Langzeittherapie - Minderung meines ALGII und viele weitere Fragen

  • Hallo liebe HartzIV-Gemeinde,


    dies ist mein erster Beitrag und ich hoffe ich werde alles richtig machen im Sinne der Nutzungsberechtigungen. Ich habe die Suche benutzt, jedoch leider nichts zum Thema "Langzeittherapie" und diversen Synonymen gefunden.er


    Ich unterteile mein Posting in verschiedene Bereiche, da ich einen Hang zum sehr ausführlichen schreiben habe - wer mir helfen möchte, aber sich nicht durch alles durchlesen möchte, kann auch gleich zum Thema "Fragen" unten in meinem Posting springen und sich dafür relevante Information durchs querlesen der oben genannten Punkte erarbeiten.


    Vorab, schon einmal vielen Dank für jegliche Hilfe!


    Vorgeschichte:
    Ich werde aufgrund eines über zwanzigjährigen Traumas, einer sich daraus ergebenen Angst- und einer Zwangsstörung die komorbide mit Drogen- und Medikamentenabusus einhergen eine Entgiftung (nächste Woche) und eine Langzeittherapie (vorerst sechs Monate, aber durch meine schwerst Erkrankung erweiterbare), wenn die Kostenübernahme der Krankenversicherung hoffentlich bald kommt, Ende dieses Jahres antreten. Für den dreiwöchigen qualifizierten Entzug reicht erstmal eine einfache Krankschreibung aus, danach sind meine Eltern so nett und nehmen mich in Niedersachsen (wohne derzeit in Berlin) auf und umsorgen mich, bis ich die Langzeittherapie antreten kann. Ich hoffe, dass mein Suchtmediziner (den ich morgen treffen werde) mich auch für diesen Zeitraum - also bis Ende des Jahres krankschreiben wird, damit ich nicht aufgrund der Aufenthaltspflicht für ALGII-Bezügler am Wohnort, wieder zurück in die "Gefahrenzone" Berlin muss (meine Angsterkrankung lässt mich nicht alleine wohnen können, nachts - und vor allem im dunkeln - schlafen, duschen, wenn ich alleine in der Wohnung bin (aufgrund der Sinnesdeprivation durch Schaum, Wassergeräusch und Duschvorhang und führt durch die ständige Panik zur Verstärkung meiner Zwangsstörung - Dermatillomanie - bei der ich zwanghaft meine Haut, die Wunden und den Schorf zu Münzgroßen Öffnungen selbiger am ganzen Körper aufkratze). Seit November 2014 bin ich in meinem Eingliederungsbescheid von Bewerbungsschreiben befreit und eine Rehabilitation durch Therapie (arbeite seit einem Jahr regelmäßig mit der Drogenberatung und Psychiatern zusammen) fürs Arbeitsleben soll angestrebt werden. Habe auch seitdem keine weitere Post vom Jobcenter erhalten, ergo musste zu keinen Terminen erscheinen.


    Vorhaben:
    Nach meiner Therapie und Rehabilitation möchte ich zurück nach Niedersachsen ziehen (bis auf einen Schülerjob und einen kurzen 1,50-Job, habe ich noch nie gearbeitet und mein Diplomstudium aufgrund meiner Krankheiten nach Ferstigstellung aller Scheine (bis auf eine Hausarbeit für den letzten Schein) kurz vor dem Schreiben der neunmonatigen Diplomarbeit, des 2x3 monatigen gerichteten Praktika und den mündlichen Prüfungen abbrechen müssen und bin seit Oktober 2013 exmatrikuliert. Da jetzt alles auf Bachelor/Master umgestellt ist, werde ich wohl wahrscheinlich nicht mehr in der rechtlichen Lage sein, mein Studium zu beenden, geschweige dessen, dass ich aufgrund des Abusus kaum noch Wissen akkumuliert habe und meine Studienunterlagen aufgrund einer kaputten Festplatte verloren gegangen sind.
    Ich möchte nach der Therapie gerne zurück in die Nähe meiner Familie in Niedersachsen ziehen um dort sicherer vor den Gefahren der Drogenkonsummöglichkeiten einer Großstadt zu seien und brauche auch familiäre Aufarbeitung mit meinen Verwandten (in der Kindheit Tyrannei - ich gebrauche extra diesen Begriff, da "Mobbing" ein Euphemismus wäre - meiner Mitschüler, ***. Missbrauch durch meinen Bruder zwischen meinem 6. und 9. Lebensjahr, Vegewaltigungsversuch durch meinen Cousin als ich 10 Jahre alt war, Suizid meines Bruders als ich 14 Jahre alt war - wahrscheinlich aufrgrund seiner Schuldgefühle durch den Missbrauch und dann Flucht in den Konsum für die nächsten 15 Jahre bis zur Schwerstabhängigkeit) um über die Auslöser meiner Störungen hinweg zu kommen, denn sechs Monate Therapie reichen nicht für 20 Jahre Leid und ein Doppelleben, von dem ich meiner engsten Familie nun endlich erzählt habe. Wenn ich ausreichend stabil bin, würde ich gerne eine Ausbildung (dann mit über 30 Jahren) anfangen.


