Auszubildende, SchĂŒler und Studenten

Hartz IV Anspruch

(10.04.2018) Die Inanspruchnahme von Hartz IV fĂŒr Auszubildende, SchĂŒler und Studenten kommt grundsĂ€tzlich deshalb nicht in Betracht, weil sie dem Arbeitsmarkt nicht zur VerfĂŒgung stehen und somit nicht vermittelbar sind. Die Vermittelbarkeit des Hartz IV-EmpfĂ€ngers ist aber anspruchsbegrĂŒndende Voraussetzung fĂŒr den Leistungsbezug nach dem SGB II.

DarĂŒber hinaus schreibt § 7 Abs. 5 SGB II vor, dass Auszubildende, die eine Ausbildung absolvieren, die dem Grunde nach mit dem BAföG oder der Berufsausbildungsbeihilfe (Ausbildungsgeld bei Auszubildenden mit Behinderung) förderungsfĂ€hig sind, keinen Anspruch auf Hartz IV haben. In erster Linie bezieht sich der Leistungsausschluss nur auf die Regelleistung zur Deckung der Lebenshaltungskosten.

Leistungen zur Deckung der Unterkunftskosten sowie zur Deckung von Sonderbedarfen werden dagegen in AusnahmefÀllen erbracht.

Hartz IV bei SchĂŒlern, Studenten und Auzubildenden

Hartz IV Anspruch bei BAföG Förderung

Ein Anspruch auf Hartz IV besteht regelmĂ€ĂŸig nicht, wenn die Ausbildung als solche nach den Bestimmungen des BAföG gefördert werden kann oder konnte. Das bedeutet vor allem, dass es nicht darauf ankommt, ob die zustehenden Leistungen auch tatsĂ€chlich beansprucht werden oder wurden. Entscheidend ist allein, dass der Auszubildende BAföG beziehen könnte, wenn er die Voraussetzungen fĂŒr eine entsprechende Förderung erfĂŒllt (Bundessozialgericht, AZ: B 14/7b AS 36/06 R vom 06.09.2007).

Besteht etwa kein Anspruch auf BAföG-Förderung mehr (z.B. wegen Überschreiten der Förderungshöchstdauer, Anrechnung von Einkommen oder Bezug von Unterhaltsleistungen etc.) besteht dennoch kein Anspruch auf ALG II bzw. Hartz IV, da die Ausbildung nach dem BAföG förderungsfĂ€hig bleibt.

Wer hat Anspruch auf BAföG? → http://www.bafoeg-aktuell.de/bafoeg/anspruch.html

Ausnahmen bei bestehender BAföG-FörderungsfÀhigkeit der Ausbildung

Von den in § 7 Abs. 5 SGB II dargestellten GrundsÀtzen sind allerdings Ausnahmen möglich, die wiederum in § 7 Abs.6 SGB II geregelt sind. Ein Anspruch auf Hartz IV besteht trotz nach dem BAföG förderungsfÀhiger Ausbildung, wenn (der Auszubildende):

Wohnung der Eltern/ eigene Wohnung

  • bei den Eltern wohnt und die AusbildungsstĂ€tte von der Wohnung der Eltern in angemessener Zeit (tĂ€gliche Hin- und RĂŒckfahrt bis zu zwei Stunden) erreichen könnte
  • eine eigene Wohnung hat, die AusbildungsstĂ€tte aber von der Wohnung der Eltern in angemessener Zeit erreichen könnte und er außerdem weder verheiratet ist oder war und auch nicht mit einem Kind zusammenlebt

SchĂŒler an Berufsfachschule/ Fachschule SchĂŒler-BAföG

  • SchĂŒler an Berufsfachschulen und Fachschulen, deren Besuch keine Berufsausbildung voraussetzt und bei denen sich der monatliche Bedarf nach § 12 Abs. 1 Nr. 1 BAföG bemisst (231 Euro)

In diesem Fall wird das gewĂ€hrte BAföG als Einkommen bei der Berechnung der Höhe der ALG II-BezĂŒge berĂŒcksichtigt. Ein bestimmter Betrag (der so genannte ausbildungsbedingte Bedarf fĂŒr Fahrtkosten und Ausbildungsmaterial) bleibt dabei jedoch anrechnungsfrei.

