Bildungspaket und Bürokratie bei Hartz IV

Bildungspaket und Bürokratie bei Hartz IV

Einem Informationsschreiben der Regionaldirektion für Arbeit an die Berliner Jobcenter ist zu entnehmen, dass es wohl hohe bürokratische Hürden zu überwinden gilt, wenn man als Hartz-IV-Bezieher für sein Kind Nachhilfeunterricht, ein Mittagessen in der Schule oder die Teilnahme an einem Tagesausflug beantragen will.

So reicht für den beantragten Nachhilfeunterricht nicht etwa eine schlechte Note in dem jeweiligen Fach aus. Vielmehr muss ein „außergewöhnliches Ereignis zum Abfall der schulischen Leistung geführt haben, wie eine „langfristige Erkrankung“ oder ein „Todesfall im engsten Familienkreis“. Aber auch das allein ist nicht ausreichend: zusätzlich muss eine Stellungsnahme des schulpsychologischen Dienstes vorgelegt werden und auch bereits eine Klassenkonferenz wegen der schlechten Noten abgehalten worden sein. Auch muss dargelegt werden, welche Hilfeangebote der Schule bereits für das Kind wahrgenommen wurden. Das sind Forderungen, die viele Eltern schlich überfordern würden.

Ein ähnliches Verfahren droht auch beim Mittagessen in der Schule oder der Teilnahme an Tagesausflüge. Auch diese müssen extra bei dem Jobcenter beantragt werden. Eine solche Prozedur besteht dann darin, dass die betroffenen Eltern bei dem Jobcenter ein spezielles Antragsformular ausfüllen müssen. Sie erhalten dann ein neues Formular, welches wiederum von der Schule ausgefüllt werden muss. Erst dann entscheidet das Amt, ob die beantragte Leistung genehmigt wird und fordert unter Umständen weitere Unterlagen an.

Durch dieses komplizierte Verfahren ist absehbar, dass einerseits die sowieso schon überlasteten Sachbearbeiter der Jobcenter sich noch weniger auf ihre eigentliche Arbeit – die Arbeitsvermittlung – konzentrieren können und andererseits sich viele Eltern von dem Aufwand abschrecken lassen und keine Leistungen aus dem Bildungspaket beantragen.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (noch keine Bewertungen)
Loading...