    Fragen:


    1. Wenn ich in Langzeittherapie bin, erhalte ich dann (aufgrund der Lebensmittelversorgung in der Klinik) weniger ALGII?


    2. Kann ich meine Wohnung durch die Therapie verlieren (da das JC dann ja mindestens sechs Monate für eine leere Wohnung zahlt)?


    3. Bisher habe ich im November 2014 in Bezug zur Therapie nur von Angst-, Trauma- und Zwangsstörung gesprochen, weil ich nicht wusste inwieweit ich der Speicherung meiner Daten bzgl. Medikamenten- und Drogenabusus trauen kann. Ich hatte Angst, dass mir aufgrund dessen womoglich ein Bildungsgutschein (den ich unbedingt benötige um eine Ausbildung - evtl im sozialen Bereich um anderen Menschen zu helfen - zu machen, denn dumm bin ich nicht und ich möchte nicht mit Ende Zwanzig, mich mit dem Gedanken an 35 Jahre Zeitarbeit abfinden müssen), aufgrund von Ignoranz gegenüber SuchtKRANKHEIT, nicht ausgehändigt wird. Wie soll ich da verfahren um klar zu machen, dass ein Umzug nach Niedersachsen (auch wenn ich dort wahrscheinlich noch kein Arbeits-/Ausbildungsangebot haben werde) für meinen Heilungsprozess notwendig ist? Ich habe in einem anderen Thread gelesen, dass es ein Gesetz gibt, wenn massive Gründe einen Umzug notwendig machen, dass das JC dann einwilligen muss (in diesem Thread ging es um einen Wohnungsüberfall, wo das Opfer dadurch und zu der Wohnung Ängste und Depressionen entwickelt hat) - doch kann ich irgendwie umgehen, dem JC von meinem Abususproblem zu erzählen? Oder werden die so oder so nach der Langzeittherapieklinik googlen, die eben Suchtkranke mit Angst-, Zwangs-,Trauma- und Persönlichkeitsstörungen behandelt?


    4. Wenn ich von meinem Abususproblem erzählen müsste, gibt es irgendwelche Konsequenzen dafür dass ich das angedachte Geld für meinen Lebensunterhalt für Konsumzwecke ausgegeben habe?


    5. Sollte ich - über die Sozialarbeiterin in der Langzeittherapie - das JC über meine Pläne nach Niedersachsen zurückzuziehen informieren? Meine Wohnung werde ich von dort aus sowieso kündigen, damit ich die Wohnung ein paar Wochen nach Ende der Therapie räumen kann und nicht wieder Monate in der "Gefahrenzone Berlin" festhängen muss.


    6. Ich habe gehört, wenn man auf eigene Faust in ein anderes Bundesland zieht, dass das JC die Kosten für den Umzug nicht übernimmt, das sollte allerdings mit der Unterstützung meiner Eltern kein Problem sein. Allerdings ist die Frage, ob mich das neue JC in Niedersachsen, dann aufnehmen muss oder kann mir die Aufnahme verweigert werden?




    Ich weiß, dass meine Situation einen sehr speziellen Fall darstellt, darum bin ich auch über Google-Suchen zur Thematik nicht schlauer geworden und habe mich deswegen entschlossen es in diesem Forum zu versuchen. Vielleicht weiß ja der ein oder andere zu jeder Teilfrage etwas oder kann mir Tipps zu besseren Suchbegriffen oder kostenlosen/
    -günstigen Hilfsorganisationen geben, die sich mit diesen speziellen Themen auskennen.