Abendschule nach Vollendung des 30. Lebensjahres

  • eine Abendhauptschule, eine Abendrealschule oder ein Abendgymnasium besuchen, sofern der Auszubildende bei Beginn der Ausbildung das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet hat

Diese AusbildungsgĂ€nge werden erst mit Erreichen eines bestimmten Ausbildungsstadiums mit BAföG gefördert. In der Regel werden nur die letzten zwei Semester (bei Abendhaupt- und Abendrealschule) und die letzten drei Semester bei einem Abendgymnasium gefördert, weil man bis dahin davon ausgeht, dass der Auszubildende nebenher noch erwerbstĂ€tig sein kann. Deshalb kommt fĂŒr ihre Absolventen vor Eintritt in die Abschlussphase der Ausbildung ALG II infrage, sofern HilfebedĂŒrftigkeit entsteht.

Anspruch auf Hartz IV bei Teilzeitstudium

Nimmt dagegen die Ausbildung nicht die volle Arbeitskraft des Auszubildenden in Anspruch (mindestens 20 Unterrichtsstunden pro Woche, VwV 2.5.2. zu § 2 Abs. 5 BAföG), und ist der Auszubildende infolgedessen vom BAföG ausgeschlossen, kann eine abweichende Beurteilung geboten sein.

Abendschule

Die Bewilligung von ALG II kann beispielsweise infrage kommen bei dem Besuch von Abendschulen, denn diese Ausbildungen sind dem Grunde nach erst in den letzten Ausbildungsabschnitten (bei Abendhaupt- und Abendrealschule zwei Semester und die letzten drei Semester bei einem Abendgymnasium) nach dem BAföG förderungsfÀhig. Hierbei geht man davon aus, dass der Auszubildende bis dahin einer ErwerbstÀtigkeit nachgehen kann.

Anspruch auf Hartz IV bei Beurlaubung (Krankheit, Schwangerschaft)

Wird eine Ausbildung infolge Krankheit oder Schwangerschaft unterbrochen, besteht nach § 15 Abs. 2a BAföG weiterhin Anspruch auf BAföG Leistungen fĂŒr einen Zeitraum von drei Monaten. In diesem Zeitraum ist ein Anspruch auf Hartz IV nach § 7 Abs. 5 SGB II ausgeschlossen.

Nach diesen drei Monaten besteht der Anspruch auf BAföG nicht mehr, so dass Hartz IV Leistungen zum Lebensunterhalt beansprucht werden können.

Hartz IV in HÀrtefÀllen bei bestehendem BAföG Anspruch

Zwar sind SchĂŒler und Studenten, die BAföG-Leistungen erhalten, grundsĂ€tzlich vom Bezug der Grundsicherung ausgeschlossen. In besonderen HĂ€rtefĂ€llen kann allerdings Hartz IV in Darlehensform erbracht werden (§ 7 Abs. 5 SGB II), wenn außergewöhnliche UmstĂ€nde vorliegen, die eine besondere HĂ€rte begrĂŒnden. Dies mĂŒssen regelmĂ€ĂŸig UmstĂ€nde sein, bei deren Vorliegen die NichtgewĂ€hrung von ALG II unzumutbar wĂ€re.

Das wird von den LeistungstrĂ€gern in jedem Einzelfall geprĂŒft. Da es sich bei der Bewilligung ergĂ€nzender ALG II-Leistungen um eine Ermessensentscheidung handelt, besteht grundsĂ€tzlich kein Rechtsanspruch auf zusĂ€tzliche ALG II-GewĂ€hrung. Das Ermessen kann sich aber reduzieren, wenn feststeht, dass durch den eingetretenen finanziellen Engpass die gesamte Ausbildung gefĂ€hrdet ist und die Möglichkeit einer vorzeitigen Erbringung von BAföG unter Vorbehalt der RĂŒckforderung (§ 51 Abs.2 BAföG) nicht besteht.

