ALG II und Zusatzeinkommen durch Plasmaspende

  • Hallo zusammen,


    bin seit vielen Jahren aufgrund gesundheitlicher Probleme arbeitslos.


    Körperlich bin ich gesund, aber habe eine psychische Krankheit, die über viele Jahre nicht erkannt oder diagnostiziert wurde.


    Mittlerweile ist sie diagnostiziert, die Medikamente helfen gut und ich bin gerade dabei Begleitdiagnosen durch "erlerntes Verhalten" wieder zu "verlernen", sprich: Psychotherapie und kürzlich eine 12monatige medizinische und berufliche Reha begonnen (Vollzeit).


    Das geht aber alles nicht von heute auf morgen.


    Plan ist Mitte/ Ende nächsten Jahres dann eine Umschulung zu machen, wenn die Reha vorbei ist, evtl. werd ich davor noch in eine andere Maßnahme gesteckt zur Umschulungsvorbereitung...das ist alles aktuell noch nicht absehbar.


    Im Gespräch ist von Seiten der Reha-Einrichtung aktuell auch ein GdB-Antrag aufgrund der Schwere meiner Einschränkungen durch die psychische Krankheit.


    Alles in allem versuche ich aktuell wieder in der "Normalität" anzukommen was für mich aktuell auch bedeutet, dass ich mir gerne auch mal wieder etwas "leisten" möchte.


    "Etwas leisten" hat für mich wahrscheinlich eine andere Bedeutung als für den Otto-Normal-Bürger.


    Mein für meine Situation: zB ein Bett kaufen, da ich seit Jahren auf einer Matratze auf dem Boden schlafe, oder eben Geld für neue/ gute Kleidung/ Schuhe zu haben in Hinblick auf die Praktika, die im Rahmen der Reha in einigen Monaten starten werden (einen guten Eindruck machen können und evtl. einen Umschulungsplatz darüber zu ergattern wäre eben das best case Szenario) ...im Großen und Ganzen evtl. einfach auch die Möglichkeit haben etwas "auf der hohen Kante" zu haben für potentielle Notfälle, Nachzahlungen etc um zumindest in der Hinsicht Stress vermeiden zu können.



    Da die Reha-Maßnahme Vollzeit ist hatte ich mir überlegt Plasma zu spenden um ein bisschen Geld dazu zu verdienen. Hatte das vor X Jahren während meiner Abi-Zeit mal gemacht, habs gut vertragen, ging schnell, wäre ein kleiner und willkommener Zuverdienst.


    Mit dem Plasma-Insitut ist schon abgeklärt ob meine psychische Krankheit bzw die Medikamente ein Ausschlusskriterium wären, dem ist nicht so und von deren Seite steht dem Spenden in der Hinsicht nichts im Weg. Termin zur genauen Untersuchung müsste ich aber noch machen um eben genau zu gucken, ob ich als Spender in Frage kommen.


    Jetzt hab ich online aber gelesen, dass vom Jobcenter Plasmaspende als "Einkommen" gewertet werden würde und da geht für mich der Stress los.


    Was ich gehört hab kann man mit ca 20-25 EUR pro Spende rechnen heutzutage, dann X EUR Bonus alles X Spenden oder Bonus wenn X Spenden innerhalb von Zeitraum Y getätigt werden, dann gäbe es öfter mal Events/ Aktionen wo's weitere Bonus-Zahlungen gibt.


    Mir ist klar, dass das ich da meinen Körper verkaufe, aber als jemand, der gerade keine andere Möglichkeit hat, würde ich das trotzdem gerne machen bzw ausprobieren. Natürlich im Rahmen, dass ich nicht darunter leide und mit meiner körperlichen Gesundheit im Blick.


    Es geht jetzt nicht darum, dass ich das Jobcenter bescheissen will, denn ich möchte das Geld gerne auf mein Konto einzahlen um etwas sparen zu können (siehe oben), aber beim Nachdenken über alle Eventualitäten die zu berücksichtigen wären und potentiellen Fallstricke bin ich jetzt schon schlichtweg überfordert.


    Fragen:


    1. wird Plasma-Spende überhaupt als Einkommen gewertet oder ist das eine "Aufwandsentschädigung", über die ich frei verfügen kann?


    2. wenn als Einkommen gewertet, wieviel darf ich dazu verdienen bevor Beträge abgezogen/ einbehalten werden? Ich hab gehört 1200 EUR pro Jahr, also 100 EUR pro Monat? ...und wenn man mehr verdient, dann wird das mit dem ALG2 verrechnet?


