Hartz 4 Mehrbedarf Alleinerziehende

Alleinerziehende Mutter spielt lachend mit Tochter auf dem Sofa

Zusätzlich zum Hartz IV Regelsatz besteht in einigen Fällen Anspruch auf Mehrbedarf. So auch für Alleinerziehende. Wie hoch der Mehrbedarf ausfällt und unter welchen Voraussetzungen er gezahlt wird erklären wir im nachfolgenden Artikel.

Kurz und knapp: Hartz 4 Mehrbedarf Alleinerziehende

Was bedeutet Mehrbedarf für Alleinerziehende?

Alleinerziehende Eltern im Hartz IV Bezug haben Anspruch auf Mehrbedarf – eine zusätzliche Leistung zum Regelsatz. Die Höhe des Mehrbedarfs richtet sich dabei nach dem maßgeblichen Regelbedarf der Alleinerziehenden sowie dem Alter und der Anzahl der Kinder.

Was bekomme ich als alleinerziehende Mutter vom Jobcenter?

Alleinerziehende Mütter im Hartz IV Bezug können je nach Alter und Anzahl ihrer Kinder zwischen 36% und 60% ihrer monatlichen Regelleistungen zusätzlich pro Monat als Mehrbedarf bekommen. Wie hoch der Mehrbedarf konkret ausfällt, ist dieser Tabelle zu entnehmen. Bspw. gibt es für ein 6-jähriges Kind 160,56 €, für ein 12-jähriges Kind 53,52 €.

Wie lange bekommt man Alleinerziehenden-Mehrbedarf?

Alleinerziehende haben grundsätzlich ab dem Zeitpunkt Anspruch auf den Mehrbedarf, ab dem sie mit einem minderjährigen Kind zusammenwohnen und allein für dessen Versorgung und Erziehung verantwortlich sind. Es besteht kein Anspruch auf Mehrbedarf für volljährige Kinder im Haushalt.

Gibt es Alleinerziehenden-Mehrbedarf für Pflegekinder?

Alleinerziehende müssen nicht zwingend mit dem Kind verwandt sein, um Anspruch auf Mehrbedarf zu haben. Grundsätzlich müssen nur die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein, um den Anspruch zu rechtfertigen:
Räumliche Bedingung – das Zusammenleben mit dem minderjährigen Kind muss vorhanden sein
Materielle Bedingung – alleinige Versorgung des minderjährigen Kindes
Immaterielle Bedingung – alleinige Pflege und Erziehung des minderjährigen Kindes.

Zuschuss nach SGB II für alleinerziehende Elternteile

Alleinerziehende, die sich alleine um die Pflege und Erziehung ihrer minderjährigen Kinder kümmern, haben einen Anspruch auf den Mehrbedarf für Alleinerziehende nach § 21 Abs. 3 SGB II. Diese Leistungen werden zusätzlich zur Regelleistung erbracht.

Wie der Deutsche Gewerkschaftsbund ermittelt hat, erhalten rund 41 Prozent der Alleinerziehenden Hartz IV Leistungen, weshalb dieser Mehrbedarf eine große finanzielle Hilfe ist.

Dabei beträgt die Höhe der Mehrbedarfe mindestens zwölf und höchstens 60 Prozent des maßgeblichen Regelsatzes und ist in erster Linie vom Alter und Anzahl der Kinder abhängig.

Berechnung des Mehrbedarfs für Alleinerziehende

Ausgehend vom monatlichen Regelsatz in 2021 von 446 Euro und einem Kind bis 7 Jahren sieht die Rechnung wie folgt aus: 446 Euro x 36 Prozent = 160,56 Euro (161,64 Euro ab 2022).

Alleinerziehende hätten also bei einem Kind bis zum 7. Lebensjahr mit dem Mehrbedarf einen Gesamtanspruch von

  • Regelsatz Alleinerziehende/r : 446 Euro (449 Euro ab 2022)
  • Regelsatz Kind von 6 bis 13 Jahren: 309 Euro (311 Euro ab 2022)
  • Mehrbedarf für Alleinerziehende: 160,56 Euro (161,64 Euro ab 2022)
  • Gesamtanspruch: 915,56 Euro (921,64 Euro ab 2022)

Höhe des Mehrbedarfs nach Anzahl und Alter der Kinder

Die Höhe des Mehrbedarfs für Alleinerziehende wird anhand zweier Faktoren ermittelt, zu diesen zählen die Anzahl der Kinder sowie deren Alter.