Ein besonderer HĂ€rtefall wird auch angenommen, wenn ohne die GewĂ€hrung des zusĂ€tzlichen ALG II eine unmittelbar vor dem Abschluss stehende Ausbildung abgebrochen werden muss und als Folge dessen Erwerbslosigkeit droht. Auch bei Auszubildenden mit Kind, chronisch Kranken oder Behinderten wird sich das Ermessen des LeistungstrĂ€gers vielfach reduzieren, denn diesen Personen ist eine ErwerbstĂ€tigkeit zur ÜberbrĂŒckung ihrer Notsituation oftmals nicht zumutbar.

Hartz IV bei Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) und Ausbildungsgeld

Auch Auszubildende, die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) oder Ausbildungsgeld erhalten, sind grundsĂ€tzlich vom Hartz IV ausgeschlossen. Denn auch die staatliche Förderung dieser Ausbildungen richtet sich abschließend nach den Vorschriften der jeweils maßgeblichen §§ 56 bis 60 SGB III (BAB) bzw. §§ 122ff SGB III (Ausbildungsgeld).

Aber auch hier sind Ausnahmen vorgesehen. So kommt auch fĂŒr diese Auszubildenden die Bewilligung von ALG II als Darlehen in besonderen HĂ€rtefĂ€llen infrage (§ 7 Abs. 5 SGB II).

Daneben ist ALG II möglich, wenn der Auszubildende nicht die Anspruchsvoraussetzungen des § 56 Abs. 1 SGB III erfĂŒllt und deshalb keine BAB erhĂ€lt. Das gilt fĂŒr Auszubildende, die jeweils

  • im Hauhalt der Eltern wohnen und die AusbildungsstĂ€tte von der Wohnung der Eltern aus in angemessener Zeit erreichen können (tĂ€gliche Hin- und RĂŒckfahrt bis zu zwei Stunden)
  • eine eigene Wohnung haben, die AusbildungsstĂ€tte aber von der Wohnung der Eltern in angemessener Zeit erreichen können und sie außerdem weder volljĂ€hrig noch verheiratet sind oder waren und auch nicht mit einem Kind zusammenleben

Außerdem kann ein Anspruch auf ALG II fĂŒr Auszubildende bestehen, die

  • als Teilnehmer an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme mit einem monatlichen Bedarf von 216 Euro bei den Eltern wohnen (das gilt bei Bezug von BAB und Ausbildungsgeld gleichermaßen)

Ebenfalls berechtigt zum ALG II-Bezug sind Auszubildende bei

  • Maßnahmen in anerkannten WerkstĂ€tten fĂŒr behinderte Menschen, die als Ausbildungsgeld im ersten Jahr 63 Euro und danach 75 Euro monatlich erhalten

In diesen FĂ€llen unterbleibt zudem eine Anrechnung des Ausbildungsgeldes auf Hartz IV.


Umfang der Hartz IV-Leistungen

Hartz IV als Darlehen in besonderen HÀrtefÀllen

Wird ALG II in besonderen HĂ€rtefĂ€llen als Darlehen geleistet, erreicht es maximal die Höhe der zu erwartenden Ausbildungsleistung (BAföG, BAB, Ausbildungsgeld). Die GewĂ€hrung kann davon abhĂ€ngig gemacht werden, dass der Auszubildende seinen Förderungsanspruch abtritt oder sich verpflichtet, die erbrachten BetrĂ€ge bei rĂŒckwirkender Leistungsbewilligung sofort zurĂŒckzufĂŒhren.

Als Darlehen wird in besonderen HĂ€rtefĂ€llen nur der so genannte ausbildungsgeprĂ€gte Bedarf an den Auszubildenden geleistet (Regelleistung plus Unterkunftskosten). Mehrbedarfe und Leistungen fĂŒr Angehörige, die mit dem Auszubildenden in Bedarfsgemeinschaft leben, werden dagegen als Zuschuss gewĂ€hrt, der nicht zurĂŒckzuzahlen ist.

