Angst vor Hartz IV macht krank

Wie dem gestern veröffentlichten Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse zu entnehmen ist, hat die Anzahl der Krankheitstage bei Arbeitslosengeld I Empfängern seit 2006 um 28 Prozent zugenommen. Dabei sei ein erschreckender Zuwachs der psychischen Erkrankungen zu verzeichnen, der sich auf 44 Prozent beläuft.

Erwähnenswert bleibt, dass hierbei der Anstieg der Krankheitstage mit Krankengeldbezug nach Inkrafttreten der Hartz IV Gesetze im Jahre 2005 angestiegen ist, wo er vor den Reformen zuvor rückläufig gewesen ist. Allein Im Vergleich zum Vorjahr 2009 nahmen die Tage um 10 Prozent zu. Die Sozialverbände sehen ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Hartz IV und den Erkrankungen der Arbeitslosen.

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Der Gedanke, sich nach einem Jahr mit Hartz IV „In die Armut zu stürzen“ verursache bei vielen Arbeitslosen und deren Familien enormen seelischen Druck, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Auch der Sozialverband VdK reagierte auf den Gesundheitsreport und warnte, dieser würde zweifellos zeigen, dass die bloße Angst, in Hartz IV abzurutschen, krank macht. „Hier spielen vor allem die Sorge vor sozialem Abstieg und Armut eine große Rolle“, so Michael Pausder, Pressesprecher des VdK.

Der Gesundheitsreport der TKK zeigt, dass arbeitslose Frauen doppelt so viele Antidepressiva einnehmen als Berufstätige. Bei Männern liegt der Anteil im Vergleich sogar bei 200 Prozent.

Statistisch gesehen lassen sich die Krankheitstage auch regional festmachen. Dort, wo die Arbeitslosigkeit verhältnismäßig gering ist, wie beispielsweise Baden-Württemberg und Bayern, liegen die Krankheitstage im Schnitt bei 10 pro Person. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt hingegen liegt dieser Wert bei 14. Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern mit 15,2 Krankheitstagen.