Wie die Bundesagentur für Arbeit bei der Arbeitslosenquote trickst

Wie die Bundesagentur für Arbeit bei der Arbeitslosenquote trickst

Die veröffentlichte Arbeitslosenquote der Bundesagentur für Arbeit gibt nicht wirklich Aufschluss darüber, wie viele Arbeitslose tatsächlich in Bezug von Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II (Hartz IV) stehen. Schaut man sich die Zahlen für September (2.788.243) und Oktober 2012 (2.753.354) an, könnte man meinen, dass diese mit einer Quote von 6,5 Prozent ganz in Ordnung ist und näher an der Vollbeschäftigung liegt, die ungefähr 4 Prozent beträgt.

Allerdings sieht die Realität gravierend anders aus, denn die tatsächliche Arbeitslosenquote ist fast doppelt so hoch. Für September und Oktober dieses Jahres liegen die Zahlen lt. Statistiken der Bundesagentur für Arbeit bei ca. 5,1 Millionen Menschen, die In Bezug von Arbeitslosengeld I und Hartz IV stehen, was eine Arbeitslosenquote von gut 11,9 Prozent ergibt.

Dies sind alles Statistiken und die kann man bekanntlich manipulieren – so trickst auch die Agentur für Arbeit mit ihren Zahlen. Leistungsbezieher werden einfach nicht als Arbeitslose mit in der Statistik aufgeführt, was die Zahlen verschönern soll. Das legitimiert auch das SGB III in seinem § 16 Absatz 2, in dem es heißt:

(2) Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten als nicht arbeitslos

Arbeitslose, die nicht als Arbeitslose gelten

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit befanden sich in den letzten vier Monaten jeweils Oktober 924.000, September 905.000,  August 850.000 und Juli 2012 rund 902.000 Erwerbslose in solchen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die in der Statistik zur Arbeitslosenquote nicht auftauchen.

Ausgehend von den Zahlen im Oktober 2012 befinden sich von den 924.000 der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gut 498.000 im Bereich des SGB II, also bei Hartz IV Empfängern. Darunter fallen beispielsweise auch Ein-Euro-Jobber (sog. Arbeitsgelegenheiten) mit 148.000 oder die Bürgerarbeit mit 29.000 Beschäftigten. Gut 142.000 Personen werden in ihrer beruflichen Weiterbildung gefördert und für 66.000 Arbeitslose erhalten Arbeitgeber einen Eingliederungszuschuss.

Weiter führt die Bundesagentur für Arbeit in ihrer Arbeitsmarktberichterstattung aus Oktober 2012 (Stand der Daten Juni) weitere Gründe für die Nicht-Arbeitslosigkeit an. Nach dieser werden auch 633.000 Personen nicht mitgezählt, die sich in einer Ausbildung/ Studium befinden oder die Erziehung/ Pflege von Kindern und Angehörigen übernehmen. 655.000 Geringverdiener (sog. ungeförderte Erwerbstätigkeit) sowie 254.000 Arbeitsunfähige aufgrund von Krankheit tauchen ebenfalls nicht in der Statistik auf.

Ü58 werden fallen aus der Statistik

Für ältere Arbeitslosengeld I oder Arbeitslosengeld II Empfänger hat die Arbeitsagentur auch eine Lösung parat, die unter der „vorruhestandsähnlichen Regelung“ zusammengefasst ist. Wer älter als 58 Jahre alt ist und in den letzten 12 Monaten keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten bekommen konnte, gilt nicht als arbeitslos. Dies sind für Juni 232.000 Personen, die nicht in der Statistik auftauchen, sich dennoch wie alle anderen auch mit aller Kraft um einen Job bemühen müssen, da sonst Sanktionen drohen.

Es scheint besser zu sein, wenn es sich um Rentner anstatt um Leistungsbezieher handelt, da diese dann quasi als „kosmetischer Eingriff“ aus den Arbeitslosenzahlen rausfallen – der Geldgeber, also der Staat, bleibt bei beiden Varianten gleich. Allerdings müssen Rentenempfänger, die früher in Rente gehen, mit erheblichen Abschlägen rechnen, was keine Rolle zu spielen scheint.

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