HÀrtefÀlle sind beispielsweise:

    • die Ausbildung/ Studium ruht wegen der Geburt eines Kindes und der damit verbundenen Betreuung
    • das Studium/die Berufsausbildung wegen Krankheit, Schwangerschaft oder Behinderung lĂ€nger dauert, als es durch das BAföG/SGB III gefördert werden kann und der erfolgreiche Abschluss wegen fehlender Mittel gefĂ€hrdet wĂ€re
    • es einem Schwerbehinderten bei Abbruch der schulischen oder beruflichen Ausbildung langfristig und möglicherweise auf Dauer nicht möglich sein wird, seinen Lebensunterhalt durch eine ErwerbstĂ€tigkeit ausreichend zu sichern
    • ein mittelloser Student sich in der akuten Phase des Abschlussexamens befindet und ihm deshalb ein Abbruch der Ausbildung nicht zugemutet werden kann
    • der Abschluss der beruflichen Ausbildung unmittelbar bevorsteht, – nach der Interpretation der Verwaltungsgerichte gilt das allgemeine Prinzip „Je fortgeschrittener die Ausbildung bereits ist, desto grĂ¶ĂŸer die HĂ€rte, die ein Abbruch der Ausbildung bedeuten wĂŒrde“
    • die gewĂ€hrte SchĂŒlerförderung den als laufende Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Bundessozialhilfegesetz in Betracht kommenden Betrag deutlich unterschreitet und dem SchĂŒler die AusĂŒbung einer NebentĂ€tigkeit zu Erwerbszwecken von der Schule
      untersagt wird oder aus anderen GrĂŒnden unmöglich ist und darĂŒber hinaus sĂ€mtliche Personen der Haushaltsgemeinschaft im Sinne des § 16 BSHG, in welcher der SchĂŒler lebt, Hilfe zum Lebensunterhalt beziehen oder ein Einkommen haben, das die SozialhilfesĂ€tze nicht ĂŒberschreitet

keine HÀrtefÀlle liegen dagegen vor, wenn:

  • die Ausbildung ohne zusĂ€tzliche finanzielle UnterstĂŒtzung aus wirtschaftlichen GrĂŒnden abgebrochen werden mĂŒsste
  • die AusbildungsvergĂŒtung unterhalb des Sozialhilfebedarfes angesiedelt ist, da die Differenz durch (zusĂ€tzliches) Arbeitseinkommen gedeckt werden kann
  • der Auszubildende/Studierende die von ihm beantragte Förderleistung (BAföG/BAB) tatsĂ€chlich noch nicht erhalten hat;, auf die hierfĂŒr maßgebenden Ursachen kommt es nicht an
  • UnterstĂŒtzungsleistungen Dritter infolge des Überschreitens der Höchstförderungsdauer ausbleiben

Hartz IV als Regelbezug

Bei Auszubildenden, die weder BAföG noch BAB/Ausbildungsgeld erhalten, ist dem Grunde nach ein Anspruch auf ALG II gegeben. ErfĂŒllen sie die weiteren Anspruchsvoraussetzungen fĂŒr die Leistungsbewilligung, stehen sie im regulĂ€ren ALG II-Bezug.

Wie in den sonstigen FĂ€llen der Bezugsberechtigung fĂŒr ALG II muss der Auszubildende also:

  • erwerbsfĂ€hig sein, das heißt, mindestens drei Stunden tĂ€glich erwerbstĂ€tig sein können (zu dieser Voraussetzung der Vermittelbarkeit bei Auszubildenden siehe schon oben)
  • hilfebedĂŒrftig sein
  • seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben

Die HilfebedĂŒrftigkeit schließt bei Auszubildenden stets die PrĂŒfung der LeistungsfĂ€higkeit der Eltern ein, denn diese sind ihren Kindern grundsĂ€tzlich zum Unterhalt verpflichtet. Daher ist der Auszubildende nicht hilfebedĂŒrftig, wenn die Eltern den Ausbildungsbedarf decken können. Dagegen ist HilfebedĂŒrftigkeit grundsĂ€tzlich zu bejahen, wenn die Eltern ihrerseits ALG II-Leistungen beziehen.

Ist der Auszubildende hilfebedĂŒrftig, hĂ€ngt seine Anspruchsberechtigung des Weiteren davon ab, ob er erwerbsfĂ€hig ist, dem Arbeitsmarkt also zur VerfĂŒgung steht. Das ist der Fall, wenn die Ausbildung nicht die volle Arbeitskraft in Anspruch nimmt (mindestens 20 Stunden die Woche), denn unter dieser Bedingung werden keine Ausbildungsleistungen erbracht (§ 2 Abs. 5 BAföG). Ob die Voraussetzung fĂŒr einen solchen Förderausschluss tatsĂ€chlich vorliegt, entscheidet die fĂŒr die Bewilligung der Ausbildungsleistung zustĂ€ndige Stelle in jedem Einzelfall (z.B. das BAföG-Amt).

