŒr betroffene LeistungsempfĂ€nger, da unter BerĂŒcksichtigung des VPI der Regelbedarf zu Jahresbeginn 2012 schon knapp 385 Euro hĂ€tte betragen mĂŒssen.

Die Berechnung des Hartz IV Regelbedarfes ist scheinbar immer noch nicht zeitgemĂ€ĂŸ, mit der Folge, dass LeistungsempfĂ€nger immer mehr selbst schultern mĂŒssen. Bei den oben aufgefĂŒhrten Zahlen ist die Inflationsrate noch nicht einmal berĂŒcksichtigt, die nach aktuellen Ermittlungen und Prognosen gut 2 Prozent betrĂ€gt. Der VPI dĂŒrfte sich in den kommenden Monaten noch deutlich nach oben verĂ€ndern, u.a. auch durch die angekĂŒndigten Preissteigerungen bei den Energiekonzernen – der Unterschied wird dadurch noch gravierender.

Um den noch aktuellen Regelbedarf von 374 Euro auf 420 Euro anzuheben, hat die Regierung bereits vorgerechnet, dass ein solches Vorhaben rund 7,4 Milliarden kosten wĂŒrde. Gleichzeitig warnte die Agentur fĂŒr Arbeit vor einer solchen Erhöhung.