    3. wie ist das dann aber mit Zusatzkosten, die die eigentliche Aufwandsentschädigung mindern. Wenn ich zB theoretisch 25 EUR für eine Spende bekommen würde, aber 6 EUR Fahrkosten habe und da ich da nicht nüchtern auftauchen kann dann noch 1-2 EUR Kosten für ein Frühstück habe (das ich sonst ausfallen lassen würde), sprich im Endeffekt nur 17-18 EUR "verdiene". Für mich sind 17-18 EUR immer noch "gut genug", aber wenn von dem Betrag dann noch X EUR abegezogen werden würden, weil mit 25 EUR verrechnet wird, dann würde es sich der Aufwand evtl. nicht mehr lohnen.


    4. wie verhält sich die "Berechnung" bei "unklarem/ sporadischem" Einkommen. Meint: wenn ich zB im Juni jetzt 8 Spenden machen würde und dann evtl. einen Bonus von 50 EUR bekomme und evtl. noch 50 EUR Bonus für eine Sonderaktion, die da gerade läuft.... das wären dann (jetzt rein hypothetisch mit Fantasie-Beträgen für das Rechenbeispiel) im Juni 300 EUR Nebenverdienst. Müsste ich dann 200 EUR "abgeben" wieder, selbst wenn ich zB von Juli bis Dezember dann gar nicht mehr spenden würde?


    5. wie soll ich das "Einkommen" beim Spenden überhaupt nachweisen? Es wird Bar ausbezahlt und ich gehe nicht davon aus, dass ein Plasma-Institut dem Jobcenter gegenüber Rechenschaft ablegen muss. Sprich die "Nachweispflicht" liegt allein bei mir, aber wie soll ich sowas nachweisen wenn keine Überweisung erfolgt? Wahrscheinlich bekomme ich eine Quittung über den erhaltenen Betrag, sprich theoretisch könnte mir vorgeworfen werden ich würde mehr spenden und dies dann nicht deklarieren und wenn man bei einem garstigen Sachbearbeiter landet kann das zu erheblichen Problemen führen, die Stress bedeuten, den ich vermeiden will/ muss. Das ist eine Situation die mir gar nicht gefällt. Wie ist hier die rechtliche Situation?



    Herzlichen Dank im Voraus!

  • Nach allgemeiner Rechtsmeinung sind solche Zahlungen gem. § 11a Absatz 5 SGB II nicht als Einkommen anzurechnen. Allerdings ist das eine Individualentscheidung des Jobcenters, da es eine Unbilligkeit bzw. die Auswirkung der Höhe dieses Zuflusses prüfen muss. Wenn man es wie du fast gewerblich machen will, kann es also durchaus auch zur Entscheidung kommen, dass es nicht unbillig ist, das anzurechnen.

  • > Wenn man es wie du fast gewerblich machen will, kann es also durchaus auch zur Entscheidung kommen, dass es nicht unbillig ist, das anzurechnen.


    also wäre Plasma Spenden ein Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit?

    Ich war vorher in einem anderen Forum (reddit, die haben mich hierher verwiesen auch) und da sagte einer, dass zB ein Einkommen aus einem Ehrenamt einen Freibetrag von ca 200 EUR hätte, jemand anderes sagte, dass Plasmaspenden aber gar nicht als Erwerbstätigkeit gelten kann, und "sonstiger" Zufluss an Geld nur max 30 EUR pro Monat sein dürften und alles darüber hinaus zu 100% angerechnet werden würde.


    Mir geht's ja auch nicht darum, dass ich nicht wollen würde, dass es angerechnet wird, sondern eher darum zu erfahren: was ist erlaubt, wieviel darf ich pro Monat dazu verdienen und was mach ich wenn mir unterstellt wird zb ich hätte mehr dazu verdient, da ich bei einer normalen Barauszahlung ja nix wirklich nachweisen kann.


    Wirklich "gewerblich" will ich es ja auch nicht machen. 8x pro Monat spenden wäre aus Zeitgründen ohnehin kaum möglich da ich jeden Tag 10-11h mit Reha (Warten auf den Bus, Anreise, zur Einrichtung laufen, 8h Program, zur Bushaltestelle laufen, auf den Bus warten, nach Hause fahren) verbringe,


    Samstags zum spenden fahren wäre drin, das wär dann 3-4x Pro Monat.



    Aktuell hab ich jetzt 3 verschiedene Antworten bekommen (hier und auf reddit) die alle was anderes aussagen mehr oder weniger bzw für mich nicht eindeutig genug sind um damit wirklich arbeiten zu können.



    Ich bin aktuell Vollzeit in einer Reha, hab dadurch ja auch erhebliche Mehrkosten allein schon an Nahrungsmitteln, muss jede Woche 2 Waschladungen machen, Klamotten verschleissen mehr, Geld für neue Klamotten ist nicht da, dann eben noch zusätzliche Corona-Kosten etc... ich mein, wem erzähl ich das, ihr kennt das Problem ja. Geld reicht hinten und vorne nicht und jetzt hab ich gefühlt noch mehr Ausgaben.