Mietzuschuss fĂŒr Auszubildende

Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen können Auszubildende einen Zuschuss zu den Kosten fĂŒr Unterkunft und Heizung erhalten, wenn kein Anspruch auf Wohngeld besteht (§ 22 Abs. 7 SGB II). Hintergrund dieser Regelung ist die mangelnde anteilige BerĂŒcksichtigung der Wohnkosten in den BedarfssĂ€tzen der Ausbildungsleistungen.

Um soziale HĂ€rten, die hiermit einhergehen können, aufzufangen, hat sich der Gesetzgeber entschieden, fĂŒr bestimmte Gruppen von Auszubildenden, fĂŒr die sonst die Ausschlussklausel des § 7 Abs. 5 SGB II gilt, Anspruch auf Zuschuss zu den ungedeckten angemessenen Kosten der Unterkunft und Heizung zu gewĂ€hren. Der Zuschuss wird als Beihilfe erbracht, der nicht zurĂŒckgezahlt werden muss. Zudem gilt er nicht als ALG II-Leistung (§ 19 S. 2 SGB II). Der Bezieher unterliegt also nicht der Pflicht zur Arbeitssuche.

Dagegen darf kein besonderer HĂ€rtefall vorliegen (§ 7Abs.5 S.2 SGB II), denn in diesem Fall wird die Komplettleistung zur Sicherung des Lebensunterhalts als Darlehen erbracht. Eine Übernahme der ungedeckten angemessenen Kosten fĂŒr Unterkunft und Heizung scheidet dann aus. Das bedeutet, dass der Mietzuschuss nach § 22 Abs.7 SGB II der DarlehensgewĂ€hrung in HĂ€rtefĂ€llen regelmĂ€ĂŸig vorgeht.

Ausschluss von vorrangigem Wohngeld

Vom Wohngeldbezug sind folgende Auszubildenden ausgeschlossen (§§ 7 Abs.1, 20 Abs.2 WoGG)

  • Auszubildende, die einen Mietzuschuss nach § 22 Abs.7 SGB II zu ihren ungedeckten. angemessenen Kosten fĂŒr Unterkunft und Heizung erhalten
  • SchĂŒler, Studierende und Auszubildende, wenn ihnen BAföG, BAB oder Ausbildungsgeld dem Grunde nach zusteht

Ungedeckte Kosten

Die ungedeckten Kosten entsprechen der Differenz zwischen den tatsĂ€chlichen Wohnkosten des Auszubildenden (Warmmiete) und den in der Ausbildungsleistung jeweils vorgesehenen PauschalbetrĂ€gen zur Abgeltung der Kosten fĂŒr Unterkunft und Heizung. Liegen die realen Kosten ĂŒber der anteiligen Förderungsleistung, kann der Mietzuschuss diesen Unterschied ausgleichen.

Voraussetzung fĂŒr den Zuschuss ist aber immer, dass die nicht gedeckten Kosten tatsĂ€chlich auch dem Auszubildenden selbst entstehen. Hat er diese Kosten nicht zu ĂŒbernehmen, weil eine andere Person dafĂŒr aufkommt, scheidet eine ZuschussgewĂ€hrung aus. Das gleich gilt grundsĂ€tzlich dann, wenn der Auszubildende mietfrei wohnt.

Anspruchsberechtigung auf den Mietzuschuss

Mit § 22 Abs.7 SGB II hat der Gesetzgeber eine Regelung fĂŒr solche Auszubildenden geschaffen, die Ausbildungsleistungen (BAföG, BAB oder Ausbildungsgeld) beziehen und die bislang von den Leistungen zur Grundsicherung ausgeschlossen waren.