    Vielen, vielen dank für jegliche Hilfe - so klein oder groß die Information auch sein mag.

  • Hallo,


    Zu 1. und 2.
    Die Therapie dauert in der Regel weniger als 6 Monate. Wenn die Prognose für den Klinikaufenthalt weniger wie 6 Monate ist, wird ALG II weiterhin voll gezahlt.


    Zu 3.
    Wenn ein wichtiger Grund vorhanden ist, hat das JC dem Umzug zuzustimmen.


    Zu 4.
    Deswegen wird man nicht sanktioniert.
    Ausserdem brauchst du dem JC nicht über deine Krankheit aufklären. Dafür gibt es den medizinische Dienst der BA.


    Zu 5.
    Darüber solltest du in der Therapie mit deinem Sozialarbeiter reden. Noch sind 6 Monate Zeit.


    Zu 6.
    Das neue JC hat dir Leistungen zu erbringen, wenn die Voraussetzungen vorhanden sind.


    wevell

  • Danke für deine schnelle Antwort.


    Die Therapie dauert aber MINDESTENS sechs Monate, evtl sogar länger bzw möglicherweise dann ein Wechsel in eine teilstationäre Therapie (die ich aber definitiv nicht in Berlin machen möchte, die Suchtmedizinische Versorgung ist hier katastrophal - nicht nur meine Meinung, sondern auch die einer Suchttherapeutin der Caritas die in vielen westdeutschen Städten gearbeitet hat - nach meiner Erfahrung ist im Westen ein qualitativer Entzug mindestens 21 Tage oder länger, in Berlin wurden mir gerade mal neun (!) Tage genehmigt.


    Wenn die Prognose also 6 Monate und mehr ist - wird dann die ersten sechs Monate ALGII voll gezahlt und danach nicht mehr oder wird dann der Regelsatz von vorherein gemindert?

  • Hallo,


    der qualitative Entzug ( Entgiftung ) ist in NRW 10 - 12 Tage.


    Wird für die anfängliche Therapie mehr als 6 Monate angesetzt, hast du keinen Anspruch auf ALG II. Du erhälst dann Sozialhilfe mit gekürztem Regelbedarf.


    wevell

  • Du musst zwischen Entgiftung und Therapie unterscheiden. Wie ich bereits schrieb ist die Suchtmedizinische Landschaft in vielen Bundesländern anders.


    Ich werde in Göttingen eine Entgiftung von 21 Tagen oder länger machen (das ist alles mit dem Krankenhaus geklärt und besprochen!), dann bei meinen Eltern in Niedersachsen unterkommen (für diese Zeit brauche ich eine Krankschreibung um nicht in Berlin sein zu müssen) und danach (denn ich warte immer noch auf die Kostenzusage der Krankenversicherung, da die Rentenversicherung drei Wochen rumgetrödelt hat um denen die Unterlagen zukommen zu lassen) werde ich eine Langzeittherapie von MINDESTENS sechs Monaten machen in einer Klinik die auf Sucht mit komorbidität zu Ängsten, Trauma und Zwangsstörung ausgerichtet ist (habe ich alles detailliert in "Vorgeschichte" und "Vorhaben" ausgeführt).


    Da ich mit den Sozialarbeitern in der LANGZEITTHERAPIE aber erst zusammen arbeiten kann, wenn die Therapie bereits losgegangen ist und ich dann das Jobcenter über meinen Therapieaufenthalt unterrichte (dass eine Langzeittherapie angestrebt ist, wissen die ja bereits seit einem Jahr, daher auch die eher untypischen Reglementierungen in meiner Eingliederungsvereinbarung und dass ich seit einem Jahr nichts von denen gehört habe, auch nicht nach Neuantragsstellung im August, s "Vorgeschichte"),


    würde ich gern wissen ob dann SOFORT mit Antritt der Langzeittherapie mein ALGII gekürzt wird und um wieviel Prozent? In welchen Gesetzespassagen muss ich dazu schauen? Wer außer der Sozialarbeiterin im Krankenhaus kann mich kostenlos/günstig dazu beraten?


    Sozialhilfe mit gekürztem Regelbedarf? Das bedeutet aber, dass meine Miete weiterhin bezahlt wird? Und wieviel )in Euro) ist Sozialhilfe mit gekürztem Regelbedarf?


