Hartz IV: Die 5 skurrilsten Jobcenter Maßnahmen

Hartz IV: Die 5 skurrilsten Jobcenter Maßnahmen

Deutschlands Jobcenter erhalten jährlich Millionen Euro für Eingliederungsmaßnahmen. Die ursprüngliche Idee: Hartz IV Empfänger mit individuell ausgewählten Fördermaßnahmen möglichst schnell wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Neben einigen guten Bildungskursen, werden leider immer wieder Maßnahmen angeboten, die schlichtweg sinnfrei sind. Die Folgen: Verschwendete Steuergelder und verlorene Lebenszeit für die Teilnehmer.

Für Sie haben wir unsere traurige Top 5 der skurrilsten Jobcenter Maßnahmen zusammengestellt.

Platz 5. Arbeitslose spielen Kaufmannsladen

Beginnen können wir unser Ranking mit einem echten Hammer, denn das Jobcenter hat tatsächlich Arbeitslose zum Zwecke des „Real Life Trainings“ in einen künstlichen Supermarkt geschickt – als Einkäufer wie auch Kassierer, Lagerist und Co. Im Grunde also ein lebensechter Kaufmannsladen, ausgestattet mit allerlei Plastik Lebensmittel Attrappen aber auch mehrerer voller Regale mit echten Kekspackungen und Konservendosen.

500-800 Euro kostet das Spielchen pro Teilnehmer die Ämter bzw. den Steuerzahler. Mit der Maßnahme wird allen Teilnehmern jedoch pauschal unterstellt, sie kämen im echten Leben nicht zurecht und müssten den Umgang mit Kunden bzw. Geld von Grund auf lernen. Eine einzige Schmach für jeden Arbeitslosen.

Platz 4. Zwielichtige Maßnahme mit vermeintlicher Jobgarantie

Auf Platz 4 unseres Rankings hat es die Maßnahme mit dem klangvollen Namen „Neo“ geschafft, welche fleißig vom Jobcenter beworben wurde. Dabei handelte es sich um eine Maßnahme, die mit Jobgarantie in der Berliner Verwaltung lockte. Als Zeitarbeiter wurden Arbeitslose für 6 Monate eingesetzt, um dann – entgegen des Jobversprechens – fallen gelassen zu werden. Da viele Teilnehmer kurz vor der Rente standen, verpassten Sie mit der Aktion die letzte Chance auf einen Job. Der für die Abzocke verantwortliche Personaldienstanbieter Alinea konnte mittels Jobcenter so ordentlich Geld machen.

Schließlich kam heraus, dass keine Vereinbarung mit der öffentlichen Verwaltung bezüglich einer garantierten Übernahme bestand. Warum das Jobcenter überhaupt mit dieser Art zwielichtigen Anbietern kooperiert, ist unklar. Zumindest ist es ein Unding gegenüber den hilfebedürftigen Hartz IV Empfängern, sie in derartige Maßnahmen zu vermitteln.

Platz 3. Fitnessstudio statt Computerkurse

Anstatt in Computer- und Bewerbungskurse wurden Hartz IV Empfänger in Herford vom Jobcenter ins Fitnessstudio geschickt. Das Ganze lief unter dem Deckmantel Eingliederungsmaßnahme. Zwar war das Feedback größtenteils positiv, für die tatsächliche Arbeitsvermittlung wäre das dafür ausgegebene Budget jedoch besser in einem Bewerbungstraining oder Ähnlichem investiert gewesen.

Sport scheint beim Jobcenter als Wunderwaffe zu gelten, denn auch Berliner Jobcenter baten laut „B.Z.“ im Rahmen des Bundesprogramms „50plus“ Maßnahmen wie Nordic Walking, Wassergymnastik, Bowling, Bauch-Beine-Po-Kurse und orientalischen Tanz an. Wie erfolgreich die „Maßnahmen“ nun für das Jobcenter waren, bleibt erst einmal dahin gestellt.

Platz 2. Grundschulaufgaben auf 4. Klasse Niveau

Das Internet ist voll mit Berichten über skurrile Maßnahmen. Diese Geschichte kommt jedoch einem ausgewachsenen Skandal gleich. Eine Userin hat auf der sozialen Plattform Twitter ein Arbeitsblatt hochgeladen, welches Bestandteil einer Jobcenter Maßnahme ihrer Mutter war. Darauf zu sehen sind kleine Bildchen, die mit dem richtigen und fehlerfreien Namen betitelt werden sollen.

Eine passende Aufgabe für Grundschulkinder. Pure Erniedrigung für erwachsene Menschen. Mit einer sinnvollen Fördermaßnahme haben diese Aufgaben daher herzlich wenig zu tun.

Platz 1. Ausmalbilder zur „Förderung der Feinmotorik“

Schlimmer geht nimmer. Doch, tatsächlich. Ein 52-jähriger Hartz IV Empfänger aus Hannover musste bei einer sogenannten „Qualifizierungsmaßnahme“ bunte Bildchen ausmalen und Papierbrücken basteln. Das ist schlichtweg Kindergarten. Der Betroffene hat sich zurecht für dumm verkauft gefühlt und ging mit der Geschichte an die Presse. Das Jobcenter spricht hingegen von einer normalen Maßnahme, welche die Feinmotorik fördert. Schon klar. Zurecht hat diese Story es also auf unseren Platz 1 der skurrilsten Jobcenter Maßnahmen geschafft.

Warum werden die sinnlosen Maßnahmen angeboten und vermittelt?

Interne Jobcenter Mails verraten, dass Mitarbeiter Quoten erfüllen müssen bzw. die Kurse zu 100 % ausgebucht sein sollen. Leider sind die meisten Maßnahmen für die betroffenen Hartz IV Empfänger jedoch wenig hilfreich und tragen nur selten zum Ausweg aus Hartz IV bei. Erst Anfang diesen Jahres ging eine ehemalige Jobcenter Mitarbeiterin an die Öffentlichkeit und erklärte ganz offen: „Es geht nicht um Menschen“, und prangerte insbesondere die internen Regelungen für Hartz IV Empfänger bezüglich der Jobcenter Maßnahmen an.

Titelbild: Master1305 / shutterstock.com

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