Dies sind im Einzelnen Auszubildende, die

  • BAB beziehen und im eigenen Haushalt wohnen, bei denen die BAB aber die Kosten fĂŒr Unterkunft und Heizung nicht ausreichend berĂŒcksichtigt
  • BAföG als SchĂŒler erhalten und nicht nach § 7 Abs.6 SGB II anspruchsberechtigt sind
  • BAföG als Studierende im Haushalt der Eltern erhalten und Kosten fĂŒr Unterkunft und Heizung beisteuern mĂŒssen, weil die Eltern den auf das studierende Kind entfallenden Wohnkostenanteil nicht tragen können, insbesondere, wenn sie selbst hilfebedĂŒrftig sind und daher einen Teil der Wohnkosten nicht erstattet bekommen
  • Ausbildungsgeld nach dem SGB III erhalten

Keinen Anspruch auf Mietzuschuss haben:

  • Studierende, die eine eigene Wohnung bewohnen
  • Auszubildende oder Studierende, die wegen der NichterfĂŒllung der Voraussetzungen keinen Anspruch auf Ausbildungsförderung haben (etwa wegen Überschreitens der Förderungshöchstdauer oder anzurechnendem Einkommens der Eltern)
  • Auszubildende oder Studierende, die zur Kostendeckung auf einen Zuverdienst im Rahmen ihrer Ausbildung verwiesen werden können
  • Auszubildende unter 25 Jahren in den FĂ€llen des § 22 Abs.2a SGB II

Angemessenheit der Unterkunftskosten

GrundsĂ€tzlich sind nur angemessene Unterkunftskosten zuschussfĂ€hig. Die Angemessenheit der Kosten ist regional unterschiedlich. Sie kann bei der zustĂ€ndigen ARGE erfragt werden. ZustĂ€ndig fĂŒr die Entscheidung ĂŒber die Bewilligung des Mietzuschusses ist die ARGE, in der der Antragsteller seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Nach der Rechtsprechung gelten fĂŒr Antragsteller, die in einer Wohngemeinschaft leben, im Übrigen die gleichen Grenzen der Angemessenheit, wie wenn sie eine eigene Wohnung bewohnen (Bundessozialgericht, Urteil v. 18.06.2008, B 14/11b AS 61/06 R).

Mietzuschuss Auszubildende unter 25 Jahren

Bei Beziehern von BAB oder SchĂŒler-BAföG ist die Vorschrift des § 22 Abs.2a SGB II zu beachten. Nach dieser Regelung sollen hilfebedĂŒrftige Auszubildende, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, nur dann einen eigenen Hausstand grĂŒnden, wenn

  • es ihnen aufgrund schwer wiegender sozialer GrĂŒnde nicht zugemutet werden kann, bei den Eltern zu wohnen
  • der Bezug einer eigenen Unterkunft zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt notwendig ist
  • ein Ă€hnlich schwer wiegender Grund vorliegt

Dabei gelten insbesondere nicht als Ă€hnlich schwer wiegende GrĂŒnde, die eine Ausnahme rechtfertigen können, wenn der Auszubildende

  • eine eigene Wohnung bezieht, um ungestört lernen zu können
  • sich in der elterlichen Wohnung ein Zimmer mit Geschwistern teilen muss

Personen, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und die keinen dieser GrĂŒnde erfĂŒllen, können daher keine eigene Wohnung anmieten und hierfĂŒr einen Mietzuschuss nach § 22 Abs. 7 SGB II erhalten.

Auszubildende, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und im Haushalt der Eltern leben, bilden mit diesen eine Bedarfsgemeinschaft (§ 7 Abs. 3 SGB II). Daher ist auch das Vermögen und Einkommen der Eltern zu berĂŒcksichtigen, so dass nur dann ein Anspruch auf Zuschuss zu dem angemessenen Kostenanteil der Unterkunftskosten besteht, wenn tatsĂ€chlich HilfebedĂŒrftigkeit vorliegt. Daran fehlt es, wenn der auf den Auszubildenden entfallende Anteil an den Unterkunftskosten wirtschaftlich von den Eltern getragen werden kann, denn die Eltern sind dem in der Ausbildung befindlichen Kind grundsĂ€tzlich unterhaltspflichtig.

FĂŒr weitere Fragen kann das Hartz IV Forum genutzt werden.

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