    Und wo finde ich Gesetzestexte zu dieser 6-Monats-Frist? als ich damals mit meinem Sachbearbeiter über eine Langzeittherapie von mindestens sechs Monaten gesprochen habe, hat dieser nämlich nichts von Sozialhilfe gesagt (Stand November 2014). Und es war einer der eher "netteren" Sachbearbeiter der Empathie für meine Situation zeigte.


    Inwiefern soll ich vor dem JC jetzt offen mit meinem Konsum umgehen - schadet das eher oder bekomme ich dann evtl mehr Zusprüche um meine Krankheiten wirklich auszukurieren? Mir wurde angeraten mir einen Fallmanager zu besorgen. Wie sicher sind meine Daten im JC? Wer oder was ist das/der BA?


    Grüße, A.

  • Hallo,


    Zitat

    In welchen Gesetzespassagen muss ich dazu schauen?


    § 7 Abs. 4 SGB II : http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__7.html


    Zitat

    würde ich gern wissen ob dann SOFORT mit Antritt der Langzeittherapie mein ALGII gekürzt wird und um wieviel Prozent?


    Sofort, wenn von Anfang an mehr als 6 Monate Therapiedauer vorgesehen sind, also keinerlei Anspruch auf ALG II. Bei einer Prognose "bis zu 6 Monaten" wird ALG II voll gezahlt.


    Lasse dich von einer Erwerbsloseninitiative beraten.


    BA heisst Bundesagentur für Arbeit.


    Wenn ein Suchtproblem bekannt ist, sollte der Fallmanager und nicht der Arbeitsvermittler zuständig sein.


    Der Regelbedarf der Sozialhilfe ( Leistung nach Kap. 3 SGB XII ) kann gekürzt werden, z.B. der Anteil für Nahurungsmittel ( ca. 140,00 € ).


    wevell

  • Wenn ein Suchtproblem bekannt ist, sollte der Fallmanager und nicht der Arbeitsvermittler zuständig sein.


    Der Regelbedarf der Sozialhilfe ( Leistung nach Kap. 3 SGB XII ) kann gekürzt werden, z.B. der Anteil für Nahurungsmittel ( ca. 140,00 € ).


    wevell


    NOCH ist kein Suchtproblem bekannt, nur Angststörung und Depression. In meiner letzten Entgiftung vor zwei Jahren haben wir über die Problematik Sucht und JC in einer Runde von ca. zwanzig Suchtkranken und dem Chefarzt darüber diskutiert, da eine der Erkrankten kurz vor dem Abschluss ihrer Erzieherprüfung stand und Angst hatte, dass - wenn bekannt werden sollte, dass sie ein Suchtproblem hat - sie Schwierigkeiten bekommt mit Kindern arbeiten zu dürfen. Die Mehrheit hat ihr davon abgeraten ihre Suchtproblematik dem JC mitzuteilen


    Darum meine FRAGE: Inwiefern besteht Schweigepflicht vom JC aus über das was ich denen mitteile. Hat ein Fallmanager mehr Schweigepflicht ggü anderen Behörden?


    Die Problematik ist, dass ich in ein paar Tagen in die Entgiftung gehe, ich hatte eigentlich rechtzeitig (vor vier Wochen) ein Ticket für einen Termin ausgelöst, als ich letzte Woche immer noch keine Post für einen Termin hatte, habe ich die Hotline angerufen und den Termin abgesagt mit der Begründung dass ich nächste Woche (also diese Woche) ins Krankenhaus gehe.


    Bisher habe ich noch keinen Fallmanager und ich kann ab jetzt alles nur noch schriftlich mit denen klären, da mich wie schon gesagt, meine Eltern in NDS nach der Entgiftung bis zur Therapie aufnehmen, um mich aus dem "Gefahrenraum Berlin" fernzuhalten, damit ich nicht rückfällig werde. Da beide arbeitstätig sind und das eine sechsstündige Fahrt (nur eine Strecke) ist, können die mich auch nicht mal eben für einen Termin nach Berlin begleiten.


    Du schriebst etwas von ca 140€ - ist das der Teil der von der Sozialhilfe abgezogen wird oder der mir übrig bleibt?


    Danke nochmal für deine Antworten, du scheinst ja der Einzige zu sein, der mir hier hilft (das soll bitte nicht als Vorwurf gegenüber den anderen verstanden werden!).


    Grüße, A.