Unterhalt und Hartz IV – so wird angerechnet

Mutter und Tochter halten Kleingeld in der Hand

Grundsätzlich haben minderjährige Kinder von getrennt lebenden Eltern immer einen Anspruch auf Unterhalt – bei volljährigen Kindern kommt es darauf an, ob sie sich beispielsweise in Ausbildung etc. befinden. Hierbei ist der nicht betreuende Elternteil zur Zahlung von Barunterhalt verpflichtet, soweit er finanziell leistungsfähig ist. Lebt das Kind nun mit der Mutter in einer Hartz IV Bedarfsgemeinschaft und erhält Unterhalt vom Vater, so wird der Unterhalt voll als Einkommen des Kindes auf dessen Bedarf angerechnet.

Das Wichtigste in Kürze

Wird Unterhalt auf Hartz IV angerechnet?

Beim Unterhalt handelt es sich um Leistungen, die zur Deckung des Lebensunterhalts dienen also das gleiche Ziel verfolgen wie Hartz IV Leistungen. Aus diesem Grund werden Unterhalt sowie auch der Unterhaltsvorschuss voll auf den Hartz IV Bedarf angerechnet.

Mehr Hartz IV, wenn Vater keinen Unterhalt zahlt?

Hartz IV ist keine Ersatzleistung für die Unterhaltspflicht. Wenn der Vater nicht leistungsfähig ist und keine Unterhalt zahlen kann, muss man den Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt beantragen.

Wichtig: Auf den Kindesunterhalt kann nicht verzichtet werden. Beispielsweise kann die Kindesmutter nicht auf die Zahlung von Kindesunterhalt verzichten, um den Kindesvater finanziell zu entlasten und so beispielsweise höhere Hartz IV Leistungen erhalten. In diesem Fall würde das Jobcenter den Unterhaltsanspruch fiktiv anrechnen.

Wie wird Unterhalt auf Hartz IV angerechnet?

Unterhalt oder Unterhaltsvorschuss sind Einkommen, die von den Hartz IV Leistungen abgezogen werden, wobei diese – insbesondere bei Minderjährigen – immer mit dem Kindergeld einhergehen.

Einkommen mindert den Hartz IV Bedarf

Lebt ein Kind in der Hartz IV Bedarfsgemeinschaft, wird bei Erhalt von Unterhalt bzw. Unterhaltsvorschuss geprüft, inwieweit der Bedarf des Kindes damit gedeckt wird. Dabei setzt sich der Bedarf des Kindes nicht nur aus dem Regelsatz zusammen, sondern auch aus den Mehrbedarfen, Sonderbedarfen sowie der Kosten der Unterkunft und Heizung. Anders als beim Kinderzuschlag, wo es Quoten für den Wohnanteil der Kinder nach einem Existenzminimumbericht gibt, wir bei Hartz IV der Wohnraum pro Kopf aufgeteilt.

Bedarfrsermittlung

Alleinerziehende Mutter lebt mit ihrer 8-jährigen Tochter in einer Hartz IV Bedarfsgemeinschaft. Die Mutter selbst erzielt kein Einkommen. Für das Kind zahlt der Vater einen monatlichen Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle von 232 Euro (nach Abzug des Kindergeldes). Die Miete beträgt inklusive Nebenkosten 470 Euro monatlich.

Bedarf für
Regelsatz Mutter446 Euro
Mutter Mehrbedarf Alleinerziehende 12%53,52 Euro
Regelsatz Tochter309 Euro
Kosten der Unterkunft und Heizung470 Euro
Gesamtbedarf der Familie1.278,52 Euro

Im nächsten Schritt wird der Bedarf des Kindes ermittelt

Bedarf für
Regelsatz Tochter309 Euro
Kosten der Unterkunft und Heizung (50%)235 Euro
Gesamtbedarf der Tochter544 Euro

Vom Gesamtbedarf des Kindes werden nun (in dieser Reihenfolge!) Unterhalt und Kindergeld abgezogen (Kind kann seinen Bedarf nicht alleine decken).

Bedarf der Tochter544 Euro
abzüglich Unterhalt (gemindert um 30 Euro Versicherungspauschale)-202 Euro
abzüglich Kindergeld-219 Euro
Hartz IV Anteil des Kindes123 Euro

Durch den Unterhalt des Vaters sowie der Anrechnung des Kindergeldes zahlt das Jobcenter für das Kind statt 544 Euro nur noch 123 Euro aus.

Berechnung, wenn das Kind seinen Bedarf selbst decken kann

Für dieses Beispiel belassen wir alle Grundwerte aus der obigen Berechnung, nur zahlt der Vater nicht mehr einen Unterhalt von 232 Euro nach Abzug des Kindergeldes sondern 431 Euro (Gehaltsstufe 8 in der Düsseldorfer Tabelle).

Bedarf der Tochter544 Euro
abzüglich Unterhalt (gemindert um 30 Euro Versicherungspauschale)-401 Euro
abzüglich Kindergeld-219 Euro
Hartz IV Anteil des Kindes-76 Euro

Das Einkommen des Kindes liegt mit 76 Euro über dessen Bedarf mit der Folge, dass das Kind aus der Bedarfsgemeinschaft herausgerechnet wird. Der übersteigende Betrag von 76 Euro wird bei der Mutter als sonstiges Einkommen angerechnet. Da dies kein Erwerbseinkommen ist, darf die Mutter von den 76 Euro die Versicherungspauschale von 30 Euro geltend machen, so dass noch 46 Euro angerechnet werden.

Bedarf der Familie1.278,52 Euro
abzüglich Einkommen Tochter-544 Euro
abzüglich Kindergeld Überschuss-76 Euro
Hartz IV Auszahlung658,52 Euro

Zuletzt aktualisiert: 18.12.2020