Hartz IV Mehrbedarf für Warmwasser

Mehrbedarf dezentrale Warmwasseraufbereitung

Warmwasser - Durchlauferhitzer - Badezimmer

Wird Warmwasser in Hartz IV Haushalten dezentral aufbereitet, also mittels eines Durchlauferhitzers, Warmwasserboilers, Gastherme etc., sind diese Kosten hierfür nicht im Regelbedarf enthalten. Stattdessen erhalten Haushalte zur Deckung der Kosten für die dezentrale Warmwassererzeugung einen Mehrbedarf, der zusätzlich zur Regelleistung gezahlt wird.

Höhe des Mehrbedarfs

Die Höhe der Pauschale ergibt sich aus dem maßgeblichen Regelbedarf nach § 20 SGB II sowie den dazugehörigen Prozentsätzen aus § 21 Abs. 7 SGB II, die vom Alter des Leistungsbeziehers abhängig sind oder davon, ob es sich um eine Bedarfsgemeinschaft handelt.

Achtung: Wird der Regelsatz erhöht, so erhöhen sich dementsprechend die Zuschläge.

Demnach kann für die Warmwasserkosten eine Mehrbedarf Pauschale in folgender Höhe beantragt werden (ausgehend vom Regelbedarf ab 2022 – 449 Euro):

Regelbedarffür Wen?ProzentsatzPauschale
449 €Volljährige/ Alleinstehende2,3 %10,33 €
404 €volljährige Partner der Bedarfsgemeinschaft2,3 %9,29 €
360 €Volljährige unter 25 Jahren2,3 %8,28 €
376 €Kinder 15 – 18 Jahre1,4 %5,23 €
311 €Kinder 7 – 14 Jahre1,2 %3,73 €
285 €Kinder 0 – 6 Jahre0,8 %2,28 €

Beispiel: Eltern und 2 Kinder (11 und 15 Jahre alt)

Vater: 404 Euro x 2,30% = 9,29 €
Mutter: 404 Euro x 2,30% = 9,29 €
Kind 1: 376 Euro x 1,40% = 5,26 €
Kind 2: 311 Euro x 1,20% = 3,73 €

Insgesamt hat die Familie einen Anspruch auf einen monatlichen Mehrbedarf für Warmwasser in Höhe von 27,57 Euro.

Unterdeckung trotz Zuschlag

Die Mehrbedarfszuschläge sind allerdings geringer als die realen Kosten, die für Energie zur Warmwasseraufbereitung aufgewendet werden müssen.

Beispiel: Es besteht die Annahme, dass eine Kilowattstunde (1 kWh) Strom 0,32 Euro kostet, was ausgehend von Werten aus 2021 realistisch ist. Im Jahr 2022 wird der Strompreis weiter steigen. Bei einer vierköpfigen Familie geht man von einem Verbrauch von durchschnittlich 4.000 kWh* im Jahr aus.

Nach Verbrauch würde sich also ein Zahlbetrag von 4.000 x 0,32 = 1.280 Euro Stromkosten jährlich ergeben, monatlich also 106,66 Euro.

*Zahl von entega.de

Der Mehrbedarf 2022 für den Strom bei dezentraler Warmwasseraufbereitung beträgt – wie oben in der Tabelle berechnet – lediglich 27,57 Euro und deckt die tatsächlichen Stromkosten nicht ab.

Hintergrund des Warmwasserzuschlags

Sofern die Heißwasseraufbereitung lokal in der Wohnung (und nicht zentral) des Hartz IV Leistungsbeziehers erfolgt, werden diese Kosten nicht über die Leistungen der Unterkunft und Heizung abgedeckt.

Dies hat die Folge, dass der Leistungsbezieher diese aus dem Regelbedarf bestreiten müsste, da Strom und Gas bereits in diesem eingerechnet sind.

Mehr zum Thema Stromkosten erfahren Sie unter Strom bei Hartz IV – Wer zahlt die Kosten.

Voraussetzungen für den Mehrbedarf

Den Mehrbedarf für dezentrale Warmwasseraufbereitung können nur Hartz IV Leistungsempfänger erhalten, bei denen die Warmwasserkosten nicht bereits mit den Kosten der Unterkunft und Heizung (KdU) abgedeckt sind.