Unter dieser Berücksichtigung ergeben sich folgende Beträge (ausgehend vom Regelsatz von 446 Euro monatlich seit 01.01.2021) für den Mehrbedarf:

Alter der KinderMehrbedarf in %Betrag
1 Kind bis 7 Jahre36 %160,56 Euro (161,64 Euro)
1 Kind über 7 Jahre12 %53,52 Euro (53,88 Euro)
2 Kinder unter 16 Jahren36 %160,56 Euro (161,64 Euro)
2 Kinder über 16 Jahren24 %107,04 Euro (107,76 Euro)
1 Kind über 7 und 1 Kind über 16 Jahren24 %107,04 Euro (107,76 Euro)
3 Kinder36 %160,56 Euro (161,64 Euro)
4 Kinder48 %214,08 Euro (215,52 Euro)
5 Kinder und mehr60 %267,60 Euro (269,40 Euro)
Die Beträge ab 2022 finden Sie in den Klammern.

Zusätzlich zur Regelleistung

Diese Mehrbedarfsbeträge erhalten Alleinerziehende zusätzlich zur Regelleistung. Dabei orientiert sich die Prozentangabe am maßgeblichen Regelsatz des Antragstellers.

Bei einem Kind unter 7 Jahren und einem Regelsatz von 446 Euro in 2021 (449 ab 2022) beläuft sich der Mehrbedarf für Alleinstehende also auf 160,56 Euro (ab 2022 161,64 Euro).

Achtung: Unabhängig der Anzahl der Kinder darf der Mehrbedarf für Alleinerziehende allerdings nicht 60 Prozent des Regelbedarfs überschreiten, für 2021 liegt also der Höchstbetrag bei 267,60 Euro (269,40 Euro ab 2022).

Halber Mehrbedarf bei geschiedenen oder getrennt lebenden Eltern

Bei getrennt lebenden oder geschiedenen Elternteilen muss der Mehrbedarf aufgeteilt werden. Werden die Kinder jeweils in zeitlichen Abschnitten von einer Woche von beiden Elternteilen versorgt, so erhält jeder Elternteil den Mehrbedarf zur Hälfte.

Hinweis: Der Status des Alleinerziehenden bleibt in dieser Konstellation vorhanden, da zwar beide Eltern zu gleichen Teilen sich das Sorgerecht teilen, betreuen den Nachwuchs aber nicht gemeinsam. Sollte sich das Kind allerdings zu einem überwiegenden Elternteil aufhalten, so steht diesem Elternteil der Mehrbedarf für Alleinerziehende alleine zu.

Leben die Eltern noch gemeinsam in einem Haushalt, in dem auch das Kind bzw. die Kinder betreut werden, entfällt der Anspruch auf den Mehrbedarf für Alleinerziehende.

Wann habe ich Anspruch auf Mehrbedarf für Alleinerziehende nach SGB II?

Um die Anspruchsvoraussetzungen zu erfüllen, müssen drei Tatbestandsmerkmale erfüllt sein (alle gemeinsam!)

  • Räumliche Bedingung – das Zusammenleben mit dem minderjährigen Kind muss vorhanden sein
  • Materielle Bedingung – alleinige Versorgung des minderjährigen Kindes
  • Immaterielle Bedingung – alleinige Pflege und Erziehung des minderjährigen Kindes

Im Klartext heißt das, dass der alleinerziehende Elternteil mit einem oder mehreren minderjährigen Kindern zusammenlebt und alleine für die Pflege und Erziehung zuständig ist.

Hierbei ist nicht zwingend Voraussetzung, dass es sich um den leiblichen Elternteil handeln muss! Dieser Mehrbedarf kann auch geltend gemacht werden, wenn der Anspruchsberechtigte Pflegekinder versorgt und auch für diese bereits Pflegegeld erhält.

Dazu: Pflegegeld für Pflegekinder: Anrechnung auf Hartz IV

Babysitter und andere Helfer

Alleine um die Pflege und Erziehung kümmern bedeutet nicht, dass keine Hilfe in Anspruch genommen werden kann. Diese ist für den Mehrbedarf unschädlich, wenn sie geringfügig ist oder gegen Bezahlung (z.B. Babysitter, Großeltern, Freunde) erfolgt.

Mit Urteil unter dem Az. B 4 AS 167/11 R hat das Bundessozialgericht entschieden, dass ein Mehrbedarfsanspruch auch dann besteht, wenn der/ die Alleinerziehende auch noch mit Eltern und oder Geschwister in einem Haushalt leben.

Nach Meinung des Gerichts genügt der bloße Umstand nicht, dass auch andere Familienmitglieder (Großeltern, Tante und Onkel) im selben Haushalt leben und sich theoretisch um die minderjährigen Kinder kümmern können.

Alleinerziehenden Mehrbedarf für Pflegekinder

Pflegekinder gehören nicht zur Bedarfsgemeinschaft und können keine Leistungen nach dem SGB II erhalten, da für diese bereits andere Leistungen erbracht werden.

Dennoch können Alleinerziehende, die ein Pflegekind in ihrem Haushalt aufgenommen haben und dieses versorgen und erziehen, den Mehrbedarf für Alleinerziehende erhalten. Wichtig ist dabei die Erfüllung der drei bereits oben angesprochenen Bedingungen – räumliche, materielle und immaterielle Bedingungen.

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Letzte Aktualisierung: 17.09.2021