Wichtig: Der Leistungsbezieher muss die Warmwasseraufbereitung selbst mit dem Versorger abrechnen (Stromanbieter, Gaswerk) und nicht über die Nebenkosten an den Vermieter, denn Miete und Nebenkosten werden üblicherweise direkt vom Jobcenter an den Vermieter gezahlt.

Detaillierte Informationen zur Übernahme von Miete und Nebenkosten durch das Jobcenter erhalten Sie unter Hartz IV Kosten der Unterkunft und Heizung & Nebenkosten bei Hartz IV.

Beantragung

Es bedarf eines schriftlichen Antrags, dem auch eine Bescheinigung des Vermieters beigelegt werden muss, die belegt, dass die Warmwasseraufbereitung in der Wohnung dezentral und nicht über die Zentralheizung erfolgt.

Rückwirkende Beantragung möglich

Eine rückwirkende Beantragung ist möglich, allerdings nur für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr (nach § 44 SGB X und § 40 SGB II). Per Überprüfungsantrag kann eine Nachzahlung vom Jobcenter erwirkt werden.

Abweichender Bedarf zum Mehrbedarfsanspruch

Dass die Kosten niedriger als der Mehrbedarfszuschlag sind ist zwar möglich aber auch aufgrund der gestiegenen Energiepreise recht unwahrscheinlich.

In der Regel werden die tatsächlichen Kosten der dezentralen Warmwasseraufbereitung deutlich höher als die Pauschalen sein, wie auch das obige Berechnungsbeispiel zeigt. 

Einzelfallabhängig kann also gemäß zweier Urteile des Bundessozialgerichts vom 07.12.2017 (B 14 AS 6/17 R) und vom 12.09.2018 (B 14 AS 45/17 R) der tatsächliche Verbrauch zugrunde gelegt und vom Jobcenter erstattet werden.

Laut Bundesagentur für Arbeit erfordert die Anerkennung eines abweichenden Warmwassermehrbedarfs dabei keine separate Verbrauchserfassung durch technische Einrichtungen – wie z.B. einen Verbrauchszähler. Sie erfordert stattdessen grundsätzlich Ermittlungen und hierauf gestützte Feststellungen.

Grundsicherung im Alter und Hilfe zum Lebensunterhalt

In Fall von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung wird der Mehrbedarf für dezentrale Warmwassererzeugung nicht nach dem SGB II gewährt.

Die Regelungen für Bezieher dieser Leistungen bzw. Hilfe zum Lebensunterhalt finden sich im § 30 Abs. 7 SGB XII. Die Höhe sowie die sonstigen Voraussetzungen sind denen bei Hartz IV Bezug identisch.

Weiterführende Informationen zum Thema Altersgrundsicherung finden Sie unter Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung.

Das Wichtigste in Kürze

Wie hoch ist der Mehrbedarf für Warmwasser?

In 2022 wird für einen alleinstehenden Erwachsenen bei Erhalt des vollen Regelsatzes von 449 Euro eine monatliche Pauschale in Höhe von 2,3%, also 10,33 Euro gezahlt. Abhängig von Regelbedarf und Alter weicht die Pauschale ab. Für eine Familie mit zwei Kindern (11 und 15 Jahre alt) ergibt sich bspw. ein monatlicher Mehrbedarf von 27,57 Euro.

Wann Mehrbedarf Warmwasser SGB II?

Der Mehrbedarf kann beantragt werden, wenn die Warmwasseraufbereitung nicht über die Zentralheizung, sondern dezentral in der Wohnung des Leistungsbeziehers, also bspw. per Durchlauferhitzer oder Gastherme erfolgt und die Kosten nicht durch Leistungen für Unterkunft und Heizung vom Jobcenter abgedeckt sind. Wichtig ist auch, dass die Abrechnung der Aufbereitungskosten mit dem Energieversorger direkt erfolgt.

Was ist eine dezentrale Warmwasserversorgung?

Dezentrale Warmwasserversorgung bedeutet, dass der Haushalt sein Warmwasser nicht über die Zentralheizung aufbereitet erhält, sondern mittels eines Durchlauferhitzers, Warmwasserboilers oder einer Gastherme. Sie ist Grundvoraussetzung für den Mehrbedarf für Warmwasser bei Hartz IV Bezug.

Letzte Aktualisierung: 12.01.2022